Griechische Passion
Nach dem 1. Weltkrieg versuchen die Griechen, die seit 3000 Jahren an der Westküste Kleinasiens siedeln und seit 1453 von den Osmanen regiert werden, die Fremdherrschaft abzuwerfen, denn das Osmanische Reich schwächelt. Doch es kommt zur »Kleinasiatischen Katastrophe«: Kemal Pascha (der spätere Atatürk) hat seinen Anspruch auf die türkische Regierung angemeldet und besiegt das griechische Heer. Massaker und die Zwangsumsiedlung von zwei Millionen Griechen und Türken sind die Folge.
Kurz vor diesen Ereignissen spielt die Oper des Tschechen Bohuslav Martinù. Schauplatz: im friedlichen, wohlhabenden Dörfchen Lycovrissi herrschen Geldgier und Kleinbetrug der Kaufleute, eitles Machtgebaren der Dorfältesten, bigotter Machismo. Die Rollen für das Passionsspiel werden verteilt: Judas, Maria Magdalena, Christus und die Jünger. Doch da steht plötzlich eine Schar Griechen auf dem Dorfplatz, hungrig und erschöpft. Ihr Priester bittet um Schutz, sie wurden von den Osmanen aus ihrem Dorf vertrieben. Und nun beginnt ein eigentümlicher Vorgang: die Dörfler identifizieren sich mit ihren Rollen: Manolios, der Christus-Darsteller, wird zum Wortführer gegen sein Dorf, das den Flüchtlingen kein Asyl gewähren will, Katarina (die Maria Magdalena) verliebt sich in ihn und verzichtet, die Jünger schließen sich Manolios an. Doch das Dorf entledigt sich der Aufrührer, es will so bleiben, wie es ist.
Bohuslav Martinù hat eine große Oper geschrieben: eine große Geschichte, mit großen Gefühlen und hohen moralischen Ansprüchen – und großen Chören. Martinù komponiert disparat, abwechslungsreich, in unterschiedlichsten Tonsprachen: zuweilen klingt slawische Musik an, zuweilen griechisch-türkische Intervallik, dann wieder romantische Oper westlicher Prägung und Atonales.
Musikalische Leitung: Hilary Griffiths
Inszenierung: Constanze Kreusch
Bühne: Jürgen Lier
Kostüme: Claus Stump
Dramaturgie: Johannes Blum




















