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Galerie Bob van Orsouw & Partner


Limmatstrasse 270
8005 Zürich
Tel.: 044 273 11 00
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Öffnungszeiten:

Di-Fr 12.00-18.00 Uhr
Sa 11.00-17.00 Uhr
u.n.V.

vertretene Künstler

Klaas Kloosterboer

Klaas Klossterboer: Blue Suit

18.01.2014 - 15.03.2014

Im Neuen Jahr präsentiert die Galerie Bob van Orsouw die erste Schweizer Einzelausstellung des holländischen Künstlers Klaas Kloosterboer und freut sich, seine Arbeit mit einem Text des Kurators Moritz Küng, welcher den Künstler seit Jahr beobachtet, vorzustellen.
Der zeitliche Abstand ist wohl die adäquateste Form zur Beurteilung eines künstlerischen Werkes. Der Rückblick ermöglicht einem nicht nur eine Revision – positiv oder negativ – sondern im besten Falle auch eine Wieder- oder Neuentdeckung. Vor mehr als zwanzig Jahren lernte ich während meines Studiums in Amsterdam die Arbeiten von Klaas Kloosterboer kennen. Ich war damals entrückt von seinen nonchalanten und gleichzeitig äußerst präzisen, oft monumentalen und skulpturalen, ja selbst in den Raum expandierenden malerischen Arbeiten. Kloosterboer praktizierte eine Form von Malerei welche über das Darstellende und Repräsentierende, das Narrative und Illusionistische hinausreichte ohne in ihrem Ansatz wirklich „abstrakt“ oder „konzeptuell“ zu sein. Seine Bilder bewirkten vor allem eine Vergegenwärtigung von Material: Rahmen, Leinwand, Farbe… und folglich: Licht, Fläche, Raum. Nicht eine ausgewogene Ästhetik oder finale Komposition waren Ziel seines Handelns, sondern das Sichtbarmachen von malerischen Prämissen (z.B. mit der von ihm oft verwendeten Farbe Braun, die durch Mischung einer grossen Anzahl Farben, die „farbigste Farbe“ ergab) und mehr oder weniger subtilen Gesten (wie trocken lasierte Leinwände die mit Ölfarben beworfen, mit Lackfarben bespritzt, gefaltet, perforiert, grob vernäht oder zerschnitten wurden). So betrachtet thematisierten die Arbeiten Kloosterboers vor allem die Entscheidungen welche dem eigentlich Malerischen vorausgingen. Nicht das Handeln an sich sondern was es bewirkte, auslöste oder provozierte, markierten in jenen Jahren seine künstlerische Position.
„Ich würde am liebsten ein Bild wie eine weiß lasierte Fensterscheibe malen weil dies ohne jegliche Ambition geschieht. Die Farbe auf dem Glas blockiert den Ein-oder Ausblick, während Farbe auf einer Leinwand ein Bild erzeugt. Ich möchte den Gegensatz zwischen Kunst und Selbstverständnis aufheben, oder besser gesagt, ich strebe danach so gut zu malen wie ein Malermeister.“*
Dieses oft publizierte Zitat des Künstlers zeigt, wie sehr sein Ausgangspunkt – auch heute noch – in der abstrakten, oder besser gesagt „konkreten“ Kunst verankert ist, aber mittlerweile mit dem Bewusstsein, dass deren Tradition mit ihren Einflüssen und Auswirkungen in der Mode, der Reklame, den Medien und dem Design nicht ohne weiteres erzwungen werden kann. Das Verschwinden dieser Tradition im Alltäglichen und ihr Eintauchen in die Banalität hat die Malerei befreit vom „utopischen“ Malevich, „authentischen“ Pollock oder „wahrhaftigen“ Mondriaan (Frank Rijnders). So reicht die künstlerische Entwicklung Kloosterboers mittlerweile von einer anfänglich malträtierten Figuration zu einer aktuell burlesken Modernität – wie dies der Holländische Kunstkritiker Mark Kremer treffend bemerkte – wo es dem Künstler nicht mehr um ein einzelnes, rauh zusammenmontiertes Bild als „Szene“, sondern um ein erweitertes, ja aus den Fugen geratenes „Szenenbild“ geht. So bespielen überdimensionierte und voluminöse „Anzüge“, „Klüngel“ oder Lackfetzen einen Raum der mit dem Betrachter zur Bühne wird.
Dieser Übergang zur grobkomischen Theatralik zeigt sich anschaulich in der kürzlich erscheinen Publikation At the Studio**. In einer Bildabfolge von 42 Fotos brachte Kloosterboer in seinem (unaufgeräumten) Amsterdamer Atelier alte und neue Arbeiten in wechselnden Konfigurationen und Inszenierungen zusammen. Das Studio ist hier nicht mehr privater Ort sondern öffentliche Bühne, das Kunstwerk nicht Ikone sondern „Prop“ und Teil eines fortlaufenden Theaterstückes. Komik und Tragik des Malens – und des Malers – stehen hier eng bei einander. In dieser Hinsicht könnte die Arbeit Blue Suit aus dem Jahre 2007, welche der Ausstellung in der Galerie Bob van Orsouw ihren Titel gibt, als Sinnbild der aktuellen Bankenkrise zu lesen sein: ein aufgeblasener, formloser blauer „Riese“ baumelt hilflos und unstabil an einem Kabel das mit einer schief stehenden Drehscheibe verbunden ist: ausser Kontrolle geraten. Die Arbeiten von Klaas Kloosterboer – seine inszenierte und performative Malerei, seine Kurzfilme und unscharfen Fotografien – haben offenbar in all den Jahren nichts an Aktualität eingebüsst. Kloosterboer, ganz Prakmatiker, würde dem aber vermutlich eine seiner Einsichten – oder wie er sagt „Gesetze“ – entgegensetzen: „Zijn en doen vallen niet samen“ (Das Sein und das Tun stimmen nicht überein).

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