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From Samoa with Love? Samoa-Völkerschauen im Deutschen Kaiserreich. Eine Spurensuche

31.01.2014 - 30.11.2014
 

Zwischen 1895 und 1911, am Vorabend des Ersten Weltkrieges, reisten mehrere Gruppen meist ranghoher Samoaner mit Völkerschauen nach Deutschland. Begleitet wurden sie von zwei Impresarios, den Brüdern Fritz und Carl Marquardt. Für das Publikum waren die Völkerschauen in erster Linie Amüsement und eine Möglichkeit, Sehnsüchte nach einem gerade populär werdenden „Zurück zur Natur“ und dem „ungekünstelten Leben“ zu stillen. Die Kosten und Gefahren einer weiten Reise musste man deswegen aber nicht auf sich nehmen. Denn Völkerschauen, bei denen das zahlende Publikum „für fünfzig Pfennig um die Welt“ reisen und dabei „typische“ Kulturtätigkeiten der Samoaner wie Tänze, Musik und Waffenspiele erleben konnte, gastierten in Vergnügungsparks, Theatern, Panoptiken - und sogar zoologischen Gärten. Viele Völkerschauen tourten durch ganz Mitteleuropa und erreichten so ein Millionenpublikum. Dabei prägten sie entscheidend und langfristig die Vorstellungen, die man sich hierzulande von fremden Kulturen macht(e).
Doch was wissen wir über Motive, Schicksale und Lebenswege der samoanischen Reisenden, die für mehrere Monate und manchmal sogar Jahre angeworben waren? Waren diese Menschen womöglich alle gegen ihren Willen von den Kolonialherren nach Deutschland gebracht worden, um dann vor einem sensationslüsternen und voyeuristischen Publikum zur Schau gestellt zu werden? Was waren die Beweggründe der deutschen Organisatoren? Welches Echo fanden Samoa-Schauen in der deutschen Öffentlichkeit? Was für eine Rolle spielten dabei für das europäische Auge kurios anmutende Kunst- und Gebrauchsgegenstände der samoanischen Kultur, die teilweise ihren Weg in völkerkundliche Museen gefunden haben?
Die Ausstellung nimmt den Besucher auf eine Spurensuche durch Deutschland und Samoa mit, macht ihn bekannt mit Entdeckungen in Archiven, Privatsammlungen und samoanischen Dörfern. Ausstellungsgegenstände der Sammlung Marquardt offenbaren ihre Bedeutung, vermengen sich mit den Stimmen von heute lebenden Nachfahren der ehemaligen Völkerschau-Darsteller. Aus Phantasien und Schwärmereien von Kunstschaffenden der Kaiserzeit wie Joachim Ringelnatz, Dresdner „Brücke“-Malern und etablierten Vertretern der Berliner Akademie der Künste im Angesicht „exotisch“ wirkender Samoanerinnen hallt die zeitgenössisch-romantische Einstellung zum Fremden wider. „Ach, die von Samoa!“
Insgesamt entsteht ein differenziertes und feinteiliges Bild, in dem nicht zuletzt die Lebensverhältnisse, Motive und mit ihrem Deutschlandbesuch verknüpften Ziele und Strategien der samoanischen Völkerschau-Reisenden im Vordergrund stehen.
Mit Werken des Neuseeländers Michel Tuffery landet die Ausstellung mitten in der Gegenwartskunst. Einige seiner Arbeiten thematisieren deutsch-samoanische Geschichte und entstanden durch die Inspiration ethnografischer Objekte aus der Sammlung des Münchner Völkerkundemuseums.

Öffnungszeiten:
Di-So 9.30-17.30
Eintritspreise:
5,-/4,- €