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Stadthalle Chemnitz

Kurt Krömer (Foto: Chris Noltekuhlmann)
Kurt Krömer (Foto: Chris Noltekuhlmann)

Theaterstraße 3
09111 Chemnitz
Tel.: 0371 45 080
Homepage

Kurzbeschreibung

Von 1969 bis 1974 dauerte der Bau der Stadthalle, nachdem schon 1966 von Chefarchitekt Rudolf Weißer das Konzept für eine Mehrzweckhalle mit zwei Sälen vorlag, deren funktionelles Grundsystem sich auf ein Dreiecksraster von neun Meter Seitenlänge stützte. Die Funktionsfähigkeit und Klugheit dieser Konzeption erweist sich Abend für Abend.

Die Eröffnung des neuen Musentempels am 4. Oktober 1974 bedeutete dann ein Großereignis. Der damalige Hausherr Roland Haase - bis 1999 Kopf des Hauses - übernahm seine Kulturstätte in Gummistiefeln. Der Trubel am Eröffnungstag, der reinste Ameisenhaufen: Die Mitarbeiter hoch motiviert, aber im Veranstaltungsgeschäft gänzlich unerfahren. Die ersten Veranstaltungen wurden heiß gefahren - keine Zeit zum Proben. "Rosen für Karl-Marx-Stadt" hieß die erste Show, mit der den Bauarbeitern Dankeschön gesagt wurde. Da regneten Hunderte von Stoffrosen auf das Publikum hinab! Der Ansturm auf die Programme war vom ersten Tag an riesengroß, Tickets oft Mangelware.

Ein großes Ereignis war das Gastspiel der Schaubühne aus Westberlin. Starregisseur Peter Stein brachte 1976 "Sommergäste" von Maxim Gorki auf die Bühne und plante einen aufwändigen Besuch in der DDR. Nur die Stadthalle in Karl-Marx-Stadt entsprach seinen Vorstellungen. Stein ließ 350 junge Birken fällen, Lastwagen voller Walderde heranfahren, um den Gorki-Klassiker effektvoll in Szene zu setzen. Mit Schubkarren brachte man die zehn LKW-Ladungen Walderde schließlich von der Rampe auf die Bühne im Großen Saal. Wer damals eine Karte ergattern konnte, schwärmt heute noch von der Aufführung mit Otto Sander, Peter Fitz und Ilse Ritter.

Die Stadthalle soll in den Jahren 2008 und 2009 saniert werden. Das hat der Aufsichtsrat der Stadthalle Chemnitz Kultur- und Kongresszentrum GmbH beschlossen, informierte Geschäftsführer Ralf Schulze. Die Kosten beliefen sich auf etwa 7,4 Millionen Euro. So müssten 2000 Quadratmeter Boden, hauptsächlich Parkett, erneuert werden. Der ist beispielsweise im Bühnenbereich verschlissen und teils regelrecht abgerissen. Der Grund dafür sei, dass einige Künstler, beispielsweise Tänzer, ihre eigenen glatten Unterlagen auf das Parkett kleben. Saniert werden sollen auch die Toiletten im Rang, Wandverkleidungen aus Holz im Großen Saal und die Glasfassade im Großen Foyer. 'Die wurde bereits mehrfach ausgebessert, nun ist sie nicht mehr dicht. Es gibt auch Probleme mit der Lichtdurchlässigkeit, weil das Glas über die Jahre ermattet ist', erklärt Schulze. Auch die Modernisierung der Brandschutzanlagen sei vorgesehen. Eine weitere Maßnahme soll der Umbau des Fahrstuhls sein. Mit ihm sollen später Gehbehinderte in die oberen Etagen gelangen können. Die Sanierung ist hauptsächlich in den Sommerpausen vorgesehen, so dass der Betrieb der Stadthalle kaum eingeschränkt werden soll. Zusätzliches Geld aus der Stadtkasse werde der Stadthallen GmbH für die Sanierung nicht bereitgestellt. Generell finanziert sich die GmbH aus einem städtischen Zuschuss von rund 2,7 Millionen Euro jährlich und den eigenen Einnahmen. Da es kein zusätzliches Geld für die Sanierung gibt, werde man einen Kredit aufnehmen, so Schulze. Ob und wie die Stadthalle zusätzlich ein komfortableres Kongresszentrum werden könnte, solle 2010 neu geprüft und frühestens 2012 realisiert werden. Mit einem Glasanbau auf dem Dach des Foyers wolle man mehr Platz für Seminare und Workshops schaffen.

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