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Jüdisches Museum Westfalen


Julius-Ambrunn-Str. 1
46282 Dorsten
Tel.: 02362 452 79
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Öffnungszeiten:

Di-Fr 10-12.30 u. 14-17 Uhr
Sa, So 14.00-17.00 Uhr

Roemarie Kocy: Ich webe Euch ein Leichentuch

14.01.2010 - 17.02.2010
In ihren Werken verarbeitet Rosemarie Koczÿ Erlebnisse, die ihr als junger Mensch in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten widerfuhren. Ihre Tusche- und Bleistiftzeichnungen in Schwarz-Weiß zeugen von diesen Erinnerungen. Sie schreibt zu ihren Arbeiten: „Die Zeichnungen, die ich jeden Tag mache, sind benannt ‚Ich webe Euch ein LeichentuchÂ’. Es ist eine Bestattung für all jene, die ich sterben sah in den Lagern 1942, 1943, 1944 und 1945 sowie im Lager für Verschleppte bis 1951.“ Im Zentrum ihrer Arbeiten steht der gefangene, geschundene und erniedrigte Mensch, der verängstigt vor Schreck und Schmerz, ausgemergelt, in bedrückender, verdrehter Körperhaltung dargestellt wird. Der Tod bleibt das vorherrschende Thema ihrer Arbeit, das auch durch die schwarz-weiße Gestaltung der Bilder deutlich wird. Koczÿs Arbeiten zeugen von einem Respekt für diejenigen, die sie in den Lagern sterben sah. Sie machte es sich Zeit ihres Lebens zur Aufgabe, ihnen nach jüdischem Ritus ein Grab zu bereiten in Form ihrer gewebten Leichentücher. Koczÿ schreibt: „Vielleicht verstehen Sie jetzt, warum ich diese Zeichnungen, Bilder und Skulpturen mache – um den Toten (die manchmal noch lebten) eine würdige und respektvolle Beerdigung zu geben. Ich sah, wie Bulldozer sie packten und in einen Graben oder ein Loch warfen und wie sie mit Kalk zugedeckt wurden. Das Leichentuch ist das Strickgewebe, das jede meiner Gestalten umgibt, um sie mit Würde zu beerdigen. Jeden Tag fahre ich fort, die Opfer der Lager zu beerdigen – in vollkommener Stille, allein.“

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