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Galerie Bob van Orsouw & Partner


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u.n.V.

vertretene Künstler

Nedko Solakov

Nedko Solakov: Mixed Media (in at least four directions and one center)

30.08.2014 - 01.11.2014

Die Dinge, die wir mögen (soll ich sagen: die guten Dinge?), stiften uns unweigerlich an, uns selbst und unsere eigenen Geschichten zu reflektieren. […] In diesem Sinne ist „Gefallen“ eine egozentrische Empfindung, ein Zu-sich-Heranziehen der Welt oder eines Kunstwerkes. Man könnte dies natürlich auch in einer elaborierteren Sprache ausdrücken, doch an dieser Stelle genügt es mir, zu sagen, dass die Werke Nedko Solakovs mich dazu anstiften, „mich zu denken“, meiner Ängste und meiner Lustempfindungen gewahr zu werden. Georgi Gospodinov
„Es war einmal …“ oder „Eines Tages…“: Mit solchen Worten beginnen Märchen in der Regel. Sie evozieren weit zurückliegende Epochen oder eine unbestimmte Zukunft, in der eine Erzählung stattgefunden hat oder stattfinden wird – nicht als Fiktion, sondern, zumindest in der kindlichen Phantasie, als Tatsachenbericht. Es wird eine andere Realität beschworen, die in Bezug steht zur eigenen Wirklichkeitserfahrung, diese aber durch das Aufheben rationaler Gesetzmässigkeiten radikal erweitert. Märchen haben daher zugleich etwas zutiefst Beunruhigendes und Befreiendes. Gleiches gilt für die gezeichneten „Geschichten“ des bulgarischen Künstlers Nedko Solakov (*1957), die als zart lavierte Bild-Text-Kombinationen in oft mehrteiligen Zeichnungszyklen entstehen wie aktuell beispielsweise in Attempts (2013) oder Routines (2014).
„One day (and he knows this for sure), he will step out of his life’s routine and will move beyond this sheet of paper’s edge. Somewhere beyond from here…“: Ein Pfeil markiert exakt die Stelle am Blattrand, wo das Strichmännchen, das sich in der Zeichnung fortwährend im Kreise dreht, aus der täglichen Routine ausbrechen möchte. Oder ist es gar die gezeichnete Linie selbst, die sich aus der Beschränkung des Blattgevierts, aus ihrer eigenen Routine verabschieden will? Wie immer lässt sich die vordergründig witzige, indes subtile Tuschezeichnung aus der Serie „Routines“ auf mehreren Ebenen verstehen, als alltägliche Geschichte von existentieller Hoffnung und möglicher Enttäuschung oder als gedankliche Reflektion über das künstlerische Medium und damit im Grunde als Kommentar über die Bedingungen des Entstehens von Kunst.
Nedko Solakov ist ein begnadeter Erzähler: Seine Zeichnungen „erzählen“ von alltäglichen Begebenheiten, erweisen sich aber auch als bissige Kommentare zum menschlichen Dasein und scheinen dieses zugleich ins Absurde zu wenden. Zugleich hinterfragt der Künstler in seinem formal kaum zu bändigenden Schaffen in Zeichnungen, Gemälden, Videos, Performances oder raumgreifenden Installationen scheinbare kollektive Wahrheiten oder die Bedingungen des Kunstsystems. Er reflektiert das Scheitern als Metapher menschlicher Existenz und entdeckt in den politischen Weltläufen die Paradoxie als herrschende Struktur. Seine Fähigkeit, unterschiedlichste Themen in Form von Geschichten zu erzählen, die eine präzise Balance zwischen poetischer Lust an der Narration und deren ironischer Brechung halten, macht dieses Werk unverwechselbar - und in hohem Masse unterhaltsam.
„By Entering this particular area, you, dear visitor, have agreed to withstand (with no complaints whatsoever) any kind of harassment other visitors may subject you to.“ Die Warnung empfängt die Besucher der Galerie Bob van Orsouw. Nedko Solakov bespielt damit die vier, das Zentrum des Ausstellungsraumes bestimmenden Betonträger, die gewissermassen einen Raum im Raum bilden. Der Hinweis verwandelt den Ort zwischen den Säulen gedanklich zur Präsentationsplattform der Kunst, wo die Besucher beim Betreten sich selbst ausstellen: „By entering the space, in between the four columns, the visitor agrees that any other visitor could start harassing him/her: kicking butts, pinching their ears, tickling them, absolutely open for misbehaving.“ (Nedko Solakov)
Nedko Solakov, der begnadete Erzähler, ist zugleich ein höchst unorthodoxer Konzeptkünstler, welcher der Welt – auch der Kunstwelt – mit burleskem Humor und ironischer Distanz begegnet. In seinen wundervoll-absurden Bild-Text-Geschichten erzählt der wachsame Beobachter menschlicher Unzulänglichkeiten von einer Welt, die ihre Ideale längst verspielt hat – scheint dabei aber seinen (schwarzen) Humor kaum je zu verlieren. Konrad Bitterli
Seit Beginn der 1990er Jahre, stellt Nedko Solakov (geboren 1957 in Tcherven Briag/ Bulgarien; er lebt in Sofia) in Europa und den Vereinigten Staaten aus. Bereits 1993 wurden seine Werke erstmals im Rahmen von Aperto an der 45. Biennale von Venedig präsentiert, gefolgt von weiteren Beteiligungen an internationalen Gruppenausstellungen bzw. Biennalen wie an der 48., 49., 50. und 52. Biennale von Venedig, der 3., 4. und 9. Biennale von Istanbul, an der São Paulo ’94, der Manifesta 1 in Rotterdam, der 2. und 4. Gwangju Biennale, der 5. Lyon Biennale, der Sonsbeek 9 in Arnhem, der 4. und 5. Cetinje Biennale, der 1. Lodz Biennale, der 7. Sharjah Biennale in den Vereinten Arabischen Emiraten, der 3. Tirana Biennale, der 2. Sevilla Biennale, der 2. Moskau Biennale, der documenta 12, der 16. Biennale von Sydney, der Prospect 1 New Orleans Biennale, der Singapur Biennale 2011 sowie an der dOCUMENTA (13). Zuletzt hatte er Einzelausstellungen im Museu do Chiado in Lisbon, im Stichting De Appel in Amsterdam, im CCA Kitakyushu in Japan, im Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía in Madrid, im Israel Museum in Jerusalem, im Centre d’Art Santa Monica in Barcelona, im Kunsthaus in Zürich, im Castello di Rivoli, im Sofia City Art Gallery und in der Galleria Borghese in Rom. Von 2003 - 2005 präsentierte er eine umfangreiche Einzelausstellung „A 12 1/3 (and even more) Year Survey” im Casino in Luxembourg, im Rooseum in Malmö und im O.K Centrum in Linz. Von 2008 - 2009 zeigte er das „Emotions” Projekt im Kunstmuseum in Bonn, im Kunstmuseum St. Gallen, und im Institut Mathildenhöhe in Darmstadt. Seine Retrospektive „All in Order, with Exceptions” wurde 2011 - 2012 in der Ikon Gallery in Birmingham, in der Fondazione Galleria Civica in Trento („All in (My) Order, with Exceptions”), im S.M.A.K. in Ghent und in der Fundação de Serralves in Porto ausgestellt.

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