Familienalben sind eine beliebte Art der Erinnerung: Sie zeigen und dokumentieren Episoden aus unserem Leben und dem unserer Verwandten. Sie bewahren Vergangenes und erinnern uns daran, wie und warum wir zu dem wurden, was wir heute sind. Doch bei genauerer Betrachtung verbirgt ein Album mehr als es zeigt. Es ist nie vollständig, vieles verliert sich zwischen den Zeilen und selbst die Deutung eines Fotos hängt immer vom Betrachter ab.
"Unsere Vorfahren zu Gast in Mainz" öffnet das Familienalbum der Menschheitsgeschichte und zeigt anhand neun einzigartiger Rekonstruktionen berühmter Vor- und Frühmenschen die Evolution des Menschen und lässt Besucher einen Blick auf unsere gemeinsamen Vorfahren werfen. Dabei setzt sich die Ausstellung aber auch kritisch mit den Methoden der Rekonstruktion auseinander.
Rekonstruktionen sind in allen historischen Wissenschaften Instrumente der Visualisierung, entstanden aus gefundenen Fragmenten und der wissenschaftlichen Vorstellungskraft. Wer hat nicht die Beweglichkeit und das Aussehen der Dinosaurier im weltbekannten Kinofilm "Jurassic Park" bewundert? Oder die Darstellung mittelalterlichen Lebens in Film und Literatur? Was bei der Präsentation solcher lebensecht wirkenden Rekonstruktionen meist in den Hintergrund gerät, ist die Frage, ob historische Vorbilder tatsächlich richtig wiedergegeben werden – oder ob alles nicht doch ganz anders gewesen sein könnte. Dem geht die Sonderausstellung nach und bietet ergänzend ein umfangreiches Führungsprogramm an, das sich u.a. auch mit der Datierungen von Funden, Rekonstruktionen in der Wissenschaftsgeschichte und natürlich mit der Evolution des Menschen beschäftigt.