1914 wurde die seit 1868 in Stuttgart bestehende Königlich Württembergische Höhere Maschinenbauschule nach Esslingen verlegt. Damit wurde Esslingen im Oktober vor hundert Jahren zum Hochschulstandort, Diesem Jubiläum widmet sich die Ausstellung „Zukunft studieren. 100 Jahre Hochschule in Esslingen“ im Stadtmuseum im Gelben Haus. Die Ausstellung geht vor allem dem studentischen Lernen und Leben nach. Sie zeigt anhand von Originaldokumenten und vielfältigen Objekten den Werdegang der heutigen Hochschule Esslingen und deren Themenspektrum.
Die Hochschule Esslingen ist hervorgegangen aus der 1868 gegründeten ehemaligen Fachschule für Maschinentechniker innerhalb der Königlichen Baugewerkschule in Stuttgart. Nach langen politischen Auseinandersetzungen – besonders unter dem Einfluss des Fabrikanten Paul Friedrich Dick – gaben schließlich die Überlassung des Areals sowie eine große Geldspende der Esslinger Industriellen den Ausschlag zu Gunsten eines Umzugs nach Esslingen. Im Oktober 1914 begann der Lehrbetrieb im kurz vorher errichteten Neubau an der Kanalstraße, der bis heute als „Gebäude 1“ genutzt wird.
Der Anfang in Esslingen war jedoch schwierig, denn durch den Ausbruch des Krieges gab es anfangs nur wenige Studenten, später gar keine mehr. Mit Kursen für Kriegsinvalide, Facharbeiter und Technische Zeichnerinnen wurde ein Notbetrieb aufrechterhalten. Mit rund 400 Studenten ging es 1919 schließlich richtig los. Es blieb im Lauf der Zeit nicht beim Maschinenbau, neue Fakultäten wurden eingerichtet: Angewandte Naturwissenschaften, Informations- und die Fahrzeugtechnik, außerdem die Fakultäten Gebäude, Energie, Umwelt sowie Mechatronik und Elektrotechnik, Betriebswirtschaft und Wirtschaftsingenieurwesen; außerdem entstand die eigene Graduate School. Die Außenstelle in Göppingen wurde 1988 eröffnet. 2006 brachte die Verschmelzung mit der Fachhochschule für Sozialwesen die Fakultät Soziale Arbeit, Gesundheit und Pflege.
Das Studentenleben entwickelte sich zeittypisch: Verbindungen zogen aus Stuttgart mit um oder gründeten sich in den ersten Jahren neu. Im „Dritten Reich“ wurde auch die Hochschule politisch vereinnahmt. In den Protesten 1968 ging es in Esslingen sehr spezifisch um die Stellung der Ingenieure und die Gleichwertigkeit mit dem Universitätsstudium. Vielfältig wurde das Studentenleben durch Zusammenschlüsse wie Studentenschaft, Allgemeiner Studentenausschuss (AStA), Flugtechnische Arbeitsgemeinschaft, Hochschulorchester und die Ingenieur-Vereinigung „Vektor“ sowie durch die steigende Zahl ausländischer Studierender.
6.000 Studierende lernen heute an der Kanalstraße, in der weithin sichtbaren „Akropolis“ an der Flandernstraße und in Göppingen. So stellt sich die international gut vernetzte Esslinger „University of Applied Sciences“, wie sie sich heute nennt, als eine aus Tradition zukunftsorientierte Bildungseinrichtung dar, deren Absolventen in der Region, aber auch international ihren Weg finden.