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Leo Spik KG Kunstauktionen

Leo Spik Kunstauktionen Berlin
Stadtplan
Kurfürstendamm 66
10707 Berlin
Tel.: 030 883 61 70
Homepage
Am 19. Dezember 1919 eröffnete der fünfundzwanzigjährige Kunsthändler und Restaurator Leo Spik sein erstes Geschäft in der Schöneberger Motzstraße 9. Die Motzstraße gehörte schon damals zu einem Zentrum des Antiquitätenhandels in der Nähe des Wittenbergplatzes.
Es war eine schwierige Zeit für den Kunsthandel, denn seit einiger Zeit musste eine Luxussteuer von fünfzehn Prozent bei jedem Verkauf von Kunstwerken entrichtet werden. Darüber hinaus war gerade jetzt , eine Woche vor der Eröffnung des Geschäftes, ein Gesetz in Kraft getreten, das die Ausfuhr von Kunst einschränkte. National wertvolles Kulturgut durfte nur mit Genehmigung des Staates ins Ausland veräußert werden. Seit der Novemberrevolution von 1918 nahm der Wert der Reichsmark ständig ab, politische Wirren waren an der Tagesordnung.
Der Wert von Kunst war relativ. Doch dann vermittelten die Versteigerungen der Saison 1919/20 wieder neuen Mut.
Die sogenannten "Dublettenauktionen" der nunmehr staatlichen Museen belebten den Kunstmarkt neu. Erst verkauften die Sächsischen Staatssammlungen Dresden frühe Meißner Porzellanobjekte, vor allem Tierfiguren von Kändler und Kirchner, die mehr als einmal in ihren Beständen zu finden waren, sowie Waffen aus Museumsbesitz; es folgten Dubletten des Berliner Kupferstichkabinetts und Stücke aus dem Museum für ostasiatische Kunst auf der Berliner Museumsinsel.
Der Erfolg war gewaltig.
Auch wenn die Asiatika-Auktion bei Rudolph Lepke unter ungünstigen Voraussetzungen verlief. Es waren die Tage des Kapp-Putsches, einer rechtsradikalen Aktion gegen die Republik. Die dadurch entstandene politische Unsicherheit hielt die ausländischen Käufer von der Lepke-Auktion fern. Die deutschen Händler kamen zum Zuge und konnten ihre während des ersten Weltkrieges geräumten Lager wieder auffüllen.
Auch der Newcomer Leo Spik entdeckte hier den Reiz der ostasiatischen Kunst und erweiterte damit sein Angebot. Schon zwei Jahre später vergrößerte er seine Verkaufsräume und zog auf die andere Seite der Kleiststraße in die Nettelbeckstraße 17. Durch eine neue Verkehrsführung an der Urania ist diese Straße in den Fünfziger Jahren gänzlich verschwunden.
Nach einem erfolgreichen Start als Auktionator erweiterte Leo Spik 1929 seine Kunsthandlung zum Versteigerungshaus "Union", das Anfang der dreißiger Jahre seinen Sitz in der Tiergartenstraße 6 erhielt, einer schönen spätklassizistischen Villa, die in ihrer ursprünglichen Form 1833 von E. Knoblauch für die Familie Volkart erbaut, 1884 aufgestockt und erweitert wurde. Unter den Nationalsozialisten musste Spiks jüdischer Geschäftspartner Andersen aus Deutschland emigrieren. Nach zahlreichen Zwangsversteigerungen, die das Finanzministerium veranlasste, löste Spik 1939 das Auktionshaus Union auf und musste die Tiergartenvilla verlassen, die dann von einer nationalsozialistischen Organisation genutzt wurde. Tiergartenstraße 6 ist heute die Adresse des neugebauten Kunstgewerbemuseums.
1948 wagte Leo Spik den Neuanfang am Kurfürstendamm. Nur die beste Adresse, so meinte er, konnte den Erfolg sichern. Er behielt recht. Auch wenn Berlin damals weder im Kunsthandel noch bei den Auktionen einen vergleichbaren Rang in der Kunstwelt wiedererringen konnte, den es bis 1933 besessen hatte, so wurde Auktionshaus "Spik" doch wieder die herausragende Adresse, an der über Krieg und Zerstörung geretteter Kunstbesitz angeboten und versteigert wurde. Ausländische Käufer bestimmten wie einst das Geschehen auf dem Kunstmarkt. Große Sammlungen wurden von hier aus bestückt. Museen versuchten ihre durch den Krieg reduzierten Bestände aufzufüllen, neue Sammlungen wie die von Georg Schäfer in Schweinfurt fanden einen erheblichen Teil ihres Bestandes im Angebot des Berliner Auktionshauses.
Über viele Jahre hinweg versteigerte Leo Spik Objekte aus dem Kunstbesitz des Schriftstellers Karl Rosner; der Berliner Sammlertradition entsprechend hatte dieser Werke der Renaissance und holländische Gemälde des 17. Jahrhunderts zusammengetragen. Rosner war ein enger Freund des deutschen Kaiserhauses, hatte den Kronprinzen bei Kunstkäufen beraten und besaß viele Stücke mit Hohenzollern-Provenienz. 1956 gelangte ein Teil seiner italienischen Bronzen des 15.und 16. Jahrhunderts in der Spik-Dependance in Bad Kissingen zur Versteigerung. Keines der fast sechzig Exponate blieb unverkauft, fast alle Taxen wurden vervielfacht. Die meisten Stücke gingen in amerikanische Sammlungen. In Bad Kissingen veranstaltete Leo Spik seit 1955 regelmäßig Sommerauktionen. Leo Spik starb im Herbst 1968. Er hatte 462 Auktionen geleitet.
Seine Nichte Ruth Beder führte das Geschäft - trotz anfänglicher Skepsis des Berliner Handels- überaus erfolgreich weiter. Fast 50 Jahre, erst im Wechsel mit Leo Spik, dann allein, leitete sie mit bewundernswerter Energie die Auktionen des Hauses. Ohne Pause und ohne je Ermüdung zu zeigen. Obwohl sie die Leitung der Firma vor kurzer Zeit ihrer Tochter Susanna übertragen hat, ist die Feier des neunzigsten Geburtstages des Hauses Leo Spik auch ein Tribut an seine geschätzte langjährige Auktionatorin und Chefin.
Auktionsgegenstände sind:
Gemälde alter und neuer Maler
Aquarelle, Zeichnungen, Graphik, Bücher
Skulpturen, Pozellan, Fayence
Silber, Uhren, Dosen, Mobiliar
Miniaturen, Schmuck, Glas, Kunstgewerbe
Asiatica, Orientteppiche, Textilien
Öffnungszeiten:
Mo-Fr 10.00-18.30 Uhr
Sa 11.00-16.00 Uhr