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Frau, Familie, Volk und Rasse. Die Reichsmütterschule Berlin-Wedding im NS-System

22.09.2013 - 31.08.2014
Die 1936 gegründete Schulungsstätte war die Mustereinrichtung des Reichsmütterdienstes. Hier absolvierten nicht nur Weddinger Frauen Kurse in Säuglingspflege, Obst einkochen, alte Garderobe aufarbeiten, Heimgestaltung und Basteln mit den Kindern. Auch Gau-Frauenschaftsleiterinnen erhielten hier ihre Qualifikation für die Frauenarbeit im Reichsgebiet und den annektierten Territorien. Und die Anforderungen wuchsen, je weiter Hitlerdeutschland seine Macht über Europa ausdehnte. Doch trotz Mutterkult und Haushaltsführung, erstes Ziel der Institution Mütterschule war die weltanschauliche Schulung für die Bestimmung der Frau im Nationalsozialismus: die „Aufartung“ des deutschen Volkes und der "arischen Rasse". Die rassenpolitische Propaganda, noch am Ende der Weimarer Republik vom preußischen Landesgesundheitsrat zum wichtigsten Thema der Volksaufklärung deklariert, durchdrang die Mütterschulung, die zunehmend auch für die Ehevorbereitung zuständig wurde. Denn es ging um mehr als die Stillbereitschaft und -fähigkeit der deutschen Mutter sowie die Senkung der Kindersterblichkeit. Im Zentrum der gesamten Gesundheits- und Sozialpolitik standen die Steigerung der Geburtenrate und die Regenerierung des gesunden Erbgutes durch die richtige "Gattenwahl" und die "Zeugungsbereitschaft". Es ging um die Reproduktion der Gesellschaft, die seit der Industrialisierung, Urbanisierung und Sozialreformierung gefährdet schien. Die praktische und daraus resultierende grausame Kehrseite dieser Eugenik waren Heiratsverbot, Sterilisation, Euthanasie, Massenvernichtung und Krieg. Ein neuer Blick auf die Quellen und Artefakte ermöglicht die Herstellung des organischen Zusammenhangs der Weddinger Reichsmütterschule mit der Ideologie, Politik und den Strukturen des NS-Systems.

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