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Camera Work Photogalerie

Galerie Camera Work Berlin Ausstellungen Künstler
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vertretene Künstler

Jimmy Nelson

Jimmy Nelson: Before They Pass Away

08.03.2014 - 19.04.2014

CAMERA WORK und die CWC GALLERY freuen sich, ab dem 8. März 2014 die international mit Spannung erwartete Ausstellung »Before They Pass Away« von Jimmy Nelson zu präsentieren. Die weltweit erstmalig gezeigte Ausstellung gibt mit über 80 Werken einen Einblick in die epochale Serie »Before They Pass Away«, die zur Würdigung des Künstlers und aufgrund des Umfangs des Schaffenswerkes zeitgleich in den Galerien CAMERA WORK und CWC GALLERY gezeigt wird. Noch nie zuvor wurde diese Ehre einem Künstler bei CAMERA WORK zuteil.
»Einzigartig« umschreibt die von Jimmy Nelson Porträtierten in vielerlei Hinsicht am treffendsten: Derart unvergleichbar faszinierend sind die rot, gelb und weiß geschminkten Huli Wigmen aus Papua-Neuguinea, so exotisch ist der Karo-Stamm aus Äthiopien und so ergreifend das Himba-Volk in Namibia. Stammesvertreter der letzten indigenen Völker auf der Erde sind die Protagonisten der Photographien des Künstlers Jimmy Nelson. Die Arbeiten gehen weit darüber hinaus, die vage Vorstellung der Öffentlichkeit über deren Existenz mit einem nüchternen visuellen Beleg zu bedienen. Jimmy Nelson schafft mit seiner epochalen Serie ein Bewusstsein für die faszinierende Vielfalt der kultur-, und geschichtsträchtigen Symbole dieser Völker, die Zeugenschaft über deren Riten, Bräuche und Traditionen abliefern. Seine Reisen führten Nelson unter anderem nach Äthiopien, Tansania und Kenia, nach China und Nepal oder auch nach Sibirien und durch die Mongolei. Der kulturelle Reichtum der indigenen Bevölkerung dieser Länder differenziert sich bei jedem einzelnen Stamm auf jeweils eigene Weise neu und andersartig aus. Über die prunkvollen Pelzgewänder der Kasachen aus der Mongolei, die farbenprächtigen Tücher der Massai in Tansania, den Perlen- und Federschmuck der Einwohner Gorokas in Papua-Neuguinea, die tätowierte oder kunstvoll bemalte, aber auch die ungeniert bloß gezeigte nackte Haut der Kara in Äthiopien wird der Betrachter im Exotisch-Unvertrauten mit dem genuin Anderen konfrontiert. Eine mitunter gar mystische Atmosphäre wird evoziert. Der positiven Irritation über die real existente Mannigfaltigkeit der kulturellen Hervorbringungen der Erdbevölkerung wohnt zugleich ein mahnender Appell zu deren Schutz und Bewahrung inne. Neben der Befremdung wird eine Brücke geschlagen über den all diese kulturellen Artefakte einenden Ausdruck des Bemühens um Schönheit, der sich auf der Ebene der Bildkomposition und -ästhetik wiederholt und so schließlich auch den Betrachter über die ästhetische Empfindung integriert.
Jimmy Nelson ist kein Wissenschaftler, vielmehr erzählt er Geschichten und lässt dem Rezipienten Raum für Fragen, anstelle diese vorab beantworten zu wollen. Dies gelingt ihm dank eines auf der ethnologischen Ebene bisher einzigartigen stilistischen Ansatzes. Die in der Ausstellung über 80 – teilweise großformatigen – Arbeiten entziehen sich einer klaren Kategorisierung: Sie oszillieren zwischen visuellem Authentizitätsbeleg und Ausdruck eines gemäß Leitmotiven von Schönheit, Stolz und Würde verpflichteten Kompositionskalküls. Stolz und Würde strahlen auch die Blicke der Stammesvertreter in den Porträts aus, die kraftvoll genug sind, auch vor häufig ganz ausgeblendetem Hintergrund über sich selbst hinaus zu weisen, eben jene Geschichten zu erzählen, die Jimmy Nelson auf seinen Reisen gefunden hat. Aus dem direkten Blick eines der Dassanetch-Mädchen in die Kamera spricht ein geradezu herausforderndes Selbstbewusstsein, das sich auch aus der Gewissheit der Einbettung in den Stammeszusammenhalt zu speisen scheint, wie die Vertrautheit und Schutz suggerierenden Gesten zwischen den drei Mädchen nahelegen. Gleichermaßen schwingt im in die Ferne schweifenden Blick der beiden anderen eine Schwermut aber auch Grazie über den Moment des Photographiertwerdens mit. Sanftheit und Stärke zugleich sprechen wiederum aus den Augen des Maori-Mädchens, das ein reich mit Federn bestücktes Gewand trägt.
Die Photographien verführen geradezu, indem sich darin über den Schmuck und die Bemalungen ihrer Protagonisten eine Welt an unbekannten Zeichen eröffnet, deren Referenzwerte sich dem Betrachter entziehen. Zugleich finden sich etwa in der Weise der Positionierung der Stammesvertreter vor episch anmutenden Landschaften Ikonografien, die dem Fundus des Rezeptionshorizonts der globalisierten Welt entlehnt sind. Von Berggipfeln und Anhöhen übersehen die Protagonisten ihr Territorium, mit dem sie zugleich in harmonischer Einheit verbunden zu sein scheinen, wie damit auch ein eindeutiger besitzmarkierender Gestus einhergeht. Pfeil und Bogen, wie sie die beiden Männer auf Vanuatu bei sich tragen, oder die Positionierung mit in die Erde gerammten Speerenden der drei hinterrücks photographierten Männer des Samburu-Stammes, unterstreichen diesen Gestus zusätzlich. In den Werken überlagern sich also verschiedene Betrachtungsebenen. Die Authentizität ihres Inhalts wirft den Betrachter zugleich darauf zurück, innerhalb welchen Rahmens er diese attestieren kann.
Der Körper ist für die Protagonisten Schmuck gleich dem, mit dem er versehen ist. Dieses Spiel mit Zeichen, das Nelson in seiner Bildsprache wiederholt, schreibt den Arbeiten eine Doppelbödigkeit ein, ist letztlich auch ein Spiel mit dem Schein. Diesen zu hinterfragen ist eine der zentralen Botschaften, die Nelson für sich auf seinen Reisen mitgenommen hat.
1967 in Kent geboren, ist Jimmy Nelson seit 1987 als Photograph tätig. Bereits nach seinem Schulabschluss durchquerte er zu Fuß auf einer einjährigen Reise Tibet und ermöglichte mit seinem photographischen Tagebuch der Öffentlichkeit Einblicke in ein bisher unzugängliches Land. Einer Vielzahl an aktuellen kulturellen Themen, mit deren photographischer Dokumentation er betraut war, schloss 1994 das 30-monatige Projekt »Literary Portraits of China« an. Die Werke wurden nach Abschluss zunächst im Palast der Republik auf dem Tiananmenplatz präsentiert und begründeten eine weltweite Ausstellungstour. Neben seiner erfolgreichen Tätigkeit als professioneller Werbephotograph, vertiefte Nelson diesen ethnologischen Ansatz seiner künstlerischen Arbeit. Das einzigartige visuelle Resultat seiner Arbeit mit einer über 50 Jahre alten Plattenkamera von 13 Reisen in über 40 Ländern mündete durch die überwältigende internationale Resonanz schließlich in seiner monumentalen Serie »Before They Pass Away«. Den letzten indigenen Völker setzt er damit ein stilistisch einmaliges Denk-, der Öffentlichkeit ein Mahnmal derer gefährdeten Existenz. Jimmy Nelsons Enthusiasmus, mit dem er seine Arbeit verfolgt, speist sich nicht aus einer rein dokumentarischen Intention. Er versteht sich nicht als Wissenschaftler, der sich um Fakten bemüht. Er ist Romantiker, Idealist, Ästhet: Erst aus dem Zusammenspiel all dieser Blickwinkel entsteht das in seiner Ikonografie und Stilistik faszinierende Werk. »Before They Pass Away« wurde 2013 in ein imposantes und gleichnamiges Photobuch (teNeues) gefasst, welches mit dem Goldenen Deutschen Fotobuchpreis 2014 ausgezeichnet wurde.
Jimmy Nelson wird exklusiv von CAMERA WORK in Deutschland vertreten. Seine in kleinen Editionen verfügbaren Photoarbeiten sind bei CAMERA WORK ab 2014 verfügbar.

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