Die Schenken von Erbach waren eine Grafenfamilie, die zur politischen Elite des Rhein-Main-Neckar-Raums zählte und sich stets in unmittelbarer Nähe der wittelsbachischen Kurfürsten bewegte. Im 13. Jahrhundert wurde ihnen das Hofamt des (Mund-)Schenken verliehen, das ursprünglich die Versorgung der fürstlichen Tafel mit Wein und die Verwaltung der Weinberge beinhaltete, im Laufe der Zeit aber zu einem vererbbaren Titel wurde, der den Schenken von Erbach eine herausgehobene Position sicherte.
Am originalen Schauplatz auf Schloss Erbach im Odenwald wird von 2. Juni 2013 und 2. März 2014 in einer Sonderausstellung das Adelsgeschlecht der Schenken von Erbach in ihren wechselvollen Beziehungen zu den wittelsbachischen Kurfürsten vorgestellt. Erläutert werden dabei zunächst der Ausbau der Residenz und die Modernisierung der Verwaltung im Territorium Erbach. Zur Legitimation seines Herrschaftsanspruchs berief sich das Haus Erbach seit Beginn des 16. Jahrhunderts auf eine legendäre Abstammung von Einhard, dem Biografen Kaiser Karls des Großen, und erklärte ihn damit zum Ahnen der Schenken von Erbach.
Die engen Beziehungen zu den Pfälzer Kurfürsten, denen die Schenken von Erbach auch als Richter am Hofgericht und nicht zuletzt als Finanziers dienten, lassen sich in prachtvollen Exponaten zeigen.
Einen Höhepunkt markiert die 1535 mit großem Aufwand gefeierte Hochzeit zwischen Georg II. von Erbach mit Elisabeth von Pfalz-Simmern, der Schwester Kurfürst Friedrichs III. Über sie unterhielten die Grafen von Erbach auch exzellente Verbindungen zur Universität und zu den humanistischen Kreisen Heidelbergs. Die Epoche der Aufklärung schließlich prägte Franz I. von Erbach (1754 – 1823), dessen kulturellem und politischem Wirken die Sonderausstellung nachspüren wird.
Das Erbacher Schloss mit seiner neobarocken Fassade ist heute ein beliebtes Ausflugsziel. Hinter den dicken Mauern werden die bedeutenden Gräflichen Sammlungen bewahrt, die Franz I. von Erbach begründete. Die ältesten Gebäudeteile des Schlosses stammen bereits aus dem frühen 13. Jahrhundert. Der mächtige Bergfried entstand in der Stauferzeit, der gotische Turmhelm wurde gegen Ende des 15. Jahrhunderts aufgesetzt.