Spielplan
Sex
Justine del Corte
Staatstheater Kassel - Schauspielhaus
Wie einen großen Bilderbogen entwirft Justine del Corte in ihrem neuesten Stück ein Panorama der Sexualität. Es beginnt mit einer Paradiesszene: eine Gruppe von jungen Menschen war abends am See schwimmen gegangen, eine Frau und ein Mann kommen wieder am Ufer an, vielleicht haben sie sich in der Stelle geirrt – jedenfalls sind ihre Kleider verschwunden und nun stehen sie voreinander wie Adam und Eva. Der Versuch, die Situation souverän intellektuell und mit Humor zu meistern misslingt und die Macht des Bildes vom Paradies, von der Verführung, vom Sündenfall, drängt sich unausweichlich in den Vordergrund …
In weiteren Szenen begegnen sich junge Paare und ältere, es geht um Annäherung und Zurückweisung, um Lust und Ekel, Kultur und Natur. Über allem liegt die Metaphorik des Wassers, dessen kulturgeschichtliche Kraft unzählige Mythen und Märchen erzeugt hat: aus Frauen werden Nixen, aus Geliebten Schwäne, Kinder schwappen aus den Bäuchen ihrer Mütter und Zeugungen werden von Meeres-Assoziationen begleitet. Dem Theater stellt die Autorin eine schwierige und reizvolle Aufgabe: Wie kann man darstellen, was sich der realistischen Darstellung entzieht? »Du sollst dir kein Bildnis machen« – ist es nicht dieses alttestamentarische Gebot, das unsere berechtigte Scheu vor der Darstellung von Nacktheit und Sexualität bis heute prägt?
Justine del Corte hat ein poetisches Stück über Lust und Leid der sexuellen Begegnung geschrieben – mit allen dazugehörigen Unwägbarkeiten, Missverständnissen und Unbeholfenheiten. SEX wurde 2008 am Schauspielhaus Zürich uraufgeführt. Der renommierte Bühnenbildner Johannes Schütz wird in Kassel nach seinen Opernregien TRISTAN UND ISOLDE und LA CLEMENZA DI TITO nun erstmalig im Schauspiel inszenieren.
Inszenierung und Bühne: Johannes Schütz






















