Deutsches Hygiene-Museum, Foto: Oliver Killig
KULTURpur - Wissen, wo was läuft!

Deutsches Hygiene-Museum

Foto: David Brandt
Foto: David Brandt
Deutsches Hygiene-Museum, Foto: Oliver Killig
Deutsches Hygiene-Museum, Foto: Oliver Killig

Lingnerplatz 1
01069 Dresden
Tel.: 0351 4846304
Homepage

Öffnungszeiten:

Di-So 10.00-18.00 Uhr

tanz! Wie wir uns und die Welt bewegen

12.10.2013 - 20.07.2014

Erstmalig befasst sich eine große Sonderausstellung sowohl mit den ästhetischen, als auch mit den kulturellen und sozialen Facetten des Tanzes und des Tanzens. Das Projekt des Deutschen Hygiene-Museums nimmt den Tanz gleichzeitig als eigenständige Kunstgattung wie als Bestandteil der Alltagskultur in den Blick – vor allem aber zeigt sie die Zwischenräume, in denen sich diese beiden Aspekte begegnen und beeinflussen.
Die Ausstellung setzt an bei den Spuren, die der Tanz im Körpergedächtnis des Einzelnen und im kollektiven Gedächtnis ganzer Kulturkreise hinterlässt. Es sind nicht nur die ausgeklügelten Notationssysteme der Tänzer und Choreografen, sondern auch die faszinierenden Artefakte und "Reliquien", mit denen dieses materielle und immaterielle Erbe gespeichert und tradiert wird. Ein weiterer Schwerpunkt ist die elementare Dimension von Rausch, Ritual und Ekstase, die im Tanz seit alters her im Zusammenhang mit religiösen Praktiken zu beobachten ist und die in modernen Phänomenen wie Rave und Techno nach wie vor eine zentrale Rolle spielt. Gesellschaftliche Konventionen und Normen von Körperlichkeit werden im Tanz häufig kommentiert und gebrochen. Ob Wiener Walzer, Rock 'n' Roll oder Punk – neuartige Bewegungsformen und Rhythmen bringen immer auch die Verhältnisse zum Tanzen und mischen die Beziehungen der Geschlechter und Generationen auf. In den darauffolgenden Prozessen von Rebellion, sozialer Normalisierung und Kommerzialisierung experimentiert eine Generation nach der anderen mit persönlichen und sozialen Identitäten und formt sie zugleich. Ebenso kann Tanz die Vorstellung von regionaler, nationaler oder kultureller Identität sowie universeller Erfahrung verkörpern. Tanz entfacht die Faszination für Exotisches, kreiert Räume kultureller Zugehörigkeit innerhalb und über Grenzen hinweg oder formt Vorstellungen eines spezifischen nationalen Charakters.
Die Ausstellung untersucht die politische Dimension des Tanzes und seine Rolle für die immer wieder neu auszuhandelnden Vorstellungen von Authentizität, Tradition und Innovation. Tanz macht die verborgenen Muster des Zusammenlebens sichtbar und ästhetisch erfahrbar. Vom Ballett am Hof Ludwig des XIV. über die Tiller-Girls bis hin zur Performance, Breakdance oder Flashmob – im Tanz werden die Phantasien und Metaphern, Strukturen und Spielregeln in Bewegung überführt, die in den anderen Bereichen unserer Gesellschaft, in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft wirksam sind. Nirgendwo liegen Vergnügen und Erkenntnis so nah beieinander, wie im Tanz. Das erlebbar zu machen, ist eines der Ziele dieser Ausstellung.
Der Tanz ist ein flüchtiges und vergängliches Phänomen. Um ihm dennoch in seiner Dynamik und Komplexität gerecht werden zu können, entwickelt die Ausstellungen gleichberechtigte kognitive und physische Zugänge: Eine Wissens-Spur zeigt, wie der tanzende Mensch Kultur und Gesellschaft spiegelt und sie zugleich formt, während eine darin verwobene Tanz-Spur die Besucher in Bewegung versetzt, um den Tanz unmittelbar als Körperereignis erfahren zu können. Die sorgfältige Komposition von klassischen Exponaten und multimedialen Installationen, von Kunstwerken und performativen Stationen integriert auch die Besucherinnen und Besucher in die Szenografie der Ausstellung.
Der Rundgang wird zu einer performativen Aktivität, bei der man seine eigene "Choreografie" erfindet. Auf diese Weise reflektiert die Ausstellung das zeitgenössische Denken über den Tanz und seine Relevanz für das menschliche Selbstverständnis. So wie der Tanz als eine spielerische Art und Weise betrachtete werden kann, sich die Welt kognitiv-körperlich anzueignen, ermöglicht die Ausstellung mit ihren experimentellen Methoden ein tiefgreifenderes Verständnis für den tanzenden Menschen.

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