Deutsches Sport und Olympia Museum, Foto: DSOM
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Deutsches Sport und Olympia Museum

Deutsches Sport und Olympia Museum, Foto: Axel Schulten / KölnTourismus GmbH
Deutsches Sport und Olympia Museum, Foto: Axel Schulten / KölnTourismus GmbH
Deutsches Sport und Olympia Museum, Foto: DSOM
Deutsches Sport und Olympia Museum, Foto: DSOM

Im Zollhafen 1
50678 Köln
Tel.: 0221 33 609 0
Homepage

Öffnungszeiten:

Di-Fr 10.00-18.00 Uhr
Sa, So 11.00-19.00 Uhr

SportART - Pionierinnen des deutschen Frauenfußballs

15.05.2011 - 05.06.2011
Steffi Jones strahlt den Zuschauer an, so wie man sie kennt: offen, herzlich, überzeugend für ihre Sache, den Frauenfußball. In diesen Tagen kurz vor der WM sieht man sie häufig, aber wer aber hat schon mal die Spielstätte gesehen, den nicht gerade spektakulären Fußballplatz in Frankfurt Bonames, auf dem sie als kleines Mädchen unter Jungs schon fußballspielend ganz groß rauskam? Es sind die kleinen Geschichten, Bilder und Erinnerungen um so große Namen wie Steffi Jones, Gero Bisanz, Tina Theune, Silvia Neid, Katja Kraus, aber auch um großartige Fußballspielerinnen der 50er Jahre wie Christa Kleinhans und viele andere, die das Besondere dieser Ausstellung ausmachen. Dem multimedialen Projekt "Pionierinnen des deutschen Frauenfußballs" des Fotografen Günther Bauer geht es nicht in erster Linie um bekannte Gesichter, sondern um die Menschen, Frauen wie Männer, die den deutschen Frauenfußball geprägt und mit gestaltet haben, von den Anfängen in den biederen 50er Jahren - gegen das Frauenfußballverbot durch den DFB - hin zu den großen Erfolgen der Gegenwart. Dazwischen liegen Jahre des Spiels, des Kampfes, des Lernens und der Begeisterung - mit Namen und Gesichtern, die teilweise in Vergessenheit geraten sind: die erfolgreiche Anne Trabant von Bergisch Gladbach, die plötzlich im Nichts verschwand, der DDR-Frauenfußball-Star Sabine Seidel von Turbine Potsdam, die heute engagiert den Nachwuchs trainiert, oder Margarete Eisleben, die mit ihren Mannschaftskolleginnen von Fortuna Dortmund in den 50er Jahren für Erfolge, Aufruhr und Begeisterung sorgte. In der Ausstellung erhalten bekannte wie unbekanntere Pionierinnen (und Pioniere) des deutschen Frauenfußballs ihren Platz. Die rund zwanzig fotografischen Exponate porträtieren jeden einzelnen Menschen in großformatigen Triptychen. Diese beinhalten ein Porträt, Fotografien der Personen an den Orten ihrer Anfänge und an wichtigen Spielstätten sowie persönliche Fußballtrophäen. Der Begleittext liefert die notwendige zusätzliche Information, er basiert auf persönlichen Interviews Günther Bauer mit den einzelnen Personen. Darüber hinaus geben Video- und Audiostationen einen lebendigen Einblick und laden den Zuschauer zum Miterleben deutscher Frauenfußball-Geschichte ein. Dabei geht es nicht vorrangig um Namen, Daten und Fakten, sondern vielmehr um die subjektive Fußballgeschichte jeder einzelnen Person, also um das Persönliche im Fußball. Eingehende Betrachtung ist daher erwünscht. Wenn er kein Experte ist, wird der Besucher ein Gesicht wie das der 67-jährigen Bärbel Wohlleben zunächst eher nicht zuordnen können. Vielleicht kann er sich - noch dazu, wenn er sehr jung ist - gar nicht vorstellen, dass es sich hier um eine Fußballerin handelt. Text und Bilder verraten ihm, dass sie als erste Frau das "Tor des Monats" schoss und so mit dem Fußball berühmt wurde. Das war 1974 - als es gerade mal vier Jahre her war, dass der DFB das Frauenfußballverbot aufhob. Einige der pionierhaften Fußballkarrieren verraten, dass sich die Frauen einfach darüber hinweggesetzt haben müssen - sonst wären sie 1970 wohl kaum schon so "startklar" gewesen. Was hat sie dazu gebracht, diese nach Paul Breitners Meinung für Damen unästhetische Sportart auszuüben? Denn sie taten es, obwohl sie von den Sportplätzen verjagt und von den Medien verlacht wurden, sie bestanden darauf, Fußball zu spielen. Nicht unbedingt der Emanzipation wegen - sondern aus Begeisterung: "Es ist einfach wunderbar, Fußball zu spielen", erklärt Margarete Eisleben ihr eigentlich verbotenes Engagement Anfang der 60er Jahre. Monika Staab, die starke Kraft von Oberst Schiel, SG Praunheim und Mitbegründerin des 1.FFC Frankfurt formuliert es salopper: "Fußball ist einfach ein geiles Spiel". Da wird eine ungeheure Spielfreude und Vitalität in jedem Porträt, in jeder einzelnen Fußballgeschichte deutlich. Auf ästhetisch-bildhafte Weise werden emotionale Momente geschaffen, die ein komplexes Bild von über 50 Jahren Frauenfußball-Geschichte widerspiegeln, ohne lehrmeisterlich zu sein.

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