24.02.2007 - 08.08.2007
Vor über 1.700 Jahren versank er in den Fluten des Rheins: der einmalige "Barbarenschatz" aus dem rheinland-pfälzischen Neupotz, etwa 30 km entfernt von Speyer. Mit über 1.000 Stücken aus Silber, Bronze, Messing und Eisen und einem Gewicht von mehr als 700 kg ist er der größte römerzeitliche Metallfund Europas. In einem internationalen Großprojekt präsentiert das Römisches Museum Augsburg gemeinsam mit Museen in Deutschland, Belgien und Luxemburg diesen facettenreichen Fund der Öffentlichkeit. Mit Hilfe multimedialer Inszenierungen können die Besucher dieser großangelegten Ausstellung einen der spannendsten Abschnitte unserer Geschichte entdecken.
Der Fund stammt aus einer Zeit, als sich das Römische Reich in einer schweren Krise befand: Germanen bedrohten die Reichsgrenze. Von Habgier und Not getrieben, überwanden die Germanen in der zweiten Hälfte des 3. Jh. n. Chr. den Limes und drangen in Rätien, das u.a. Teile des heutigen Bayerns umfasste, und in die gallisch-germanischen Provinzen ein. Gutshöfe, Siedlungen und sogar Heiligtümer fielen den Plünderern zum Opfer. Auf ihren Beutezügen stießen die Eindringlinge tief nach Gallien und sogar bis zu den Pyrenäen vor. Vermutlich versuchte eine auf der Lauer liegende römische Flotte, die mit Beute beladenen Eindringlinge auf ihrem Heimweg beim Überqueren des Rheins abzufangen. Bei den folgenden Kampfhandlungen versank ein Teil der Beute im Fluss.
Entdecken Sie den Nachbau eines mit reicher Beute beladenen römischen Transportwagens, der auf einem zeitgenössischen Schiff gerade über den Rhein setzt!
Der "Barbarenschatz" besteht aus Metallobjekten unterschiedlichen Charakters wie Sakralgeräten, Waffen, Münzen, Tafel- und Küchengeschirr sowie Werkzeugen, Boots- und Wagenzubehör. Zur Beute der alamannischen Räuber gehörten aber auch Lebensmittel, Kleidung, Vieh, ja sogar Handwerker, die aufgrund ihres technischen Könnens sehr begehrt waren.
Außer dem Schatzfund von Neupotz werden zahlreiche weitere spektakuläre Fundstücke gezeigt: Weihgeschenke an die Götter und Schmuck aus dem Beutefund von Hagenbach (bei Karlsruhe). Ein absolutes Highlight ist auch der sog. Augsburger Siegesaltar, eines der wenigen erhaltenen Steindenkmäler und Schriftzeugnisse zur Geschichte der Germaneneinfälle. Das faszinierende Fürstengrab von Gommern (Sachsen-Anhalt) mit seinen zahlreichen römischen Objekten zeigt wiederum, dass den Germanen die Rheinüberquerung mit ihrer Beute auch manches Mal gelang.