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Galerie Bob van Orsouw & Partner


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Di-Fr 12.00-18.00 Uhr
Sa 11.00-17.00 Uhr
u.n.V.

vertretene Künstler

Markus Muntean
Adi Rosenblum

Muntean / Rosenblum: Let it come down

06.04.2013 - 25.05.2013

Im dritten Akt von Shakespeares Macbeth steuert das Stück auf einen dramatischen Wendepunkt zu, der durch den Verweis auf die unerbittliche Macht natürlicher Prozesse eingeleitet wird. Auf Banquos Feststellung: “it will be rain to-night” entgegnet sein Mörder mit den apodiktischen Worten: “let it come down” bevor er zur Tat schreitet. Die atmosphärische Spannung der Ruhe vor dem Sturm entlädt sich damit in einem Akt, der in seiner kalten und unabwendbaren Objektivität als kristalliner Kern des Tragischen gelesen werden kann. Die gegenwärtige Konjunktur postapokalyptischer Szenarien in Film und Medien deutet auf eine gesteigerte Faszination gegenüber der Tragik des Zusammenbrechens natürlicher und sozialer Systeme hin, die in gewisser Weise auch als eine Einladung solcher alle Regeln verändernder und damit auch potentiell befreiender, Ereignisse interpretiert werden kann. Fast scheint es als würden viele einen Sturm der die bleierne Sicherheit gegenwärtiger sozialer, politischer und ökonomischer Kontrollsysteme mit sich fortspült begrüssen. Dies vielleicht auch deshalb weil man damit Zeuge eines quasi-transzendentalen Ereignisses würde, welches die permanente Anspannung individueller Kontrolle und Eigenverantwortung auflösen könnte.
In Muntean/Rosenblums, eigens für die Galerie Bob van Orsouw konzipierter Präsentation könnte solch ein Ereignis schon stattgefunden haben. In einem neuen grossformatigen Gemälde wird der Betrachter mit einer post-industriellen Ruine konfrontiert, in deren Umgebung sich jugendliche Protagonisten in der Ruhe nach dem Sturm aufhalten. Dabei wenden sich Muntean/Rosenblum, in Referenz zu Caspar David Friedrich’s emblematischem Werk “Eismeer/Das Ende der Hoffnung”, gezielt den Ausdrucksmöglichkeiten der Landschaftsmalerei zu. Analog zu ihrem Interesse an Formen des Pathos in der Darstellung menschlicher Körper wird hier die Landschaft selbst zum Träger einer emotionalen Botschaft von grosser Dringlichkeit. Ein spezifisch für den Ausstellungsraum erarbeitetes skulpturales Tableaux präsentiert die Überreste einer abgerissenen oder auch eingestürzten baulichen Struktur. In diesem Sinne oszilliert die Szene zwischen dem Verweis auf die Zerstörung des Alten und der Schaffung von Raum für Zukünftiges. Durch ihre neutrale Farbgebung und die räumliche Positionierung tritt diese Art der Ruine als Modell und Bühne für eine von Muntean/Rosenblum inszenierte performative Intervention in Erscheinung. Let it come down inszeniert damit, als eine Art gegenwärtiges Memento Mori, auf äusserst präzise Weise, die vielschichtigen Versuche der Subjekte, ihre Existenz im Schatten des Wissens um ihre eigene Insignifikanz zu verwalten.
Markus Muntean (geboren 1962 in Graz, Österreich) und Adi Rosenblum (geboren 1962 in Haifa, Israel) arbeiten seit 1992 zusammen und leben und arbeiten in Wien. Wichtige Einzelausstellungen in den letzten Jahren waren u.a. The Management of Insignificance, CAC Màlaga, Spanien; Between what was and what might be, Essl Museum Klosterneuburg, Österreich; MUSAC, Museo de Arte Contemporáneo de Castilla y León, Spanien; Tate Britain, Art Now, London, Grossbritanien; Australian Centre for Contemporary Art, Melbourne, Australien; Kunsthaus Bregenz, Österreich.

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