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Kölnischer Kunstverein


Hahnenstraße 6
50667 Köln
Tel.: 0221 217 021
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Öffnungszeiten:

Di-Fr 13.00-19.00 Uhr
Sa, So 11.00-18.00 Uhr

Seth Price

15.11.2008 - 04.01.2009
Die „calendar paintings“ des US-amerikanischen Künstlers Seth Price (geb. 1973, lebt und arbeitet in New York) enthalten Bilder der wenig bekannten amerikanischen Malerei aus der Zeit zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg sowie veraltete Computergrafiken und Werbung aus Zeitschriften, die mit Inkjet auf Leinwände gedruckt wurden. Diese Arbeiten, die in den Jahren 2003 und 2004 entstanden und nun erstmalig ausgestellt werden, bilden den Fokus der kommenden Einzelausstellung im Kölnischen Kunstverein. Seth Price präsentiert sie im Ausstellungsraum auf schwebenden Wandflächen. Der Künstler stellt den Gemälden Plastikreliefs zur Seite, die im industriellen Verpackungs-Tiefzugverfahren aus Polystyrol hergestellt werden. Die Reliefs zeigen Masken oder Gesichtsabdrücke und erscheinen wie hochglänzende, glamouröse Produkte. Sie wurden in verschiedenen Farben hergestellt und tragen das Datum ihrer Herstellung. Die Präsentation wird durch eine malerische Videoprojektion ergänzt, in der eine animierte Sequenz eines sich bewegenden schwarzen Meeres im Loop gezeigt wird. Das Video basiert auf einem fünf Sekunden dauernden Loop, der einst zu kommerziellen Zwecken hergestellt wurde und den Price erwarb und mit Farb- und Bewegungseffekten versah. Die atmosphärische Installation erzeugt den Eindruck einer Zeitreise, in der auf unterschiedliche Weise der Umgang und die Verwendung von Dingen, Objekten und Bildern vorgeführt wird. Price manipuliert gefundene Bilder, zeigt ihre Veränderlichkeit und Abhängigkeit von Präsentations- und Distributionsstrukturen und macht seine eigenen Manipulationen sichtbar. Die Reise eines Bildes vom Computerscreen zur Leinwand und vice versa wird plötzlich als eine schmale Gratwanderung erlebbar. Während die „calendar paintings“ die Idee von der Zeit- und Funktionslosigkeit von Malerei durch die Verknüpfung mit banalen Bürowandkalendern in Frage stellen, überspitzt Seth Price in seinen Plastikreliefs die Idee der Pop Art, Bilder und Skulpturen als begehrliche Konsumprodukte zu zeigen. Er präsentiert die Reliefs als reine Hüllen, sie sind Negativform der abgebildeten Objekte und materialisieren sich allein in ihrer Oberflächenform. Im Kino in der „Brücke“ zeigt Seth Price den Film Digital Video Effect: Editions (2006). Dieser Film ist eine Montage aus seinen eigenen früheren Videoarbeiten, die ins 16mm-Format übertragen wurden. Das Material, das Price in seinen Videos verwendete und welches hier neu zusammengestellt wurde, beinhaltet künstlerisches Filmfootage von Joan Jonas aus den frühen 70er Jahren, Auszügen aus einem Video von Martha Rosler, für das die Künstlerin Found-Footage aus Fernsehsendungen aus dem Jahr 1985 verwendete sowie Bilder aus Nachrichten, Internet und dokumentarischen Berichten über beispielsweise den Anschlag auf Ronald Reagan aus dem Jahr 1981. Wer spricht, was kommentiert wird, wo sich Innen und Außen befinden, ist hier nicht mehr erkennbar. Low- und High-Materialien stehen gleichwertig nebeneinander. Die Kritikerin Polly Staple erklärt Prices Herangehensweise aus der Tatsache, dass es heute merkwürdig antiquiert erscheint, Ordnungen und Systeme aufbrechen zu wollen, da es keine eindeutige Alternative und keine klare Opposition mehr gibt. „Wir haben heute multiple Stile und Ansätze. Es gibt unendliche Zugänge und Zusammenstöße von Bedeutungen und Wertesystemen. Es gibt ein Überangebot an Möglichkeiten, ein Übermaß an Bildern innerhalb der Logik des Spätkapitalismus. Von den Medien bestimmt, wird das Bild hier Material. Price arbeitet daher im Bereich des neuen amerikanischen Sublimen.“ Für Seth Price ist auch eine kollaborative Arbeitsweise wichtig. So ist er Mitinitiator der New Yorker Publikationsreihe Continuous Project, der die Autorin Bettina Funcke, der Künstler Wade Guyton und der Grafiker Joseph Logan angehören. Im Kölnischen Kunstverein ist während der Ausstellung das jüngst erschienene Buch How to disappear in America erhältlich, in dem Seth Price beschreibt, wie man heute erfolgreich in der amerikanischen Gesellschaft untertauchen kann. Im letzten Jahr erhielt der Künstler den Preis der Stadt Lyon als besondere Auszeichnung für seine Arbeit bei der Lyon Biennale. Zuletzt zeigte er Ausstellungen in der Kunsthalle Zürich und im Museum of Modern Art, Oxford. In Zusammenarbeit mit der Kunsthalle Zürich ist ein monografischer Katalog, u.a. mit einem Text von Michael Newman, in Arbeit.

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