Staatstheater Kassel, Foto: N. Klinger
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Staatstheater Kassel

Staatstheater Kassel, Foto: N. Klinger
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Hänsel und Gretel, Foto: N. Klinger
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Friedrichsplatz 15
34117 Kassel
Tel.: 0561 10 940
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Spielplan

Penthesilea

Heinrich von Kleist
Schauspielhaus
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	»Hundekomödie; Acteurs: Helden und Köter und Frauen.« Kleist selbst notierte dies zu Penthesilea, voller brutaler Selbstironie. Es ist aber auch ein brutales Stück. Der Naturstand der Welt ist Krieg. Hier das Männerheer der Griechen; dort die Amazonen: Bräute des Gottes Mars, der ihnen befahl, nur Töchter zu gebären und dies nur von Männern, die den Frauen im Kampf unterlagen. In Botenberichten zwischen war reporting und Voyeurismus entrollt Kleist einen Kampf »erboster Wölfe«, in dem die Grenze zwischen Lust und Mord verflackert. Die Amazonenkönigin Penthesilea liebt den Helden Achill, doch als sie ihn im Kampf erobern will, verliert sie verwundet das Bewusstsein. Achill, der sie wiederliebt, ergibt sich ihr (und ihrem Liebes-Gesetz) zum Schein; Penthesilea aber, trotz all der Kriegsberichte, verfehlt genau diese vitale Information. Und weil sie dem Gesetz getreu keinem Mann unterliegen darf, bereitet sie dem Geliebten mit ihren Doggen die ultimative Bluthochzeit: »Sie hat ihn wirklich aufgegessen vor Liebe«, schrieb Kleist an seine Schwester Marie. Als sie aus dem Rausch erwacht und ihre Tat begreift, folgt Penthesilea Achill in den Tod. Keinen Dolch, »ein vernichtendes Gefühl« stößt sie sich ins Herz und zerstört zugleich das unselige Gesetz. Kleist sandte 1808 die Tragödie an Goethe: »auf den Knien meines Herzens«, zitierte er in seinem Brief ein Bußgebet. Aber der Olymp in Weimar nahm das Gebet nicht an. Die Amazonin, deren Liebesworte zu den schönsten deutscher Sprache gehören, und die gleichzeitig zum Kannibalismus fähig ist, verstörte Goethe. Stets hatte der Schöpfer der IPHIGENIE den idealen Humanismus in Harmonie propagiert. Die heillose Antike bei Kleist, jene Welt, »auf die von ferne nur die Götter schaun«, öffnete Abgründe, in die zu schauen er sich scheute. Erst 65 Jahre nach Kleists Selbstmord (1811) wurde Penthesilea uraufgeführt. Die Abgründe sind geblieben.</p>

»Hundekomödie; Acteurs: Helden und Köter und Frauen.« Kleist selbst notierte dies zu Penthesilea, voller brutaler Selbstironie. Es ist aber auch ein brutales Stück. Der Naturstand der Welt ist Krieg. Hier das Männerheer der Griechen; dort die Amazonen: Bräute des Gottes Mars, der ihnen befahl, nur Töchter zu gebären und dies nur von Männern, die den Frauen im Kampf unterlagen. In Botenberichten zwischen war reporting und Voyeurismus entrollt Kleist einen Kampf »erboster Wölfe«, in dem die Grenze zwischen Lust und Mord verflackert. Die Amazonenkönigin Penthesilea liebt den Helden Achill, doch als sie ihn im Kampf erobern will, verliert sie verwundet das Bewusstsein. Achill, der sie wiederliebt, ergibt sich ihr (und ihrem Liebes-Gesetz) zum Schein; Penthesilea aber, trotz all der Kriegsberichte, verfehlt genau diese vitale Information. Und weil sie dem Gesetz getreu keinem Mann unterliegen darf, bereitet sie dem Geliebten mit ihren Doggen die ultimative Bluthochzeit: »Sie hat ihn wirklich aufgegessen vor Liebe«, schrieb Kleist an seine Schwester Marie. Als sie aus dem Rausch erwacht und ihre Tat begreift, folgt Penthesilea Achill in den Tod. Keinen Dolch, »ein vernichtendes Gefühl« stößt sie sich ins Herz und zerstört zugleich das unselige Gesetz. Kleist sandte 1808 die Tragödie an Goethe: »auf den Knien meines Herzens«, zitierte er in seinem Brief ein Bußgebet. Aber der Olymp in Weimar nahm das Gebet nicht an. Die Amazonin, deren Liebesworte zu den schönsten deutscher Sprache gehören, und die gleichzeitig zum Kannibalismus fähig ist, verstörte Goethe. Stets hatte der Schöpfer der IPHIGENIE den idealen Humanismus in Harmonie propagiert. Die heillose Antike bei Kleist, jene Welt, »auf die von ferne nur die Götter schaun«, öffnete Abgründe, in die zu schauen er sich scheute. Erst 65 Jahre nach Kleists Selbstmord (1811) wurde Penthesilea uraufgeführt. Die Abgründe sind geblieben.

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»Hundekomödie; Acteurs: Helden und Köter und Frauen.« Kleist selbst notierte dies zu Penthesilea, voller brutaler Selbstironie. Es ist aber auch ein brutales Stück. Der Naturstand der Welt ist Krieg. Hier das Männerheer der Griechen; dort die Amazonen: Bräute des Gottes Mars, der ihnen befahl, nur Töchter zu gebären und dies nur von Männern, die den Frauen im Kampf unterlagen. In Botenberichten zwischen war reporting und Voyeurismus entrollt Kleist einen Kampf »erboster Wölfe«, in dem die Grenze zwischen Lust und Mord verflackert. Die Amazonenkönigin Penthesilea liebt den Helden Achill, doch als sie ihn im Kampf erobern will, verliert sie verwundet das Bewusstsein. Achill, der sie wiederliebt, ergibt sich ihr (und ihrem Liebes-Gesetz) zum Schein; Penthesilea aber, trotz all der Kriegsberichte, verfehlt genau diese vitale Information. Und weil sie dem Gesetz getreu keinem Mann unterliegen darf, bereitet sie dem Geliebten mit ihren Doggen die ultimative Bluthochzeit: »Sie hat ihn wirklich aufgegessen vor Liebe«, schrieb Kleist an seine Schwester Marie. Als sie aus dem Rausch erwacht und ihre Tat begreift, folgt Penthesilea Achill in den Tod. Keinen Dolch, »ein vernichtendes Gefühl« stößt sie sich ins Herz und zerstört zugleich das unselige Gesetz. Kleist sandte 1808 die Tragödie an Goethe: »auf den Knien meines Herzens«, zitierte er in seinem Brief ein Bußgebet. Aber der Olymp in Weimar nahm das Gebet nicht an. Die Amazonin, deren Liebesworte zu den schönsten deutscher Sprache gehören, und die gleichzeitig zum Kannibalismus fähig ist, verstörte Goethe. Stets hatte der Schöpfer der IPHIGENIE den idealen Humanismus in Harmonie propagiert. Die heillose Antike bei Kleist, jene Welt, »auf die von ferne nur die Götter schaun«, öffnete Abgründe, in die zu schauen er sich scheute. Erst 65 Jahre nach Kleists Selbstmord (1811) wurde Penthesilea uraufgeführt. Die Abgründe sind geblieben.


Besetzung
Inszenierung: Sebastian Schug
Bühne: Christian Kiehl
Kostüme: Nicole Zielke
Musik: Johannes Winde
Licht: Dirk Thorbrügge / Fred Bommart
Dramaturgie: Thomaspeter Goergen
Kampfchoreografie: Klaus Figge

Besetzung
Penthesilea: Eva Maria Sommersberg
Prothoe: Caroline Dietrich
Oberpriesterin: Alina Rank
Achilles: Artur Spannagel
Odysseus: Bernd Hölscher
Hauptmann: Christian Ehrich
Johannes Winde