20.06.2010 - 03.10.2010
Wie bereits 2009 efasst sich das Museumsdorf Kürnbach auch 2010 in einer Sonderausstellung mit einem brisanten Thema und zeigt, wie die Bauern im „Dritten Reich“ mit Verführung und Zwang für die Zwecke des Regimes eingespannt wurden. Knapp 80 Objekte, Dokumente und Fotos belegen, wie die Propaganda funktionierte und wie die Wirklichkeit dahinter aussah. Schülerinnen und Schüler ab der 7. Klasse können ihren Ausstellungsbesuch mit einem museumspädagogischen Programm verbinden.
Die Bauern waren ein Lieblingsobjekt der nationalsozialistischen Propaganda, die unermüdlich deren Wert und Bedeutung pries. Gleichzeitig wurden die Bauern zwangsweise organisiert und in ein Korsett von Vorschriften und Verordnungen geschnürt. Die Vorbereitung auf einen Krieg gewann immer mehr an Bedeutung und die Bauern sollten möglichst viel Lebensmittel produzieren, um die deutsche Bevölkerung von ausländischen Einfuhren unabhängig zu machen. Aber auch wenn eine „Erzeugungsschlacht“ nach der anderen ausgerufen wurde, letztlich blieben die Probleme ungelöst. Zwar kamen Mitte der 1930er Jahre die ersten Schlepper auf die Höfe, aber Vorrang hatte die Produktion von Panzern und Kanonen. Rohstoffe und Arbeitskräfte gingen zuerst in die Industrie, nicht aufs Land.
In den Ausstellungsobjekten, die in ganz Oberschwaben aufgespürt und nun teils erstmals gezeigt werden, spiegelt sich dieser Widerspruch deutlich wieder. Die Aufmärsche und Parolen bei den reichsweiten Erntedankfesten stehen dem harten Arbeitsalltag gegenüber.