23.09.2012 - 17.03.2013
Bis in die beginnende Neuzeit hinein wurden Kinder, sobald sie sich allein verständlich machen und fortbewegen konnten, als kleine Erwachsene gesehen und behandelt. Erst seit dem 16. Jahrhundert beginnt die Entwicklung zur Kernfamilie, die sich nicht nur um die Vererbung von Namen, Stand und Besitz kümmert, sondern in der Erziehung der Kinder eine moralische Aufgabe sieht. Im Laufe des 18. Jahrhunderts wird Kindern eine eigene Lebenswelt zugestanden. Spezielle Kinderkleidung entsteht und im Biedermeier werden Kinderzimmer mit kindgerechten Möbeln zum Standard bürgerlicher Familien.
Diese Entwicklung lässt sich auch an Bestecken, Geschirr und anderen Utensilien ablesen, die Kinder zum Essen und Spielen angeboten bekamen. Aus pädagogischen Gründen erhielten Mädchen Puppengeschirr, das von der Sauciere bis zur Bratenplatte alle Teile enthielt, was auch die Festtafel gutsituierter Familien zierte. Die Ausstellung spürt damit der Tischkultur seit dem 18. Jahrhundert nach und setzt sich auch mit Erziehungszielen und –stilen, etwa reformpädagogischen Ideen, bis ins 21. Jahrhundert auseinander. Oft bilden die Miniaturausgaben der Geschirrteile, Bestecke usw. den Zeitgeschmack der Erwachsenen ab – Jugendstildekor und Streublumenmuster zieren in den entsprechenden Epochen auch das Kindergeschirr. Damit spiegeln sich im Design, den verwendeten Materialien und Farben der Geschirrteile, Bestecke, usw. die Erwartungen der Erwachsenen an die Kinder wider.