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Schloss Filseck


Schloss Filseck
73066 Uhingen
Tel.: 07161 983 32 80
Homepage

Öffnungszeiten:

Di-So 14.00-17.00 Uhr
»Filseck war zu jeder Zeit ein Treffpunkt der Leute aus nah und fern. Zuerst bei den Rittern, später als Adelssitz, schließlich zur Zeit der Waggershauser kamen die Bauern vom weiten Osten und von Westen bis aus Amerika. Und was noch wichtiger ist, Filseck war zu allen Zeiten ein begehrtes Wanderziel für die Leute der Umgebung«.
Zitat von Karl Kemmner aus dem Buch »Filseck – Edelmann, Bettelmann, Bauer, Soldat …«
Die Burg Filseck wurde um ca. 1230, in der Stauferzeit, von Graf Egino von Aichelberg erbaut. Der Legende nach war die Burg Filseck zur Zeit Barbarossas (erster Stauferkaiser) eine Schutzburg für die Reichsstraße im Filstal und für die Klöster Faurndau und Sirnau. Außerdem galt sie als Vorwerk zur Burg Hohenstaufen.
Zunächst bestand Filseck aus einem 10 x 10 m großen zweistöckigen Wohnturm mit einem 40 x 40 m großen Burghof. Die 4 m tiefen Burggräben dienten als Steinbruch.
Im 14./15. Jahrhundert wurde an der Westseite eine Zehntscheuer für Naturalabgaben der Bauern gebaut. Von diesen Steuern, einem Teil der Ernte der Bauern, lebten die Burgherren.
Die ersten landwirtschaftlichen Gebäude entstanden im 16. Jahrhundert entlang der Südmauer des Schlosses. (Wechselnde Besitzer von 1318 – 1573)
Im Jahr 1596 ging die Burg an Burkhard von Berlichingen. In den folgenden Jahren ließ Berlichingen die Burg zum Renaissanceschloss umbauen. 1596/97 wurde der Nordflügel und teilweise der Ostflügel als Mauerwerk im Stil der Renaissance neu aufgebaut – ähnlich dem heutigen Erscheinungsbild. Weiterhin wird erwähnt, dass über Terrassen 99 Stufen zum Friedhof hinunter führten; vergleich Gemälde von Fritz Schurr.
Graf Karl Magnus Leutrum Freiherr von Ertringen erwarb 1721 Schloss Filseck und erweiterte 1736 dies um ein zweites
Stockwerk auf den staufischen Ostflügel; es entsteht ein vierflügeliges Schloss mit gleicher Firsthöhe. Zudem baute er
1732 den Charlottenhof als Schaf-Hof und legte den Charlottensee an (heutiges Biotop), nach seiner Gemahlin benannt. Eine neu gepflanzte Allee verband das Schloss mit dem Charlottenhof.
Unmittelbar neben dem Schloss entstan-den eindrucksvolle Parkanlagen im Stile eines englischen Landschaftsgartens.
Der Augsburger Bankier Christian 1. von Münch wurde im Jahr 1749 Hauptgläubiger von Schloss Filseck. Der Hauptsitz der Familie Münch war in Hohenmühringen. Schloss Filseck galt neben den fünf weiteren Schlössern und Höfen als Sommersitz.
Freiherr Baron Oskar von Münch studierte Landwirtschaft in Hohenheim und baute 1850 ein modernes Wirtschaftsgebäude südlich des Schlosses. Neue Pferde- und Kuhställe mit einem modernen Futtergang wurden erbaut. Außerdem errichtete er
eine Wasserleitung, Elektrizität und Telefon auf Schloss Filseck. Um 1900 ließ Oskar von Münch ein Brunnenhäuschen bauen. Eine Pumpe beförderte das dort geschöpfte Wasser hinauf zum Wasserhochbehälter, zum heutigen Wasserreservoir, von wo es dann ins Schloss geleitet wurde.
Die Herren von Münch beschäftigten sich intensiv mit Forstwirtschaft. So werden die zwei hundert Jahre alten »Familienbuche« und »Verlobungseiche« (um 1700 gepflanzt) erhalten und gepflegt.
Am 22. August 1873 wurde der Maler Eugen Wolff-Filseck auf Schloss Filseck als Sohn des dortigen Gutsverwalters geboren. Seine Werke zeigen die Tierwelt, Landschaften und Stillleben, aber auch das Interieur des Schlosses.
Jungbauer Otto & Veronika Waggershauser pachteten Schloss Filseck ab dem 2. Februar 1906. Insgesamt werden 9 Kinder geboren. Ab diesem Zeitpunkt wurde die Landwirtschaft mit Verwaltern betrieben. Erste Baumaßnahmen waren ein Hühner- und Schweinestall und eine eigene Futterhalle. 1910 wurde das »Schweizerhäusle« für den Viehpfleger gebaut. Zusammen mit der Landwirtschaftlichen Hochschule Hohenheim wurde der »Waggershauser Kolbendinkel« gezüchtet.
Vor 1914 waren Gutsherren »Herrenleute«, so auch Familie Waggershauser. Sonntags spazierten damals viele Leute zum größten Hof im unteren Filstal, nach Filseck und bestaunten die vorbildhaften Felder und Ställe. Nach dem 1. Weltkrieg und dem Tod von Otto Waggershauser übernahm der Sohn Alfons Waggershauser viel Verantwortung für Filseck. Er rüstete mit 2000 Obstbäume die Obstwiesen an den Hängen um das Schloss auf, da dort kein Ackerbau möglich war. Ein Bienenhaus zur Bestäubung der Bäume war von Nöten.
Der Filsecker Apfel- und Birnenmost wurde bekannt und war eine wichtige Einnahme für die Familie. Im Keller des Schlosses lagerten mehrere 7000 Liter-Fässer.
Nach der Hochzeit von Alfons Waggershauser und Ria begann die Großhühnerhaltung. Unter der Führung von Ria Waggershauser, der gelernten Geflügelzüchterin, wurden
an den schattigen Hängen östlich vom Schloss Aufzuchthütten gebaut. Ein gutes Geschäft nach dem Krieg. Mit dem Auszug der Waggershauser 1969 verlässt auch der letzte Bauer Schloss Filseck.
Ein Brand im Mai 1971 zerstörte auf Schloss Filseck vor allem den Ökonomieflügel.
Danach erwarb Doktor Manfred Beck aus Stuttgart das Schloss. In den folgenden Jahren scheiterten einige Versuche der Schlossübernahme von Privatpersonen auf Grund der hohen Kosten für die Sanierung, bis der Landkreis Göppingen die »Ruine mit Dach« im Jahre 1986 kaufte. Von 1989 – 1994 wurde Schloss Filseck renoviert. Seit dem 01.01.2008 ist Schloss Filseck im Besitz der Schloss-Filseck-Stiftung der Kreissparkasse. Heute befinden sich ein Restaurant, diverse Veranstaltungssäle, das Kulturamt des Landkreises mit dem Kreisarchiv, die Kreisarchäologie im Schloss sowie der Sitz der Schloss-Filseck-Stiftung.
Ohne den Wald und die Bäume, welche die Burg umgeben und einfrieden, hätte diese einen weit geringeren Reiz. »Du musst auf die Bäume schauen, dort wo sie schlank nach oben wachsen, ist der Boden tiefgründig und gut gepflegt!« pflegte Alfons Waggershauser zu sagen.
Die Ressourcen Raum und Identität sind Schlüsselelemente zur nachhaltigen Wertschöpfung einer verdichteten Region.
Raum zur Erholung und eine lebens- und erlebenswerte Umwelt sind die Grundlage um Menschen zu binden.
Die Partnerschaft der Sparkasse Göppingen mit der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen und die Unter-
stützung durch den Landkreis und die beiden Kommunen Göppingen und Uhingen verdeutlichen das Verständnis aller Partner über die Verantwortung für diese Aufgabe. Mit dem Konzept des Landschaftsparks Filseck und der Sanierung des Schlossparks wird nachhaltiges wirtschaftliches Handeln in Wirklichkeit umgesetzt. Ihre Vorteile werden für alle Menschen in der Region unmittelbar nachvollziehbar. Die Hochschule
für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen will durch ihre Expertise in ökologischer, planerischer und gestalterischer Hinsicht ihren Beitrag zur Entwicklung des Landschaftsparks Filseck leisten.

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