Deutsches Schauspielhaus Hamburg, Foto: Kristijan Balun
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Deutsches Schauspielhaus Hamburg

Foto: Kristijan Balun
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Spielplan

Vor dem Ruhestand

Nicolas Thomas Bernhard
18.02.2019
19:30 Uhr
Schauspielhaus
Inhalt
Es ist später Nachmittag, siebter Oktober: Ein Geburtstagsfest wird vorbereitet in einem Haus mit schrecklicher Atmosphäre: Es ist das Elternhaus von Vera, Clara und Rudolf Höller, drei alte Geschwister, die sich nicht aus den Fängen des Vergangenen, auch ihrer Kindheit, befreien können und hier ein ewiges Spiel von Macht und Unterwerfung, Ausnutzung und Vernichtung treiben. Das Betäuben der Angst und das Anreden gegen die Sinnlosigkeit, das verkrampfte Miteinander und das gehässige Gegeneinander, Beschimpfungstiraden und beredsames Schweigen, das sind Lebensmechanismen, die Thomas Bernhard in allen seinen Dramen virtuos beschrieben hat. In »Vor dem Ruhestand« werden sie aber in einer geschichtlichen Konkretheit und politischen Zuspitzung erzählt, die der Alltäglichkeit eine skandalöse Dimension verleihen. Denn ausgerichtet wird, wie jedes Jahr im Hause Höller, lange nach dem 2. Weltkrieg, ein verstecktes Geburtstagsfest für Heinrich Himmler, ehemaliger Reichsführer der SS. Und hinter der Maske des rechtschaffenen Gerichtspräsidenten Rudolf Höller verbirgt sich ein Nazi, ehemaliger KZ Kommandant und Gewaltverbrecher, der seinem Leben nur durch die fortwährende Verherrlichung der faschistischen Vergangenheit Sinn und Halt zu geben vermag. Dabei ist ihm Vera eine fanatische Verbündete, während Clara als Opponentin agiert. Sie ist aber gelähmt, an den Rollstuhl gefesselt und letztendlich unfähig, sich den perversen Ritualen ihrer Familie zu entziehen. „Es kommt die Zeit sagt Rudolf/ wo er nicht mehr gezwungen ist Himmlers Geburtstag in seinem Hause versteckt feiern zu müssen“, spricht Vera. Doch nicht nur diese Prophezeiung ist von beunruhigender Aktualität. In »Vor dem Ruhestand« beschäftigt sich Thomas Bernhard mit psychischen Konstellationen, die Menschen anfällig machen für autoritär-faschistische Vorstellungen. Und er beschreibt sie nicht aus aufgeklärter, sicherer Ferne, sondern aus alarmierender Nähe, sucht diese Anfälligkeit in jedem von uns. 

Es inszeniert Karin Henkel, die im Mai 2018 mit dem renommierten Theaterpreis Berlin der Stiftung Preußische Seehandlung ausgezeichnet wurde. In der Jurybegründung hieß es unter anderem: „Karin Henkel untersucht in ihren Inszenierungen konsequent die Grundbedingungen sozialen Zusammenlebens. Insbesondere Familienkonstellationen sind ihr bevorzugtes Forschungsfeld. Wodurch konstituiert sich Macht? Wie wird sie tradiert und wodurch erodiert sie? Wie wirken sich Familiendesaster auf die Gesamtgesellschaft aus, insbesondere auf das Verhältnis zwischen den Geschlechtern… So wie ihre Tragödien bisweilen mit sarkastischem Witz gesättigt sind, zeigen ihre Komödien die tragische Grundierung von Humor.“ Auch in diesem Sinne ist Karin Henkels Beschäftigung mit Thomas Bernhards grotesker Dramenwelt äußerst vielversprechend. Und eine großartige Herausforderung für ihr Ensemble .
Besetzung
Regie: Karin Henkel
Bühne: Muriel Gerstner, Selina Puorger
Kostüme: Klaus Bruns
weitere Termine
Sa.
16.02.
19:30 Uhr
Nicolas Thomas Bernhard | Komödie
Es ist später Nachmittag, siebter Oktober: Ein Geburtstagsfest wird vorbereitet in einem Haus mit schrecklicher Atmosphäre: Es ist das Elternhaus von Vera, Clara und Rudolf Höller, drei alte Geschwister, die sich ni... mehr
Mo.
18.02.
19:30 Uhr
Nicolas Thomas Bernhard | Komödie

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