Staatstheater Kassel, Foto: N. Klinger
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Staatstheater Kassel

Staatstheater Kassel, Foto: N. Klinger
Staatstheater Kassel, Foto: N. Klinger

Friedrichsplatz 15
34117 Kassel
Tel.: 0561 10 940
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Spielplan

Mutter Courage und ihre Kinder

Bertolt Brecht
10.05.2019
19:30 Uhr
Schauspielhaus
Inhalt
Die Verluste an Leben auf dem Lande liegen bei vierzig Prozent. In den Städten noch bei dreißig – hundert in Magdeburg. Unter dem von pestschwarzem Rauch verfinsterten Himmel ist ein jeder nackt, denn wie alles ringsum beweist: Leben hat keinen Wert mehr, den ein Recht schützen oder ein Stärkerer achten würde. Dieser Krieg ist anders. Er begann nicht durch einen Feind von außen, sondern dadurch, dass Nachbarn, Freunde, Familie zu Feinden wurden, unsichtbaren Feinden, willens dich für einen anderen Glauben plündern, vergewaltigen, abschlachten zu lassen. Der Dreißigjährige Krieg, Urkatastrophe Europas, war der erste ideologische Bürgerkrieg. Und wenn Bertolt Brecht eine zähe Marketenderin durch die Überreste der Welt schickt, so ist eine bittere Pointe der Anna Fierling (wegen eines waghalsigen Brot­geschäfts in Riga Courage genannt), dass die Politiker des Barocks aus dem Dreißigjährigen Krieg folgendes lernten: Nicht Glaube garantiert Zivilisation, nein, der zerstört sie, vielmehr der Markt – die neutrale, notwendige Kraft von Angebot und Nachfrage, der gesunde Egoismus des Einzelnen, der dem Gemeinwesen zugute kommt. Gerade die englische Händlerphilosophie, deren Dominanz die Welt bis heute in den Neoliberalismus prägte, glaubt fest an den Zusammenhang von Notwendigkeit, Markt, city und civility. Aber ist der Kapitalismus die Lösung, die Befreiung vom Krieg? Oder ein Frankenstein, der den Krieg schlimmer macht? Trägt er, wie die Wolke den Regen, den Krieg nicht in sich? Stachelt er heute die Autokraten nicht an, an Börsen mit Wasser ebenso wie mit Waffen zu dealen? Hat er nicht den Typus des Warlords geboren, der für Dollar und Diamanten Kindersoldaten bewaffnet? Ist der Frieden in Europa eine dekadente Illusion, genährt von der Idee, dass Frieden an sich etwas Schönes sei, vor allem, dass unsere Vision davon in Washington, Moskau, Peking, Ankara etc. geteilt wird? Sind wir nicht naive Aristokraten in einer Welt voller Feinde und falscher Freunde und Barbaren, die unsere kostbaren Paläste plündern wollen? Sind unsere Grenzen nicht umso blutiger, je weniger wir hinsehen wollen? Ist Europa nicht eine schizophrene Marketenderin, die glaubt, sie könne mit klingendem Euro durchkommen? Und die am Ende alle ihre Kinder … verloren haben wird?
Besetzung
INSZENIERUNG: Laura Linnenbaum
BÜHNE: Daniel Roskamp
KOSTÜME: Ulrike Obermüller
DRAMATURGIE: Thomaspeter Goergen

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