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Städtisches Kunstmuseum Singen


Ekkehardstraße 10
78224 Singen
Tel.: 07731 85 271
Homepage

Öffnungszeiten:

Di-Fr 14.00-18.00 Uhr
Sa,So 11.00-17.00 Uhr

Paul Schwer: Orion

06.03.2010 - 06.06.2010
Die Entfaltung von Farbe, farbigem Material und Licht im Raum; die Auflösung aller strengen Abgrenzungen zwischen den Gattungen Malerei, Skulptur, Objekt und Installation - das erwartet den Besucher in der Ausstellung "Paul Schwer - Orion". Das Städtische Kunstmuseum Singen freut sich, die äußerst sinnlichen "Zwitter" und den kraftvoll integrierenden künstlerischen Ansatz Paul Schwers erstmals im Bodenseeraum präsentieren zu können. Paul Schwer, geboren 1951 in Hornberg (Schwarzwald), heute in Ratingen und Düsseldorf lebend, wandte sich erst nach einem Medizinstudium und nach längjähriger beruflicher Tätigkeit als Arzt in der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Malerei zu. Von 1981 bis 1988 studierte er Freie Kunst an der Kunstakademie Düsseldorf und war von 1986 bis '88, ungewöhnlich für einen Maler, Meisterschüler bei Erwin Heerich. Sowohl die Auseinandersetzung mit dem reduzierten, architektonisch geprägten Ansatz seines Lehrers, als auch die Teilhabe an der in den 1980er Jahren vehement geführten Diskussion um den Ort und die Zukunft der Malerei mögen dazu beigetragen haben, dass Paul Schwer in den frühen 1990er Jahren den Schritt von der Wand in den Raum, von der auf die sichtbare Welt reagierenden Malerei hin zur direkten Erfahrung und sinnlichen Auseinandersetzung mit Licht und Farbe getan hat. Obschon sich Paul Schwers Haltung unverändert als >malerisch< charakterisieren lässt, die tradierte Idee vom Auftrag einer autonom verstandenen Farbe auf einem Bildträger weiter eigenwillig aufscheint, so hat er doch die Grenzen des Tafelbildes überwunden. Heute reagiert er mit einer Vielfalt höchst unterschiedlicher, differenziert eingesetzter realer wie ephemerer Materialien auf den jeweiligen Ausstellungs- oder öffentlichen Raum. Schwers installative Raumchoreographien – verbunden sind Gemälde, Graphiken, skulpturale Objekte, Lichtinstallationen, direkte Wandgestaltungen - verwandeln den Ort ihrer Präsentation, indem sie der Farbe im Raum zur Entfaltung und Entäußerung verhelfen. Dieser Ansatz wird – die Vielzahl an Ausstellungen, Stipendien, Auslandsaufenthalten und Lehraufträgen belegen dies eindrücklich - international anerkannt. In unserem Raum führt seit Oktober 2009 Schwers leuchtend rote "Cloud one" auf dem historischen Kaiserbrunnen, platziert in Donaueschingen auf dem neuen Kaiserkreisel, zu Diskussionen um die Kunst im öffentlichen Raum. Bereits die Wahrnehmung der Raumsituation und die Reaktion auf die Ausstellungsarchitektur im Städtischen Kunstmuseum Singen sind Teile des Ausstellungskonzeptes: "Der Ausstellungsraum lagert sich wie ein breiter Rahmen um einen fast geschlossenen, quadratischen Treppenschacht. Dem offenen Eingangsbereich, in den man über die Haupttreppe gelangt, entspricht ein großer, wiederum offener Raum auf der anderen Seite des zentralen Schachts. Die Gliederung der beiden dazwischen liegenden Raumseiten erfolgt durch eine in den Raum geklappte Ausstellungsarchitektur. Diese bildet eine variable Folge von Kabinetten auf der einen, und - zum zweiten - einen halbgeschlossenen, zweigeteilten Raum auf der anderen Seite. Beide sind mit einer offenen Achse durch das zentrale Treppenhaus hindurch miteinander verbunden." Paul Schwer in den Raum intervenierendes Farbkonzept ("Versuchsanordnungen"), das sich "um Malerei im weitesten Sinne dreht", sucht über den Eintrag von groß- und kleinformatigen Tafelbildern, Zeichnungen, Leuchtkästen, beleuchteten Farbkugeln und farbigen Objekten (Schwers sogenannten "Baozis", d.h. thermisch verformte, mit Alkydharz bemalte Polyesterarbeiten über Eisenrohrkonstruktionen), durch den Einbau der performativen, skulptural verdichteten Bodenarbeit "Blast" (Farbpigmente und Buttermilch auf Glas, installiert auf und unter Baustrahlern), farbigen Neonröhren und Wandarbeiten "Bezüge und Achsen zwischen den einzelnen Räumen" zu schaffen. "Der Betrachter soll sich in einem Gesamtraum bewegen können; wird Teil der Malerei-Installation" (alle Zitate: Ausstellungskonzept von Paul Schwer). Die Wirkung der von Paul Schwer choreographierten Farb- und Lichträume ist verwirrend komplex und dynamisch, da es der Künstler in den letzten Jahren verstanden hat, seine mehrteiligen, mitunter allansichtigen und partiell transparenten, je nach Konstruktion und Betrachterstandpunkt stark variierenden Objekte so mit- und untereinander zu verschränken, dass sie sich optisch und sinnlich durchdringen. Auch lotet der Künstler die vielfältigen Bezüge seiner Objekte zur Wand, zum Boden und zur Decke (Kippen, Durchkreuzen, Besetzen usw.) lustvoll aus. "Orion" - der Ausstellungstitel verweist nicht zufällig auf experimentelle Neugierde; auf die unendliche Suche nach neuen Weiten und Möglichkeiten.

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