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Galerie Bob van Orsouw & Partner


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u.n.V.

vertretene Künstler

Shirana Shahbazi

Shirana Shahbazi: Between Daylights

08.06.2013 - 27.07.2013

Konzentrieren wir uns auf das diffuse Gefühl, dass genau dort, wo nichts ist, etwas sein könnte. Lassen wir die Gewissheit zu, dass dort, wo Nicht-Wissen herrscht, immer die Möglichkeit zu Hause ist. Shirana Shahbazi bewegt sich mit ihren fotografischen Arbeiten jenseits von künstlicher Einheit und erhoffter Eindeutigkeit. Ihre Bilder sind geprägt von einem Neben- und Ineinander expliziter Darstellung und abstrakter Form. Ihre Kunst ist keine vollendete Synthese, sondern eine Synthese als ewige Aufgabe - ein Zwischenwesen. Farbflächen mit räumlicher Gestalt stehen hinter Früchten in ihrer unergründlichen Körperlichkeit. Andere Werke arbeiten mit einem Nebeneinander von Bildern, wo wir erahnen, dass eine echte Verbindung nie in einer Einheit aufgehen wird. Ihre Bilder verwandeln naive Hoffnung in die Einsicht, dass ein unverstellter Blick immer auch Aushalten bedeutet.
Wie ihre Darstellungen ist auch die Herstellung ihrer Kunstwerke von einem Wechselspiel durchdrungen. Fotografie und Malerei ziehen sich beide durch ihre Arbeiten - insbesondere in ihren früheren Arbeiten werden Fotografien zu Malereien und wieder zu fotografischen Abbildungen. Fotografien lässt sie als Teppiche knüpfen, nutzt sie als Negativ für Siebdruckplatten oder entwickelt aus ihnen lithographische Tapeten. Auch der Ausstellungsraum wurde zu einem Element ihrer Arbeit. Abstrakte Flächenkompositionen erhalten als Wandgrundierung eine neue Ebene hinter ihren Bildern.
Die Zeit ist kein Nacheinander von Bildern, wie es sich der Film wünscht, sondern in jedem Bild ist die gesamte Zeit gebündelt. Das Fertige ist der Prozess und macht ihn sichtbar. Den Betrachter von Shahbazis Kunst trifft eine solche Bewegung im Stillstand. Sie zeigt Früchte, Blumen, Tiere, Schädel oder Perlenketten als Stilleben, denen tatsächlich jede Bewegung genommen wurde und gerade so scheint etwas hervor, das sich jeder bedeutungsvollen Beschreibung entzieht - Dauer.
In ihrer 4. Einzelausstellung in der Galerie Bob van Orsouw geht Shirana Shahbazi den Weg in Richtung Abstraktion weiter, ohne sich der Zweidimensionalität zu nähern. Wie bei allen Arbeiten ist die analoge Fotografie ihr künstlerisches Medium, das am Ende des Produktionsprozesses steht. Ihre Darstellungen besitzen eine genuine Topographie, die als Abbildung realer Körper entsteht. Zwei schwarze Kugeln liegen auf einer schwarzen Fläche und nur ein Lichtschimmer lässt sie erscheinen und sich erheben. Sie arrangiert einfarbige Polyeder und Flächen, so dass sie nicht als Täuschung, sondern als Spiel der Perspektive wahrgenommen werden. Trotz oder gerade aufgrund der scharfen Konturen in ihren Bildern lässt sich erahnen, dass es kein Nebeneinander gibt, sondern nur ein Zusammenwirken, mag der Übergang noch so sehr nach einer Grenze aussehen.
Scheint das Abstrakte oft als das Anti-Subjektive, also als Unpersönliches, verdichtet Shirana Shahbazi das Subjektive maximal bis kurz vor seinem Verschwinden und erzielt damit ein ausserordentliches Mass an Persönlichkeit.
Der französische Philosoph und Nobelpreisträger Henri Bergson war auf der Suche nach einer Entsprechung von Materialität und Leben in der menschlichen Existenz, die auch in Shirana Shahbazis Kunst sichtbar wird - das Verhältnis von Intellekt (Materialität, Abstraktion, Geometrie) und Instinkt (Leben): „Es gibt Dinge, die einzig der Intellekt zu suchen vermag, die er jedoch aus sich selbst niemals finden wird. Diese Dinge finden könnte nur der Instinkt; er aber wird sie niemals suchen.“ Bergson nennt die lebendige Synthese aus Intellekt und Instinkt Intuition. Die Bilder von Shirana Shahbazi zeigen eine Suche dieser Art.
Shirana Shahbazi wurde 1974 in Teheran/Iran geboren. Im Alter von 11 Jahren zog sie nach Deutschland. Sie studierte Fotografie in Dortmund und anschliessend in Zürich, wo sie auch heute lebt und sich ihr Studio befindet. Für ihre Arbeiten wurden ihr renommierte Kunstpreise verliehen, wie der »Citigroup Private Bank Photography Prize«(2002). Sie war Teil der 50. Kunstbiennale von Venedig (2003) und stellte in namhaften Museen aus, darunter: Museum of Modern Art, New York (2012/2013), Fotomuseum Winterthur (2011), New Museum, New York (2011), The Hammer Museum, UCLA, Los Angeles (2008), Museum Boijmans van Beuningen, Rotterdam (2008), Barbican Art Gallery, London (2007), Centre d’Art Contemporain, Genf (2005), Museum of Contemporary Photography, Chicago (2003).

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