Deutsch-Sorbisches Volkstheater Bautzen
Seminarstr. 12
02625 Bautzen
02625 Bautzen
Tel.: 03591 584-0
Kurzbeschreibung
1. Das Deutsch-Sorbisches Volkstheater Bautzen ...
· ist das einzige professionelle bikulturelle Theater Deutschlands
· spielt vor allem in Deutsch, aber auch in Ober- und Niedersorbisch
· für die meisten sorbischen Veranstaltungen bietet es eine Simultanübersetzung per Kopfhörer an
· ist einerseits das Bautzener Stadttheater
· zugleich ist es aber auch das Lausitzer Kulturraumtheater mit regelmäßigen Spielstätten an den Theatern Görlitz und Kamenz, sowie Abstechern in der gesamten Lausitz bis in den Spreewald
· bekommt vom Theater Görlitz ein Musiktheater-Angebot von Oper über Operette bis hin zu Musical und Ballett
2. Zielgruppe(n):
· "Volkstheater" definiert es programmatisch im Gegensatz zum großstädtischen "Expertentheater" also im Sinne eines Angebots für Jedermann von Schiller über Beckett bis hin zum Familienknüller, keineswegs aber als"Bauernschwank"-Bühne
· Mit der "kleinen Form" auf der Probebühne und mit den Inszenierungen für ein junges Publikum (z.B. das Anti-Drogenstück"Kissing God" oder das"Big Brother"-Stück"Project Anne F.") bedient es zugleich aber auch ein anspruchvolles und zeitgenössisches Repertoire
· Zudem hat es sich in den letzten Jahren erfolgreich zu einem Eventtheater entwickelt, das neben seinem lokal orientierten Stammrepertoire außergewöhnliche Veranstaltungsreihen für ein großes, überregionales und teilweise touristisches Publikum platziert.
3. "Eventtheater" - was heißt das?
Der mittlerweile überregional bedeutende Bautzener Theatersommer im historischen Hof der Ortenburg (für 2000 ca. 24.000 verkaufte Karten)
· Multimediaspektakel wie "Zwei Nonnen gegen Tod und Teufel" (September 1998) im Hof des kunsthistorisch bedeutenden Klosters St. Marienstern.
· Kultstücke wie "Die Olsenbande dreht durch", "Miss Marple ermittelt" oder "Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk". Durch Foyergestaltung und Dramaturgie wird das Publikum in die Inszenierung einbezogen. Im Dezember 2000 hat" Die Drei von der Tankstelle" nach dem berühmten Film mit Heinz Rühmann Premiere.
Kleine Bautzener Theatergeschichte
1796
Gründung des Bautzener Stadttheaters als Aktiengesellschaft in einer ehemaligen Bastion der inneren Stadtmauer zwischen Lauengraben und Kornmarkt. "Die Zauberflöte" kommt hier bereits kurz nach ihrer Uraufführung ins Repertoire. Das Gebäude wird immer wieder umgebaut, zuletzt 1905, und erhält zunehmend die Gestalt eines kleinen "Schloßtheaters". Wiederholt führen Kriege und wirtschaftliche Krisen zur Schließung und Neueröffnung des Theaters, dennoch ist die Theatertradition an einem festen Haus (mit Schwerpunkt Musiktheater) nie länger unterbrochen.
1905
Die Stadt Bautzen erhält aus Dresden den Rietschelgiebel "Die Tragödie. Die Orestie" von Sempers abgebranntem Opernhaus (Vorgänger der heutigen Semperoper) geschenkt und bringt ihn am Stadttheater an.
1948
Gründung des ersten sorbischen Berufstheaters, des Sorbischen Volkstheaters (Serbske Ludowe Dziwadlo). Das Sorbische Volkstheater besitzt in Bautzen lediglich ein Verwaltungs- und Probegebäude, die Aufführungen finden auf Abstecherfahrten in die sorbischen Gemeinden in Gasthöfen statt. Diese Tradition überlebt am Deutsch-Sorbischen Volkstheater mit dem obersorbischen Herbst- und den niedersorbischen Frühjahrsabstecher bis heute, wird allerdings durch Aufführungen im Stammhaus ergänzt.
1961
Gründung des zweisprachigen Marionettentheaters als Sparte des Sorbischen Volkstheaters, hervorgegangen aus der privaten Puppenbühne der Familie Rietscher.
1963
Vereinigung des Stadttheaters und des Sorbischen Volkstheaters zum Deutsch-Sorbischen Volkstheater Bautzen.
1969
Nach Auftreten diverser Baumängel und der Notwendigkeit technischer Sanierung wird das Theatergebäude gesperrt, der Rietschelgiebel wird abgenommen und an mehr oder weniger geeigneten, wechselnden Orten eingelagert. Der Spielbetrieb wird im Saal des Hotels "Krone" (Musiktheater und große Schauspielinszenierungen) bzw. im ehemaligen "Societätsgebäude" auf der Studiobühne (Schauspiel) unter z.T. exotischen Bedingungen (Gastronomie- und Kegelbetrieb während der Aufführungen!) aufrecht erhalten.
Zwar wird ein Modernisierungs- und Vergrößerungskonzept am alten Theaterstandort ausgearbeitet, doch mit der Verschiebung der staatlichen Baupolitik hin zu Wohnbauten, die zu einem Stopp bei Kulturbauten führt, wird das Projekt nie realisiert. Statt dessen wird das Bautzener Theater gesprengt.
1973-75
Als "Erweiterungsbau" des Verwaltungs- und Studiobühnengebäudes an der Seminarstraße deklariert, wird ein neues Theatergebäude de facto als Schwarzbau durch Initiative verschiedener lokaler Kulturfunktionäre errichtet. Arbeitsdienste des gesamten Ensembles und Organisationstalent "beziehungsreicher" Bautzener ermöglichen das Husarenstück. Allerdings bleibt der Bau unvollendet: Bis heute fehlt ein Bühnenturm und der architektonisch miteingeplante Rietschelgiebel ruht nach wie vor in einer Turnhalle, von wo ihn die Stadt Bautzen in ihr Museum zu überführen plant.
1992
Das Bautzener Musiktheaterensemble und Ballett werden aufgelöst, die Lausitzer Philharmonie wird gegründet, die für Theater und Sorbisches Nationalensemble zugleich spielt. Seit dieser Spielzeit liegt der Besucherschwerpunkt in Bautzen eindeutig auf dem Schauspiel.
1996
Da die gleichzeitige Bespielung von Theater und Nationalensemble nicht funktioniert, gründen die Theater Bautzen und Görlitz zusammen die Neue Lausitzer Philharmonie. Diese begleitet neben einem Konzertring pro Spielzeit in Bautzen 3 Bautzener Stagione- und 3 Görlitzer Übernahme-Inszenierungen.
1998
Lutz Hillmann wird Intendant. Im Jahr 1997 hatte die Besucherzahl 76.000 betragen, 1999 beträgt sie 134.000 Besucher (Staatsschauspiel Dresden 1999: 135.000 Besucher) Programmatisch werden mit Event-Formen wie "Die Olsenbande dreht durch" oder dem Sommertheater, aber auch verstärktem Engagement im Bereich Jugend- und Puppentheater neue Zuschauerschichten erschlossen bzw. alte zurückgewonnen.
1999
Nach einem Beschluß des Kulturkonvents wird die Bautzener Musiktheatersparte endgültig geschlossen, fortan erhält Bautzen pro Spielzeit 6 Görlitzer Übernahme-Inszenierungen im Musiktheaterbereich. Im Gegenzug verstärkt das Theater Bautzen sein Schauspielangebot in Görlitz. Daneben wird das neue Kamenzer Stadttheater regelmäßig von Bautzen gespielt, mit dem Gerhart-Hauptmann-Theater Zittau werden verstärkt Inszenierungen ausgetauscht.
2000
Unter dem Druck des Landkreises Kamenz, aus der Kulturraumfinanzierung auszusteigen, beschließt der Kulturkonvent, einem Gutachten folgend, die Gründung einer Schauspiel-Gesellschaft mit den Spielstätten Bautzen und Zittau und einer Musiktheatergesellschaft in Görlitz (mit gegenseitiger Bespielung der drei Häuser). Der Landkreis Löbau-Zittau stimmt gegen diese Lösung, die an der dortigen Spielstätte nur noch ein Restensemble beließe. Derzeit ist die Umsetzung der Beschlüsse und der Bestand des Bautzener Hauses deswegen immer noch nicht geklärt. Gleichzeitig kündigt die Stiftung für das serbische Volk bedeutende Kürzungen in der Theater-Bezuschussung an.




















