25.09.2011 - 04.03.2012
Noch hatte der Dreißigjährige Krieg die Stadt Bietigheim mit all' seinen Schrecken nicht erreicht, als der Künstler Conrad Rotenburger 1630 gemeinsam mit dem Bietigheimer Amtsbürgermeister Johann Huttenloch mit den "Biblischen Summarien" ein erstaunliches Werk herausgab. Dieses, nur
selten erhalten gebliebene Werk, das zu den interessantesten Objekten der Sammlung des Stadtmuseums Hornmoldhaus zählt, steht im Zentrum des geplanten Ausstellungsprojektes. Als Bilderbibel angelegt, umfasst der Band 91 Blätter mit jeweils mit 16 Darstellungen aus dem Alten und Neuen Testament, die mit metrisch durchgestalteten Zweizeilern erläutert werden.
Mit dieser Arbeit empfiehlt sich Rotenburger als schöpferischen Radierer, der sein Handwerk bestens beherrschte. Besonders reizvoll wird die Auseinandersetzung mit den Bildern, in denen der Künstler, unterstützt von seinem Gehilfen Jacob Custos, die biblische Geschichte mit der Bildsprache des 17. Jahrhunderts erzählt und dabei reizvolle Blicke auf zeitgenössisches Interieurs und Mode ermöglicht.
Aus Rotenburgers Biografie ist nur wenig bekannt. Über das Taufdatum einer seiner Töchter im Jahr 1612 wird er erstmals in Bietigheim urkundlich fassbar. Auch weitere Kinder empfingen dort das Taufsakrament. Nachdem Rotenburger bereits 1616 in den Rat der Stadt Bietigheim berufen wurde, waren sowohl sein Ansehen als auch sein Besitz nicht unerheblich. Wohl auch wegen seines Berufs als Maler wurde ihm das wichtige städtische Amt des "Feldmessers" übertragen, das heute mit den Aufgaben eines Geodät vergleichbar ist und eben manchmal zeichnerische Fähigkeiten verlangte. Im Rahmen dieser Tätigkeit verfasste er eine erhalten gebliebene "Feldmesserchronik", in der er etwa gelöste Grenzstreitigkeiten und einzelne erwähnenswerte Ereignisse protokollierte. Dieses Amt übte Conrad Rotenburger bis zu seinem Tod im Jahr 1633 aus. Dass er ebenfalls in das Gericht der Stadt berufen wurde, kann als weiterer Indikator für sein Ansehen in Bietigheim gewertet werden.
Die Ausstellung beleuchtet die Lebensumstände des Malers Conrad Rotenburger und beschäftigt sich neben den "Biblischen Summarien" mit weiteren seiner Werke, wie einem Epitaph in der Besigheimer Stadtkirche aus dem Jahr 1611 und seinem wohl größten Werk, die 1614 begonnene Ausmalung der Vaihinger Stadtkirche nach den programmatischen Vorgaben des dortigen Pfarrers Johann Valentin Andreae. Leider wurde diese Arbeit
Rotenburgers bereits 1618 ein Opfer der Flammen.
Die Ausstellung schließt mit dem Ausblick auf die Schrecknisse des
Dreißigjährigen Krieges für die Stadt Bietigheim, welche der Maler zwar nicht mehr selbst, wohl aber seine Familie erleiden musste.
Die Einführung in die Sonderausstellung am Eröffnungstag wird der
Bietigheimer Autor Günther Bentele übernehmen, der bereits im Jahr 1999 einen grundlegenden Aufsatz über Rotenburger als Bietigheimer Künstler aus der Zeit der Familie Hornmold vorgelegt hat.