Pinakothek der Moderne, Foto: Pinakothek der Moderne
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Pinakothek der Moderne

Pinakothek der Moderne, Foto: Pinakothek der Moderne
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Barer Strasse 40
80333 München
Tel.: 089 23805360
Homepage

Öffnungszeiten:

Di-So 10.00-18.00 Uhr

Eva Leitolf: Deutsche Bilder - eine Spurensuche

25.07.2008 - 19.10.2008
Am frühen Morgen des Ostersonntags 2006 wird ein schwarzer Deutscher in Potsdam von zwei Unbekannten so schwer verletzt, dass ihn die Ärzte wegen seines Schädelbruchs für mehrere Wochen in ein künstliches Koma versetzen müssen. Erste Ermittlungen lassen einen rassistischen Hintergrund des Überfalls vermuten: kurz vor der Tat schneidet die Handy-Mailbox der vom Opfer angerufenen Ehefrau »dreckiger Nigger« mit. Der Generalbundesanwalt zieht die Ermittlungen mit der Begründung an sich, dass das mögliche rassistische Motiv geeignet sei »die innere Sicherheit der Bundesrepublik zu beeinflussen«. Einem der beiden festgenommenen Tatverdächtigen wird gefährliche Körperverletzung, dem zweiten unterlassene Hilfeleistung vorgeworfen. Die Polizei entdeckt im Auto der Tatverdächtigen rechtsradikale Musik. Beide Angeklagten bestreiten, zum Zeitpunkt der Tat am Tatort gewesen zu sein. Zwei Gutachten können die Stimme des Hauptbeschuldigten auf der Mailbox nicht zweifelsfrei identifizieren. Da sich die Anklage im Wesentlichen auf diesen Mitschnitt stützt, werden am 23. Mai die Haftbefehle wieder aufgehoben. Drei Tage später gibt auch der Generalbundesanwalt die Ermittlungen wieder an die Potsdamer Staatsanwaltschaft ab, da die rassistischen Äußerungen der mutmaßlichen Täter in keinem unmittelbaren Zusammenhang mit der Tat stünden. Die Nebenklage plädiert, wie alle Prozessparteien, auf Freispruch, zeigt sich aber dennoch überzeugt davon, dass es sich um eine rassistisch motivierte Tat handelte. Die Angeklagten werden freigesprochen. Mit ihrem zwischen 1992 und 2008 entstandenen Werkkomplex »Deutsche Bilder - eine Spurensuche« setzt sich die Fotografin Eva Leitolf mit fremdenfeindlich motivierten Gewalttaten in Deutschland und dem darüber geführten gesellschaftlichen Diskurs auseinander. Ihre Anfang bis Mitte der 1990er Jahre entstandenen Bilder reflektieren Tatorte von Anschlägen, Sympathisanten im Umfeld und unbeteiligte Zuschauer. Als Eva Leitolf diese Arbeit 2006 wieder aufnimmt, reduziert sie die Bildinhalte auf die Orte des Geschehens und verbindet sie mit akribisch recherchierten Texten zum Tathergang und der jeweiligen juristischen, medialen und politischen Aufarbeitung. Ihre als Langzeitstudien konzipierte Arbeit hinterfragt den gesellschaftlichen Umgang mit fremdenfeindlich motivierter Gewalt und lotet zugleich die Möglichkeiten und Grenzen des Abbildbaren aus.

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