Seit den antiken Ägyptern und Griechen dienen Truhen zum Aufbewahren wertvoller Dinge. Truhen waren somit lange Zeit das einzige Verwahrmöbel und nahmen das gesamte Hab und Gut ihrer Besitzer auf. Sie gelten als das erste multifunktionale Möbel und begleiten uns auch heute noch im Alltag.
Sozusagen ist die Truhe die Mutter aller Möbel. Aus ihr entwickelten sich Bänke (Sitztruhen) und Schränke (aufrecht stehende Truhen) Im Laufe der Jahrhunderte wurden sie jedoch immer wieder den Bedürfnissen der Menschen angepasst. Sehr oft verwendet für die Aussteuer einer Braut, gefüllt mit edler Tafel-, Bett- und Haushaltswäsche. Die in der Herstellung aufwändigen und somit teuren Textilien wurden dann sorgfältig am Grund der Truhe gestapelt.
Neben der Aussteuer der Braut, dem Hab und Gut einer Magd oder persönlichen Wertsachen und Erinnerungen wurde sie vor allem als Vorratsobjekt genutzt und Futter, Getreide und Mehl usw. darin gelagert. Der Inhalt war somit geschützt vor tierischen Schädlingen und konnte trocken aufbewahrt werden.
Oft gab aber auch kleine Beiladen im Inneren, zum Teil mit versteckten Geheimfächern ausgestattet, diese enthielten meist Wertsachen, Briefe, Schreibzeug und anderes mehr. Nebenbei prägten auch Abenteuerliteratur und Filme heutige Vorstellungen von Schatztruhen mit ihren besonderen Schlössern und edlen Inhalten.
Tatsache ist: kaum ein anderes Möbel schützte in diesem Maße echte Werte.
Relativ einfach konstruiert, wurden Truhen von Landschreinern bis in das 19. Jahrhundert hinein angefertigt. Die neu aufgekommene Kommode hat ihr danach den Rang abgelaufen. Später wurden Truhen als altmodisch und unpraktisch nicht mehr geschätzt, zum Glück wurden sie nicht immer zerschlagen und verheizt. Viele fristeten viele Jahre ihr Dasein auf Dachböden, in Ställen oder Werkstätten. Oft neu bemalt, konnte jedoch auch ein altes, ungeliebtes Stück wieder verwendet werden. Ausgemusterte Exemplare dienten im Stall als Futterkiste, andere änderten ihre Daseinsberechtigung und wurden zum Fernseh-Schränkchen umfunktioniert. Nicht selten verweisen mehrere Farbschichten auf diese Art der Renovierung. Weniger glücklich war dagegen die "Ablaugwelle", der auch heute noch zahlreiche Möbel zum Opfer fallen.
Meistens war das Möbel aus einfachem Nadelholz und ursprünglich mit reicher Malerei, meist floraler Ornamentik, verziert. Aufgemalte Jahreszahlen erleichtern die chronologische Einordnung.
Das Rößler-Museum rückt diese besonderen Möbelstücke in einer umfangreichen Sonderausstellung mit über 50 Exponaten aus über 4 Jahrhunderten in das Licht der Öffentlichkeit. Grundlage dieser Ausstellung sind die reichen Möbelbestände des Museums sowie Leihgaben anderer Museen.
Mit dieser Plattform werden nun viele der wertvollen und seltenen Stücke aus der Enge des Magazins oder dem Dunkel von Aufbewahrungsräumen hergeholt, der interessierten Öffentlichkeit vorgestellt und erklärt. Dies ist umso bedeutender, als die Truhen unserer Sammlung den Möbelbau, die schreinerische wie auch malerische Ausgestaltung dieser althergebrachten Bewahrmöbel über vier Jahrhunderte hinweg dokumentieren können.