Museumshalle 1. OG, Museum der bildenden Künste Leipzig, Foto: Punctum/A. Schmidt
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Museum der bildenden Künste Leipzig

Bogomir Ecker, Trillerpfeifen und Ghettoblaster, 1994/2004, Museum der bildenden Künste Leipzig, ˆ VG Bild-Kunst Bonn, 2017; Foto: Punctum/A. Schmidt
Bogomir Ecker, Trillerpfeifen und Ghettoblaster, 1994/2004, Museum der bildenden Künste Leipzig, ˆ VG Bild-Kunst Bonn, 2017; Foto: Punctum/A. Schmidt
Museumshalle 1. OG, Museum der bildenden Künste Leipzig, Foto: Punctum/A. Schmidt
Museumshalle 1. OG, Museum der bildenden Künste Leipzig, Foto: Punctum/A. Schmidt

Katharinenstr. 10
04109 Leipzig
Tel.: 0341 216 99 0
Homepage

Öffnungszeiten:

Di, Do-So 10.00-18.00 Uhr
Mi 12.00-20.00 Uhr

Sachsen. Werke aus der Sammlung Deutsche Bank

07.02.2013 - 21.04.2013

Arbeiten auf Papier aus der Sammlung Deutsche Bank von 32 zeitgenössischen, mit Sachsen biographisch verbundenen Künstlern sind in der Ausstellung zu sehen.Die Themenspektren der Künstler – unter ihnen Gerhard Richter, Imi Knoebel, Blinky Palermo, Georg Baselitz oder Neo Rauch - variieren aber weisen auch Übereinstimmungen auf: Die Auseinandersetzung mit deutscher Identität und Geschichte, Visionen der Moderne, der ideologisch aufgeladene Bilderstreit zwischen Ost und West, zwischen Figuration und Abstraktion. Ob in den frühen Bildern von Eugen Schönebeck, der beißend-ironischen „Stasi-Serie“ von Cornelia Schleime oder den bis zum Gefrierpunkt herunter gekühlten Architekturstudien von Eberhard Havekost – immer wieder wird die Frage virulent, wie Kunst und Künstler sich der (deutschen) Realität annähern. Die Ausstellung gliedert sich in sechs Kapitel, die sich um formale Aspekte und Inhalte gruppieren und verzichtet auf eine historisch-chronologische Präsentation ebenso wie auf die Trennung zwischen Schulen und Strömungen.
Die Sektion „Helden/Anti-Helden“ bildet den Auftakt. In ihr trifft das Pandämonium von Monstern und Helden, mit dem Georg Baselitz und Eugen Schönebeck in den frühen 1960ern auf die verdrängte Nazivergangenheit und den Muff der Wirtschaftswunderjahre reagierten, auf den gefallenen und sich wieder erhebenden Ikarus, das letzte Bild aus Wolfgang Mattheuers „Suite 89“. Zugleich ist diese Sektion Künstlern gewidmet, die sich mit heroischen, historischen, ideologisch besetzten Motiven beschäftigen, mit Helden, Anti-Helden und Verlieren. Im Kapitel „Codes“ findet man u. a. Arbeiten von A. R. Penck, in dessen Weltbilder die prähistorische Kunst ebenso einfließt wie Mathematik, Kybernetik und theoretische Physik. Oder Via Lewandowskys 1987 entstandene, tagebuchartige Serie von Wachsmalkreide-Zeichnungen. Künstler, die von russischer Avantgarde, Konstruktivismus und den geometrischen Abstraktionen inspiriert sind, vereint die Sektion „ Auf kaltem Grund“. Neben Hermann Glöckner sind hier Imi Knoebel und Blinky Palermo zu sehen, die etwa den Leipziger Maler Kaeseberg beeinflussten. Von Hartwig Ebersbachs performativer, expressiver Kaspar-Serie bis zu Eberhardt Havekosts kühlen „Benutzeroberflächen“ der Alltagswelt: Das Kapitel „Affekt/Geste/Kontrolle“ widmet sich dem Umgang mit der affektgeladenen Geste in der deutschen Gegenwartsmalerei. Heftigkeit und Spontanität symbolisieren Ausdruck, Ausbruch und Freiheit. Korrespondierend dazu werden in der Sektion „Farberaumkörper“ Werke vorgestellt, die sowohl die Farbe thematisieren, als auch die fließenden Übergänge zwischen Abstraktion und Figuration. In den ausgewählten Arbeiten von Uwe Kowski, Ulf Puder oder Jörg Herold bildet Farbe zart oder wässrig verlaufende Körper, Räume, Piktogramme.
Den Abschluss bilden die „Nachbilder“, wie auch Gerhard Richters Arbeiten häufig bezeichnet werden – als Nachbilder des kollektiven deutschen Gedächtnisses. Zugleich sind es Nachbilder, die als konzeptionelle Malerei Reproduktion und Rezeption von Medienbildern und fotografischen Erinnerungen thematisieren.
„Sachsen. Werke aus der Sammlung Deutsche Bank“ zeigt nicht nur Sachsen als sich wandelnden Produktions- und Diskursort für aktuelle Kunst in den 1990ern. Die Ausstellung versucht zugleich ein Koordinatensystem der deutschen Gegenwartskunst zu entwerfen, in dem Themen und Fragestellungen sichtbar werden, die bis heute nichts von ihrer Dringlichkeit eingebüßt haben.

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