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Werbung: gibus.bordeaux
'Erleben Sie die minimalistische und kathartische Kunst von Gibus. Jede Skulptur erzählt eine Geschichte.

LVR-Industriemuseum - Schauplatz Bergisch Gladbach - Papiermuseum


Alte Dombach / Kürtener Straße
51465 Bergisch Gladbach
Tel.: 02202 93 66 80
Homepage

Öffnungszeiten:

Di-Fr 10.00-17.00 Uhr
Sa, So 11.00-18.00 Uhr

Stadt, Land, Garten - Zur Kulturgeschichte des Nutzgartens

22.03.2015 - 20.12.2015

Wenn es draußen grünt, blüht und wächst, freuen sich die Besucherinnen und Besucher der Papiermühle Alte Dombach immer wieder über die Gemüsegärten, die zum Gelände gehören. Die heutigen Museumsgärtner führen fort, was für die Papiermacher früherer Zeiten Alltag war.
Schon damals ergänzten die Familien ihren Speisezettel mit Obst und Gemüse, das sie selbst anbauten. Dies war vor der Industrialisierung überlebenswichtig. Säen und pflanzen, gießen und jäten, schneiden und umgraben, ernten, einlagern und konservieren - ohne diese Arbeiten kam man nur schlecht durch den Winter.
In den wachsenden Städten und den neuen Ballungszentren, die mit der Industrialisierung nach 1850 entstanden, war es nicht mehr selbstverständlich, dass für jeden Haushalt ein Garten zur Verfügung stand. Es gab aber vielfältige Formen - von der Brachflächen-Nutzung über Kleingartenanlagen bis zu Siedlungen mit Gärten hinter dem Haus -, mit denen die Kommunen und Arbeitgeber versuchten, möglichst vielen Arbeitern das Gärtnern zu ermöglichen, denn gärtnernde Arbeiter galten als zufriedener und zuverlässiger. Viele Familien wünschten sich einen Garten, der ihnen selbstbestimmte Arbeit an der frischen Luft ermöglichte, in dem sie Früchte und Gemüse ernten und ihre knappe freie Zeit genießen konnten.
Im Ersten Weltkrieg kam es zu einer dramatischen Lebensmittel-Knappheit. Den Höhepunkt der Hungerkrise stellte der "Steckrübenwinter" 1916/17 dar. Der Staat startete eine "Garten- und Feldoffensive"; "alles irgend nutzbare Land bis hin zu den freien Bauplätzen in den Städten ward bestellt", hieß es 1916. Der Erfolg dieser Bemühungen hielt sich jedoch in Grenzen; häufig fehlte es an Kenntnissen, Saatgut und Düngemitteln, und die neu bepflanzten Böden waren nicht ertragreich.
Im "Dritten Reich" kam die Selbstversorgung aus dem Garten der "Blut und Boden"-Propaganda und den Autarkie-Bemühungen des Regimes entgegen und wurde entsprechend gefördert. In der Sprache der Funktionäre verwandelte sich die Gartenarbeit zur "Erzeugungsschlacht"; die Zahl der organisierten Kleingärtner stieg deutlich. Im Zuge der Kriegszerstörungen verwandelten sich die Lauben häufig in Notunterkünfte. Einige Widerständler und Juden konnten sich in den Gartenanlagen vor dem Zugriff des Regimes verstecken.
Mit dem "Wirtschaftswunder" der Nachkriegszeit wurde die Notwendigkeit, einen Nutzgarten zu bewirtschaften, immer geringer; Gemüsegärten wichen Rasenflächen und Blumenbeeten, die Kleingartenvereine wurden zu Rentnerparadiesen. Heute ist diese Entwicklung gestoppt, junge Familien und Menschen, die naturnah leben möchten oder einen Gegenpol zum Alltag in der globalisierten und arbeitsteiligen Gesellschaft suchen, pachten Kleingärten oder beteiligten sich an neuen Formen gemeinschaftlichen Gärtnerns.
Die subjektive Seite des Gärtnerns spielt in der Ausstellung eine große Rolle. Die Schau geht den Motiven nach, die zu verschiedenen Zeiten hinter der Tätigkeit im Garten standen. Und wie Gärtner heute ihr Tun zwischen Last und Lust erleben, schildern sie in prägnanten Worten.
Gärtnern heißt aktiv sein. Dazu fordert auch die Ausstellung auf: Es gilt, sich Inhalte durch puzzeln, kurbeln oder knobeln zu erschließen, Sammelkarten zu suchen und vor allem, sich an den Gemeinschaftsgärten im Freien zu beteiligen - Hacken, Schäufelchen, Gießkanne stehen bereit.

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