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Schwules Museum


Lützowstraße 73
10785 Berlin
Tel.: 030 69 59 90 50
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Öffnungszeiten:

So,Mo, Mi, Fr 14-18 Uhr
Sa 14.00-19.00 Uhr
Do 14.00-20.00 Uhr

MEIN KAMERAD - DIE DIVA. Theater an der Front und in Gefangenenlagern des Ersten Weltkriegs

05.09.2014 - 30.11.2014

Das Schwule Museum* zeigt anlässlich des 100sten Gedenkjahres des Ersten Weltkriegs eine Ausstellung, die sich dem Gefangenen- und Fronttheater widmet.
Die Ausstellung fokussiert das Theaterspiel als kollektives Phänomen in traditionell männlich konnotierten Räumen. Für die Soldaten und Gefangenen des Ersten Weltkriegs war das Theater viel mehr als nur ein kultureller Höhepunkt. Das Rollenspiel, die Verkleidung und das Eintauchen in eine zivile Identität nahmen einen bedeutenden Stellenwert ein: Wenigstens während der Zeit der Vorstellung relativierte die Verwandlung den allgegenwärtigen Krieg und erlaubte eine Distanzierung von den realen Schrecken, von Verstümmelung, Tod und Isolation. Zugleich gab dies Raum für die Illusion von Normalität, Heimat und Familie. Das Rollenspiel und die Verkleidung brachte auch „die Frau“ in das Leben nahezu isolierter Männergesellschaften. Zugleich geraten durch das Spiel der männlichen (Frauen-)Darsteller mit Cross-Dressing oder Travestie die geschlechtlich codierten Rollenmodelle durch Grenzverschiebungen von Geschlechteridentitäten in Bewegung. Mancher Soldat avancierte als Damenimitator zum Star.
Die Ausstellung MEIN KAMERAD – DIE DIVA verwebt ein international kulturgeschichtlich- relevantes Thema mit einzelnen Biographien bedeutender Theater und Filmschaffender, wie zum Beispiel der Erwin Piscators und G. W. Pabsts, und stellt diese in den zeitgeschichtlichen Kontext des Ersten Weltkriegs. Das Phänomen des Front- und Gefangenenlagertheaters wird hier nicht nur in Bezug auf deutsche, sondern auch auf französische, englische und russische Kriegsbühnen untersucht.
Gezeigt werden seltene Fotos, Dokumente und Filmmaterialien die meist zu Propagandazwecken hergestellt wurden. Zeitzeugenberichte und Inhalte historischer Dokumenten sind an Audiostationen zu hören.
Das Phänomen des Gefangenen- und Fronttheaters ist in dieser umfassenden Form und mit dem interdisziplinären wissenschaftlichen Ansatz mit Fragen der Genderforschung, der Theater- und Zeitgeschichte noch in keiner Ausstellung untersucht worden.

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