Spielplan
Antigone
Jean Anouilh
Landestheater Detmold
Kreon, der neue König von Theben, will die Ordnung im Land nach überstandenen politischen Wirren wieder herstellen. Sein Befehl, dem getöteten mutmaßlichen Landesverräter Polyneikos die Bestattung zu verwehren, ist ein rigides Zeichen der stabilisierten legislativen und exekutiven Gewalt. Zuwiderhandlung wird mit dem Tode bestraft. Antigone setzt dem allerdings ihre verwandtschaftliche Pflicht und ihr persönliches Recht entgegen, dem eigenen Bruder Polyneikos die letzte Ehre zu erweisen. Verhaftet und von Kreon zur Rede gestellt, verteidigt sie ihre Meinung mit bis zur Selbstzerstörung reichender Willensstärke.
Als eine der faszinierendsten Heldinnen der griechischen Mythologie fordert Antigone, ausgehend von der Tragödie des Sophokles, immer wieder zum Nachdenken und Deuten heraus. Jean Anouilhs 1944 in Paris uraufgeführte Fassung zeigt Antigone und Kreon in ihrer Argumentation als Antipoden auf Augenhöhe: Antigones Idealismus, ihr mutiges Beharren auf ureigenem Maß und Urteil ist ebenso nachvollziehbar wie Kreons pragmatische Sicht des gesellschaftlichen Miteinanders, die ohne Autoritäten nicht auskommen.
Dabei überlässt Anouilh, indem er selbst eine eindeutige Präferenz vermeidet, die Entscheidung dem Zuschauer, welcher der beiden Haltungen die eigene Sympathie gilt, kompromisslosem Individualismus oder der Einsicht in Notwendigkeiten zur Wahrung des sozialen Friedens.






















