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Anhaltische Gemäldegalerie, Schloss Georgium und Orangerie


Puschkinallee 100
06846 Dessau-Roßlau
Tel.: 0340 61 38 74
Homepage

Öffnungszeiten:

ständige Sammlung:
bis auf weiteres geschlossen
Orangerie: je nach Ausstellung

Ludwig Grote und die Bauhaus-Moderne

11.10.2013 - 29.12.2013

Im Rahmen der Bauhaus-Triennale wird durch eine didaktische Ausstellung der Anhaltischen Gemäldegalerie Dessau die herausragende Rolle, die Ludwig Grote für die Etablierung des Bauhauses in Dessau und für die Rehabiltitierung der modernen Kunst in Deutschland nach 1945 hatte, aufgezeigt und gewürdigt. Dafür ist auf weitgehend unpubliziertes Material in Berliner, Münchener und Nürnberger Archiven zurückgegriffen worden. // Der aus Halle stammende Ludwig Grote (8.8.1893 – 3.3.1974) studierte Archäologie, Architektur und Kunstgeschichte. 1923 erhielt er einen Werkvertrag zur Herstellung eines Kataloges der Sammlung Alter Meister der Dessauer Amalienstiftung. 1924 wurde er Landeskonservator des Staates Anhalt, 1927 auch Direktor der vom Staat Anhalt neu gegründeten Anhaltischen Gemäldegalerie Dessau. 1925 beriet er Fritz Hesse bei der Überführung des Bauhauses von Weimar nach Dessau, verhandelte persönlich mit Walter Gropius, 1930 auch mit Ludwig Mies van der Rohe. Die Nationalsozialisten und deren Presse brandmarkten Grote 1933 wegen seiner engen Verbindungen zum Bauhaus sowie seiner Ankaufspolitik für die Gemäldegalerie als „Kulturbolschewist“. In der Folge wurde „auf eigenen Wunsch“ in den Ruhestand versetzt. Nach freiberuflicher Tätigkeit in der Steinrestaurierung, schriftstellerischer Tätigkeit, Kunsthandel und Teilnahme am Zweiten Weltkrieg organisierte Grote ab 1945 eine Reihe von Aufsehen erregenden Ausstellungen im Münchener „Haus der Kunst“. 1951 erhielt er den Ruf als erster Direktor des Germanische Nationalmuseums, dessen Generaldirektor er 1958 wurde. Aufgrund eines Abkommens mit der Stadt Nürnberg setzte er seine Ausstellungstätigkeit zur modernen Kunst fort und machte sich als Wegbereiter der Klassischen Moderne in der Bundesrepublik verdient. Zudem verfasste er zahlreiche wegweisende Publikationen zur Gegenwartskunst. // Wie das Bauhaus war auch die 1927 gegründete Anhaltische Gemäldegalerie Dessau im Geiste eines neuen, demokratischen Kulturverständnisses in der Weimarer Republik entstanden. Geschaffen mit dem Anspruch, die Kunstsammlungen des Herzogshauses für die Öffentlichkeit zu erschließen und dem zeitgenössischen Schaffen ein Forum zu bieten, war die Galerie der Lehranstalt auf produktive Weise zugewandt. Davon zeugen neben den Ankäufen von Gemälden der Bauhaus-Meister mehrere Ausstellungen, die Grote für den Anhaltischen Kunstverein in den Galerieräumen durchführte. Dem Konzept Grotes, neben der Vermittlung alter Malerei und Graphik für eine neue Horizonte erschließende Wahrnehmung von Gegenwartskunst zu sorgen, sieht sich die Anhaltische Gemäldegalerie Dessau auch heute noch verpflichtet. Die Ausstellung über ihren ersten Direktor und Wegbereiter trägt somit dazu bei, den Bildungsauftrag des einzigen Kunstmuseums für alte Malerei und Graphik vor dem Hintergrund seiner Gründungsgeschichte zu erkennen und die daraus für die Gegenwart erwachsende Verpflichtung zu verstehen.

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