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Vitra Design-Museum

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Charles-Eames-Straße 1
79576 Weil am Rhein
Tel.: 07621 7023200
Homepage

Öffnungszeiten:

tägl.: 10.00-18.00 Uhr

Gerrit Rietveld: Die Revolution des Raums

17.05.2012 - 16.09.2012
Der Niederländer Gerrit Rietveld (1888 - 1964) war einer der wichtigsten Designer und Architekten des 20. Jahrhunderts. Als gelernter Schreiner schloss er sich schon früh der De Stijl-Bewegung rund um Theo van Doesburg und Piet Mondrian an. Seine Werke ab 1918 spiegeln die künstlerischen Ideale dieser Gruppe wieder. Objekte und Bauten verwandelte Rietveld in abstrakte Kompositionen aus Linien und Flächen, vorwiegend in Schwarz, Weiß, Grau und den Primärfarben Gelb, Rot und Blau. Dennoch entwickelte er seinen legendären Rot-Blauen Stuhl 1918 zunächst ohne die markante, namensgebende Farbgebung – diese kam erst 1923 hinzu. 1924 folgte dann Rietvelds erstes architektonisches Werk, das heute legendäre Rietveld-Schröder-Haus. Auf der Suche nach Möglichkeiten, seine radikalen ästhetischen Vorstellungen weiterzuentwickeln, wandte sich Rietveld jedoch bald von der De-Stijl-Ästhetik ab und experimentierte bis Ende der 1930er Jahre vor allem mit innovativen Materialien, darunter Schichtholz und Aluminium. Daraus schuf er weitere überraschende Möbelvarianten, etwa den legendären Zig-Zag-Stuhl (ca. 1932). Nach 1945 war Rietveld vor allem als Architekt tätig und entwarf prestigeträchtige Gebäude wie den niederländischen Pavillon auf dem Biennale-Gelände in Venedig. Spätestens die große De Stijl-Retrospektive 1952/53 im New Yorker MoMA sicherte ihm internationale Anerkennung als einer der Wegbereiter der modernen Gestaltung.
Die Ausstellung im Vitra Design Museum ist die erste große Retrospektive über Gerrit Rietveld im deutschsprachigen Raum seit 1996. Anhand von rund 320 Exponaten – darunter Möbel, Modelle, Gemälde, Fotografien, Filme und rund 100 Originalzeichnungen und -pläne – gibt sie einen umfassenden Überblick über das Schaffen des Niederländers. Zudem bezieht sie auch bedeutende Vergleichswerke von Zeitgenossen wie Theo van Doesburg, Bart van der Leck, Le Corbusier sowie Marcel Breuer ein und beleuchtet Rietveld damit im Kontext und Austausch mit anderen Strömungen der Moderne.
Betrachtet man das Werk von Gerrit Rietveld im Lichte dieser neuen Retrospektive zu seinem Werk, so erweist es sich in vielen Facetten als erstaunlich aktuell. Seine urbanistischen Planungen wirken beispielsweise zeitgemäßer als viele radikale Utopien der Moderne, da sie auf sozialen Aspekten anstatt auf Dogmatismus beruhen. Und mit einer Reihe von Selbstbau-Möbeln der 1930er und 1940er Jahre hat Rietveld sogar die heutigen Ideen des "Do-it-yourself"-Trends und des Open Design vorweggenommen.

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