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Kunstmuseum Appenzell


Unterrainstrasse 5
9050 Appenzell
Tel.: 071 788 18 00
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Öffnungszeiten:

Apr-Okt: Di-Fr 10.00-12.00
u. 14.00-17.00 Uhr
Sa, So 11.00-17.00 Uhr
Nov-Mär: Di-Sa 14.00-17.00 Uhr
So 11.00-17.00 Uhr

Hans Arp: Skizzenbücher

19.10.2014 - 08.03.2015

Seit 2000 besteht die Kooperation der Fondazione Marguerite Arp mit der Heinrich Gebert Kulturstiftung Appenzell. Von Anfang an haben beide Institutionen zusammen mehr als zehn Ausstellungen konzipiert und realisiert, die einerseits das Werk Hans Arps und seiner Zeitgenossen im Appenzellerland vorgestellt haben; andererseits diente die Zusammenarbeit dem Zweck, die Sammlung der Fondazione Arp, welche bis jetzt keinen eigenen Präsentationsort hatte, umfangreicher in der Öffentlichkeit zu zeigen. Kunst muss gesehen werden, um zu wirken.
Bei den verschiedenen Projekten wurden immer besondere Sichtweisen auf die Sammlungen – sowohl der Heinrich Gebert Kulturstiftung wie auch der Fondazione Arp – entwickelt, Das war und ist möglich, weil beide Institutionen in einem positiven Sinne „Nischen“ besetzen: die eine zeigt und vermittelt moderne Kunst in einer Randregion; die andere ist eher Archiv und Forschungsstätte als Event-Ort. Hinzu kommt, dass beide Einrichtungen in Regionen liegen, die nicht unbedingt durch die institutionelle Präsenz der modernen Kunst bekannt sind. Die Zusammenarbeit ist also nicht nur ein Brückenschlag zwischen dem Tessin und dem Appenzellerland, sondern auch zwischen volkstümlichen und modernen Kulturtraditionen.
Kurz vor dem hundertjährigen Dada-Jubiläum 2016 haben wir uns entschlossen, in gewisser Weise eine Facette der „Moderne im Rückspiegel“ zu betrachten. Seit einigen Jahren hielten wir hin und wieder einen eigentümlichem „Schatz“ der Fondazione Arp in Händen: Zwanzig Skizzenbücher des Mitbegründers von Dada, Hans Arp. Diese Skizzenbücher stammen aus den Jahren 1950 bis 1966; sie gehören mithin zum Spätwerk eines Künstlers, der kaum für Skizzen bekannt ist, zumindest nicht für Skizzen im herkömmlichen Sinne.
Ohne genau zu wissen, wohin die Reise gehen würde, haben wir vor knapp fünf Jahren ein „Work in Progress“ gestartet, an dessen Ende möglicherweise ein Werkverzeichnis der Skizzenbücher Hans Arps, nicht nur jener in der Fondazione Arp, stehen wird – ein Vorhaben, das aufgrund der eingeschränkten Ressourcen sicher noch einige Zeit in Anspruch nimmt. Dennoch wollen wir mit der Ausstellung Hans Arp – Skizzenbücher einen visuellen Zwischenbericht realisieren, einen Bericht, der bewusst mehr Fragen stellt als beantwortet. Denn anscheinend blicken wir in einen zweifachen Rückspiegel: jenen, den der Künstler in den Skizzenbüchern auf das eigene Werk und sich selbst richtet, und jenen, in den wir wiederum mit einem zeitlichen Abstand von mehr als fünfzig Jahren schauen. Wobei der Spiegel möglicherweise nicht nur Vergangenheit, sondern auch Zukunft reflektiert.
Wir können den „Zwischenbericht“ nun realisieren, da inzwischen alle beschriebenen oder bezeichneten Blätter der Skizzenbücher – insgesamt mehr als 450 Seiten – in hervorragender Weise von der Druckerei Steidl in Göttingen gescannt wurden und uns als Prints zur Verfügung stehen. Das dient zwar vornehmlich der Forschung und der Schonung der Originale, bietet aber zugleich die Möglichkeit, die Skizzenbücher nicht nur als Objekt auszustellen, sondern ihre „Bilderzählungen“ an den Wänden zu präsentieren: Der Blick des Besuchers kann blättern, entdecken, stehenbleiben, vorwärts und rückwärts wandern. Wir wollten diese Stille, diese Ruhe der Betrachtung und haben deswegen auf jeglichen Einsatz technischer Medien – Blättern auf dem IPad … - verzichtet. Mit den Reproduktionen bleiben wir zumindest in einem ähnlichen Medium: Papier.
Die Medien wechseln wir ausschliesslich in den visuellen Ergänzungen zu den Skizzenbüchern: jenen Werken Hans Arps, die in einem unmittelbaren oder einem mittelbaren Zusammenhang mit den Skizzenbüchern“ stehen: Mehr als 50 Zeichnungen, Aquarellen und Gouachen, Druckgraphiken, Reliefs, Malereien und Plastiken, mit wenigen Ausnahmen ebenfalls aus den Jahren 1950 bis 1966.
Am Anfang der Ausstellung steht die Fotografie: Bilder, die Hans Arp beim Tun zeigen – ein Hinweis darauf, dass Kunstwerke im Machen, im Formfinden entstehen – und davon geben die Skizzenbücher ein beredtes Zeugnis.

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