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Achtzig-Galerie für zeitgenössische Kunst

Achtzig-Galerie für zeitgenössische Kunst Berlin Ausstellungen
Achtzig-Galerie für zeitgenössische Kunst Berlin Ausstellungen

Hagenauer Str. 7
10435 Berlin
Tel.: 0178 44 82 997
Homepage

Öffnungszeiten:

Do-Sa 15.00-20.00 Uhr

Lebenszeichen - Contemporary Fine Arts

10.06.2011 - 09.07.2011
Die Achtzig-Galerie für Zeitgenössische Kunst, angesiedelt im Herzen der pulsierenden Kunstmetropole Berlin, verwöhnt das Berliner Sommerpublikum und die Besucher der Hauptstadt mit einer außergewöhnlichen Doppelausstellung. Das Bestreben dieser erfrischend jungen Berliner Galerie besteht in der Hinwendung zur Gegenwartskunst und der Förderung junger Künstler. In der Doppelausstellung des Monats Mai Lebenszeichen-Contemporary Fine Arts werden die Positionen des Berliner/Potsdamer Malers und Grafikers Mathias Melchert sowie des Schweizer Bildhauers Florian Froehlich ausgestellt. Der Titel der Ausstellung Lebenszeichen nimmt direkten Bezug auf einen Werkzyklus Mathias Melcherts. In seinen Werken finden sich meist Lebewesen, auch wenn diese oft nur fragmentarisch in Erscheinung treten oder in organischen Assoziationen zerfließen, so zum Beispiel in der Struktur einer Zelle. Die bildnerische Sprache dieses Künstlers ist verknappt; die Figuren werden auf Zeichen reduziert, aber ohne, dass der Künstler auf die typischen Wesensmerkmale der dargestellten Wesen verzichten würde. Gleichzeitig spricht aus dieser Titelwahl eine starke Bejahung des Lebens, des Daseins in und durch die Kunst, denn im Prozess der künstlerischen Arbeit bestätigt der Künstler auch seine eigene Existenz! Das Titelbild der Ausstellung "Vogel auf Fisch" (0,8 x 1m, Acryl auf Leinwand, 2010) zeigt einen Vogel und einen Fisch vor einer nur angedeuteten Landschaft. Die Aufteilung des Bildes ist schlicht und weitgehend flächig gestaltet, so dass das Hauptaugenmerk des Betrachters automatisch auf den beiden Protagonisten liegt. Der Vogel steht auf dem Fisch; doch ist aus dieser künstlerischen Momentaufnahme nicht zu ergründen, ob der Vogel den Fisch gefangen oder einfach gefunden hat. Auch die Absicht des Vogels enthüllt sich dem Betrachter nicht: Das Bild zeigt beide Tiere in einem Moment der Inaktivität und Starre: Wird der Vogel den Fisch fressen? Diese Reglosigkeit wird durch den bewegt-blauen Hintergrund und die, wenn auch sparsam eingebrachten, leuchtend-farbigen Partien aufgebrochen. Diese Spannung von Stillstand und Bewegung lädt den Betrachter dazu ein, an der Geschichte dieser beiden Lebewesen teilzunehmen und sie in seiner Fantasie fortzuführen. Während der Fisch fasst menschliche Züge trägt, sein Körper ist realistisch proportioniert und er besitzt ein Gesicht, ist der Vogel extrem filigran gezeichnet. Im Vergleich zu seinen überlangen Beinen wirken der Kopf, der Körper und auch die anliegenden Flügel winzig. Insgesamt ähnelt er so mehr einer grotesken Maschinerie: Der Künstler verfremdet die Realität und transponiert die Idee des Vogels mit all ihren Assoziationen (Freiheit, Leichtigkeit etc.) in die ureigene künstlerische Position. Dies gilt für alle Vogelfiguren Mathias Melcherts. Der Zyklus "Lebenszeichen", bestehend aus sechs Bildwelten (je 40 x 40 cm, Acryl auf Leinwand, 2010-2011), präsentiert dem Betrachter organische Strukturen, deren wahre Identität nur zu erahnen ist: Sie erinnern an Menschen oder auch Insekten und erscheinen oft auch als Symbiose verschiedener Lebensformen. Wie bereits die Vogelfiguren Melcherts bewegen sich auch die hier gezeigten Lebensformen immer in dem Spannungsfeld zwischen gegenständlicher und nicht-gegenständlicher Malerei. Auch hier kommt der filigranen Linienführung eine zentrale Funktion zu. Der meist schlichte und flächig gehaltene Hintergrund wird durch die Linie aufgebrochen und belebt. Auch hier begegnet der Betrachter oft grotesk-verfremdeten Organismen: Die Köpfe und Körper wirken an der Länge der Extremitäten gemessen überaus winzig und oft verdichten sich die Körper zu einer amorphen Masse, gehen ineinander über und bilden so ein neues organisches Ganzes, in dem die Grenzen des vormals Einzelnen verschwimmen. So entstehen Allegorien des Lebens - Lebenszeichen, die der Betrachter zu lesen hat. Auch die Skulpturen Florian Froehlichs kreisen um das Thema Leben und präsentieren dem Betrachter Lebenszeichen - Chiffren der menschlichen Existenz, die der Betrachter zu enträtseln hat. Seine Werke beziehen ihre hohe Ausdruckskraft aus dem Spannungsfeld von Individuum und Gruppe: Wer bin ich? Wer sind die anderen? Und was ist der Mensch als Teil einer Gruppe? Als Bildhauer zelebriert Florian Froehlich in seinen Werken den Übergang von der zweiten in die dritte Dimension: Seine Werke spielen mit der tastbaren Materie, die mit wechselndem Lichteinfall in Bewegung zu geraten scheint. Gleichzeitig bestechen die Werke dieses außergewöhnlichen Künstlers auch durch die Vermischung verschiedener künstlerischer Techniken, so gehen zum Beispiel Leinwände und Skulpturen unter seinen Händen eine überaus fruchtbare Symbiose ein. Inhaltlich dominiert die Frage nach dem Verhältnis und dem Zusammenspiel von Individuum und Masse die Position Florian Froehlichs. Seine Skulptur "Der Mann mit großem Mantel" (Skulptur 2010, Holzsockel weiß; mit Sockel 24 x 8 x 10cm) zeigt die eine Seite der menschlichen Existenz: Der Mensch erscheint hier als Einzelwesen, als schwarzer, klar abgegrenzter, Körper auf einem riesig wirkenden weißen Sockel. Die ungleiche Proportion von Sockel und Figur erzeugt den Eindruck einer alles beherrschenden Einsamkeit. Gleichzeitig hilft der große Mantel, der den Körper des Mannes in gewissem Sinne fortführt und ein Teil von ihm ist, der Figur dabei, sich gegen die Unendlichkeit des Raums zu stemmen und ihre eigene Existenz zu behaupten. Die Figur sendet deutliche Lebenszeichen aus: Hier bin ich, winzig vor dem Hintergrund des außermenschlichen Daseins, aber auch selbstbestimmt und frei. In anderen Skulpturen Florian Froehlichs dominiert wiederum die Inszenierung der menschlichen Existenz als soziales Gefüge, als Masse. Diese Masse scheint in einer fortwährenden Bewegung gefangen zu sein. Der Einzelne ist hier nicht mehr klar auszumachen, sondern muss seine Selbstbestimmung, die für den Mann mit dem großen Mantel noch möglich scheint, im Angesicht einer alles beherrschenden Gruppendynamik aufgeben, so zum Beispiel in den Werken "Gruppe 1" (Skulptur 2011, Sockel weiß; mit Sockel 20 x 9 x 8cm) und "Gruppe 2" (Skulptur 2011; Sockel weiß, 13 x 10 x 9cm). Die Menschen erscheinen hier als eine amorphe Masse, die Individualität unmöglich macht. Was den Betrachter gefangen nimmt, ist die starke Bewegtheit dieser Masse Mensch: Auf dem weißen Sockel erscheint die ganz in Schwarz gehaltene Gruppe, die Masse Mensch, als taumelnde, fließende Menge. Sie wird nie zur Ruhe kommen und es gibt keine Richtung, in die sie steuert. Jeden Augenblick droht diese Ansammlung von Körpern von ihrem Sockel in den unendlichen Raum, in einen alles verschlingenden Abgrund zu stürzen. Dies ist die andere Position, die Florian Froehlich im Hinblick auf die Natur der menschlichen Existenz mit seinen Werken besetzt. Es ist ein Ungleichgewicht des Seins, das hier zur Anschauung gelangt; menschliche Existenz gesehen als ein fragiles Sein, das nicht selbst steuert, nicht selbst Lebenszeichen sendet, sondern getrieben wird.

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