Kein Geringerer als Karl Benjamin Preusker (1786-1871), Förderer der Volksbildung, Forscher auf dem Gebiet der vaterländischen Altertumskunde und Sohn der Stadt Löbau, war es, der in Löbau als erster die Idee zur Gründung eines Museums äußerte. Er selbst war leidenschaftlicher Sammler von Objekten des Altertums. Da seine Idee vorerst keinen Fuß in der Stadt faßte, kamen die von ihm zur Verfügung gestellten Schätze - es waren vor allem vorgeschichtliche Sachzeugen aus der Umgebung - vorerst in die Löbauer Ratsbibliothek.
Am 23.Dezember 1859 schrieb er in einem Brief : "Aus der Idee, ein Museum von Seltenheiten anzulegen, ist wohl nichts geworden ?".
Erst Julius Sandt, der Löbauer Brauereidirektor, griff das Thema wieder konsequent auf, nachdem er die wertvollen Objekte in der Ratsbibliothek gesichtet hatte. Der Löbauer Bürgerverein, dessen Vorsteher Sandt war, traf 1893 erste Vorbereitungen. Um das Interesse der Löbauer Bürger an einem Museum zu erfahren und zu gewinnen, entschied man sich vorerst für eine Ausstellung und im Ergebnis dieser für die Gründung eines Museums.
Sie wurde durch einen Ausstellungsausschuß organisiert. Die Löbauer Bürger zeigten großes Interesse, und so gestaltete sich die Altertumsausstellung zu Himmelfahrt 1894 zu einem großen Erfolg.
Damit war der Grundstock des Museums geschaffen, denn viele Bürger stellten ihre Sammlungsstücke kostenlos zur Verfügung, verkauften oder liehen sie der Stadt Löbau.
Am 27.Juli 1894 beschloß der Stadtgemeinderat Löbau die Gründung eines Museums.
Zuerst im Rathaus beheimatet gewesen, ist das Löbauer Museum seit 1899 in der Johannisstraße unterhalb des Altmarktes und neben der Johanniskirche zu finden. In den letzten 103 Jahren hat sich viel getan, so daß der Besucher heut in ein Museum mit Sammlungen und Ausstellungen der unterschiedlichsten Art eingeladen ist.
Seit 1997 trägt das Museum den Titel Oberlausitzer Sechsstädtebund- und Handwerksmuseum Löbau
-Stadtmuseum Löbau-.
Eine Name, der viel verspricht und neugierig macht.
Das Museum erhält derzeit bei laufendem Betrieb ein neues Gesicht. Räumlichkeiten wurden dazugewonnen - Platz um noch mehr Schätze aus den vollen Magazinen präsentieren zu können und ganz neue Themen vorzustellen. Gäste des Hauses können Umbauten bzw. Neugestaltungen von Ausstellungen verfolgen.
Was können Sie sehen?
Im Jahre 1346 begründeten die Städte Bautzen, Görlitz, Zittau, Lauban, Kamenz und Löbau in Löbau den Oberlausitzer Sechsstädtebund. Die Stadt am Berge, zentral gelegen, wurde zum Konventort. Der Sechsstädtebund war ein Städtebündis in der Art der Hanse, welcher die wirtschaftliche Situation der Oberlausitz über Jahrhunderte stark förderte.
In einer ständigen Ausstellung kann der Besucher Näheres zum Wirken des bis in das 19. Jahrhundert existierenden Bundes erfahren. Zu bewundern ist der mit den Wappen der Mitgliedsstädte geschmückte Pokal des Sechsstädtebundes, welcher zu Konventen die Runde machte.
Zur Zeit im Aufbau ist eine Ausstellung zum Historischen Handwerk. Schuhmacher, Fleischer, Bäcker, Leineweber und andere Handwerke werden dort in ihrer Arbeitswelt vorgestellt. In 2 Räumen zu "Oberlausitzer Bettgeschichte(n)" mit mehreren Interieurs kann der Besucher Sozialgeschichte hautnah erleben.
Die Stadtgeschichte Löbaus, teilweise eingebunden in die Geschehnisse des Sechsstädtebundes, wird in 5 Räumen anschaulich dargestellt.
Daneben sind folgende Studioausstellungen im Angebot:
Sakrale Plastik, historische Transportmittel, Spielzeug, Kunst und Kunsthandwerk,der Gußeiserne Aussichtsturm auf dem Löbauer Berg.
Wechselnde Sonderausstellungen beleben noch das Angebot an ständigen Ausstellungen.
Mit Unterstützung der 1993 gegründeten Löbauer Museumsgesellschaft e.V. werden Veranstaltungen zu unterschiedlichen Themen angeboten und ein eigenes Löbauer Journal mit historischen Forschungen zur Region herausgegeben.