© nikhg / www.fotolia.de
KULTURpur - Wissen, wo was läuft!

Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz


Am Museum 1
02826 Görlitz
Tel.: 03581 47890
Homepage

Öffnungszeiten:

Di-So 10.00-17.00 Uhr

Via Regia - Strasse der Arten

21.05.2011 - 31.10.2011
Wie reist ein 2 Tonnen schweres Nashorn quer durch Europa? Die Kartoffel - eine exotische Zierpflanze? Was treiben tausende Rinder auf einer Handelsstraße? Und was hat eine polnische Schildlaus mit der via regia zu tun? Auf der Handelsstraße transportierte der Mensch Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen nach Ost und West. Als Handelswaren, Nahrungsmittel und blinde Passagiere beeinflussten sie die Landschaften und das Leben ihrer Bewohner. Im Mittelpunkt der Ausstellung "via regia - Straße der Arten", die im Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz gezeigt wird, stehen die Biologie und Kulturgeschichte bestimmter Pflanzen und Tiere der Region. Dem Besucher begegnen dabei seltene Exponate und ungewöhnliche Geschichten, wie die vom Indischen Panzernashorn Clara, das im 18. Jahrhundert als Besucherattraktion in vielen europäischen Städten zur Schau gestellt wurde. Anschaulich zeigt die Ausstellung, auf welchem Weg heimisch geglaubte Arten hierher gelangten. So ist der Lausitzer Karpfen als kulinarische Spezialität weit bekannt, doch keineswegs ist er ein Einheimischer. Denn erst seit dem Mittelalter wird der aus Asien stammende Fisch in den Teichen der Lausitz kultiviert. Ebenfalls als Nahrungsmittel wurden große Rinderherden aus Polen und der Ukraine bis nach Thüringen getrieben. Dass man durch "Blau machen" reich werden kann, verdankt Görlitz dem West-Ost-Handel einer Färberpflanze - dem Waid. Aber auch Rückschläge mussten in Kauf genommen werden, als der Versuch scheiterte, die Seidenraupenzucht in der Region zu etablieren. Noch heute zeugen die in Asien beheimateten Maulbeerbäume von der Zeit, in der sie zur Ernährung der Seidenspinnerraupen angepflanzt wurden. Ganz erfolgreich hingegen verlief die Einführung der Kartoffel aus Amerika. Bereits 1591 wurde sie als Zierpflanze im kurfürstlichen Garten geschätzt, kommt als sächsische Leib- und Magenspeise aber erst seit rund 250 auf den Teller. Viele Pflanzen waren zuerst in den Kloster- und Apothekergärten zu finden. Nicht immer war darunter ein Kraut gewachsen, das gegen unerwünschte Durchzügler oder heimliche Einwanderer half. Denn ohne Einladung kamen Krankheitserreger in die Region und hinterließen Elend und Schrecken. Aber auch Larven von Schadinsekten wurden und werden in alle Himmelsrichtungen verschleppt. Die Wanderung entlang der via regia ist also nicht abgeschlossen - wer weiß, wen Sie gerade im Profil Ihrer Schuhsohle transportieren?

KULTURpur empfehlen