17.05.2009 - 12.07.2009
Ort: Haus Wahnfried
Richard Wagner hat die Schweiz in den frühen 1850er Jahren nicht nur als politischer Flüchtling, sondern auch als touristisch Reisender und als abenteuerfreudiger Wanderer erlebt und auf seine Art geprägt. Diesem wenig bekannten Aspekt in Wagners Leben widmet das Haus Wahnfried eine vom schweizer Büro ARTES (Dr. Verena Naegele & Sibylle Ehrismann) konzipierte Sonderausstellung.
Insbesondere Brunnen am Vierwaldstätter See hat Wagner mehrmals besucht. Hier hatte er sogar seine Festspielidee ursprünglich verwirklichen wollen, verzichtete aber wegen der heftigen Föhnstürme letztlich darauf. Von hier aus startete der damals bereits 40jährige Wagner seine grossen Wanderungen in der Zentralschweiz. Historische Orte wie die in Friedrich Schillers „Wilhelm Tell“ dichterisch verewigten „Tells Platte“ oder die „Rütli-Wiese“ begeisterten ihn sehr. Hier hat er zusammen mit Franz Liszt und Georg Herwegh aus den drei Quellen getrunken und mit einem „heiligen Schwur“ Brüderschaft geschlossen. Aber auch das Faulhorn oder der mühsam erwanderte Rosegg-Gletscher faszinierten ihn trotz schwerster Strapazen.
Die Ausstellung zeigt, wie gefährlich solche mehrtätigen Bergtouren in der Pionierzeit des Alpinismus waren. Sie fanden oft mit unzulänglicher Ausrüstung statt, ohne ausreichende Gebirgserfahrung und meist zu Fuss oder mit Pferden auf unmarkierten Wegen. Kernstück der Ausstellung bildet die Sammlung historischer Stiche von idyllisch dargestellten Schweizer Orten, die von Wagner besucht worden sind und die sich im Richard-Wagner-Museum Bayreuth befinden. Auf einer überdimensionalen historischen Schweizer Landkarte sind Wagners Wanderungen farblich markiert nachzuvollziehen.
Auch musikalische Anregungen, die aus Wagners engem Verhältnis zur grandiosen und unberührten Berglandschaft hervorgegangen sind, werden konkret dokumentiert: so inspirierte ihn das Alphorn, welches ihn am frühen Morgen nach einer Übernachtung auf der Rigi weckte, zur Hirtenmelodie im dritten Aufzug von „Tristan und Isolde“. Die brieflich belegten Einflüsse dieser Schweizer Wanderungen auf Wagners musikalisches Schaffen werden anhand von Notenbeispielen, frühen Szenenbildern und Bühnenmodellen aufgezeigt und sind auch als Tonbeispiele zu hören.