Spielplan
Philoktet
Heiner Müller
Landestheater Detmold
Auf dem Felseneiland Lemnos vegetiert ein geschlagener Mann dahin: Philoktet. Vor einem Jahrzehnt setzten ihn die eigenen Kameraden hier aus, da sie das Jammern des Verletzten nicht mehr ertrugen. Sie segelten gen Troja zur Schlacht, er blieb in Leid und Einsamkeit zurück. Nur der Hass auf Odysseus, der für ihn dieses Los ersann, hält ihn am Leben. Nun aber muss ebenjener Held, einst verantwortlich für Philoktets Verbannung, zu diesem zurückkehren, denn nach langem, aber vergeblichen ringen gegen die Trojaner besinnt er sich auf den unfehlbaren Bogen des einstigen Kampfgefährten und überredet den jungen Neoptolemos dazu, die Waffe mit List zu entwenden. Der jedoch, unsicher, ob der Nutzen für die Gemeinschaft, wie behauptet, eine solche Tat rechtfertige, folgt nach heftiger Auseinandersetzung mit dem von Skrupeln unbelasteten Odysseus seinem Gewissen und gibt die Waffe ihrem rechtmäßigen Besitzer zurück. Als dieser sich jetzt aber gegen Odysseus wendet, streckt ihn Neoptolemos nieder.
Mit hochartifizieller, metaphorischer Sprache blickt Heiner Müller auf einen jener Unglücklichen, der als unnütz selektiert und bis auf Widerruf dem sozialen Tod ausgeliefert wird, und auf eine Gesellschaft wie die unsrige, die sich in ihren Entscheidungen allzu oft unbarmherzig und berechnend auf vorgeblich zwingende Notwendigkeiten der Allgemeinheit beruft.






















