© monet / Fotolia
KULTURpur
Premiumpartner
IDEAL Versicherung

KULTURpur - Wissen, wo was läuft!

Forum für Fotografie

Forum für Fotografie Köln Ausstellungen
Stadtplan
Schönhauser Str. 8
50968 Köln
Tel.: 0221 340 18 30
Homepage

Leonore Mau: Das zweite Gesicht - Hommage à Leonore Mau

09.11.2014 - 21.12.2014
 

Das Gesicht ist der Schlüssel zur Persönlichkeit eines Menschen. Von einem künstlerischen Porträt erwarten wir daher, dass es uns mehr zeigt, als die bloße Erscheinung einer Person. Dem fotografischen Porträt ist die Ambivalenz von Identität und Abbild besonders eingeschrieben: "Denn die Fotografie ist das Auftreten meiner selbst als eines anderen: eine durchtriebene Dissoziation des Bewusstseins von Identität." (Roland Barthes [1])
Um Bewusstseinszustände geht es auch Leonore Mau in ihrer Fotografie, wenn sie sich in ihrem zentralen Werk den afroamerikanischen Religionen in Brasilien, der Karibik und Miami widmet oder die psychiatrischen Dörfer in Afrika dokumentiert. Die Trancezustände, die in den Ritualen der Macumba, Candomblé und Santerìa hervorgerufen werden, und auch die Bewusstseinszustände der Kranken unter Einfluss von Psychopharmaka spiegeln sich in den Gesichtern wider. Leonore Mau gelingt das Porträt, indem sie ihre Modelle psychologisch und deren gesellschaftliche Kontexte anthropologisch und soziologisch durchdringt. So entstehen Bilder der vom Geiste gezeichneten, von Göttern und Dämonen besessenen oder mit Masken verwobenen Gesichter.
Die Faszination dieser Bilder liegt vor allem darin, dass sie ein Phänomen fixieren, an das der Betrachter im Allgemeinen nicht glaubt: Die Präsenz der Götter in Körper und Geist der Geweihten. Unglaublich erscheint hier die Akzeptanz angesichts des Beiseins einer Fotografin mit Kamera. Tatsächlich hat sich Mau der volkskundlichen Methode der teilnehmenden Beobachtung bedient und oft Monate darauf verwandt, Kontakte und Vertrauen zu den religiösen Gemeinschaften aufzubauen. Jedes Porträt dokumentiert eine Begegnung und charakterisiert sowohl den Porträtierten als auch die Porträtierende hinter der Kamera.
Die Bemalungen und die Überschüttungen mit Milch und Blut ähneln bereits den Maskierungen, wie sie Leonore Mau im Karneval auf Haiti und in Trinidad dokumentierte. In diesem Kontext entstanden Bilder eindrucksvoller Köpfe mit Ganz- und Halbmasken. Sie ergänzen den Blick auf das menschliche Gesicht: Masken verdecken und entfremden Gesichter. Das Antlitz einer maskierten Person ergibt sich aus dem Zusammenwirken von ausgesparten Gesichtspartien und der Beschaffenheit der Maske. Die Maske erlaubt ihrem Träger, eine Rolle anzunehmen, vielleicht sogar unerkannt und hemmungslos zu agieren. Fragen tun sich auf: Was hat die Maske mit der Person zu tun, deren Gesicht sie maskiert? In welchem Verhältnis steht sie zur Identität ihres Trägers? Dient die Maske zur Visualisierung und Vergegenwärtigung von etwas Innerem oder Gedachtem? Denn: „Mit nichts entblößt man sich so wie mit Masken. Nackt, um zu entschlüpfen“ (Hubert Fichte [2]).
[1] Roland Barthes: Die helle Kammer, Frankfurt a.M. 1985, S.21.
[2] Hubert Fichte: Hälfte des Lebens Leonore Mau: Hubert Fichte, Hrsg. Ronald Kay, Hamburgische Kulturstiftung, Hamburg 1996, S. 160.

Öffnungszeiten:
Mi-Fr 14.00-18.00 Uhr
Sa 12.00-18.00 Uhr
So 12.00-16.00 Uhr