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Theater Ingolstadt

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The 12 Tenors (Foto: Susannah von Vergau)
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Schloßlände 1
85049 Ingolstadt
Tel.: 0841 17801
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Spielplan

Antigone

Sophokles
22.02.2019
Großes Haus
Inhalt
Es herrschen Recht und Gesetz in Theben. Zumindest ist das die Ansicht des neuen Machthabers Kreon. Ein Gesetz mag geltendes Recht sein – ob es gerecht ist, ist eine andere Frage. Diese stellt sich die junge Antigone beim Tod ihres geliebten Bruders Polyneikes. Nach dem tödlichen Kampf mit seinem Bruder Eteokles um den Thron gilt er in Theben als Landesverräter. Um ein Exempel zu statuieren, verbietet König Kreon, Polyneikes zu beerdigen.
Antigone jedoch entscheidet sich, das Gesetz zu brechen – mit schwerwiegenden Folgen. Sie bestattet ihren Bruder, wofür sie von Kreon zum Tode verurteilt wird. Noch bevor das Urteil vollstreckt werden kann, nimmt sich Antigone das Leben. Ihr Tod versetzt Theben in Aufruhr und wird nicht der einzige Suizid bleiben... Am Ende steht der Herrscher vor den Trümmern seiner Macht und seiner Existenz.
Auch nach über zwei Jahrtausenden sind die griechischen Tragödien in ihrem Kern brandaktuell. Sie stellen auf radikale Weise Fragen, die uns heute mehr denn je bewegen. Wo beginnt und endet die individuelle Freiheit? Was ist Gerechtigkeit, was Menschlichkeit? Wann ist es legitim, sich gegen geltende Gesetze aufzulehnen und sie zu brechen? Was darf der Staat? Für Sophokles gab es hier eindeutige Antworten, denn das göttliche Recht stand in der Antike unmissverständlich über dem menschlichen Gesetz. Doch wie lauten unsere Antworten heute?
Regisseurin Kathrin Mädler sieht Antigone in einem sehr aktuellen Licht: »Antigone ist eine frühe Feministin, eine politische Kämpferin für etwas, das sie als Gerechtigkeit empfindet. Sie widerspricht dem weiblichen Rollenbild und tut es auch wieder nicht. Aus der typisch weiblichen Geste des Kümmerns – ,Ich muss meinen Bruder begraben‘ – wird ein politischer Akt. Und plötzlich steht diese Frau auf der Bühne der Politik, tritt der (männlichen) Macht entgegen und bezieht laut und deutlich Position – vielleicht sogar zu ihrer eigenen Überraschung. Sie betritt die öffentliche Sphäre, den männlichen Raum und ist – ganz unweiblich – bereit, sich unbeliebt zu machen. Und schließlich sogar für ihre Sache zu sterben. Vielleicht ist sie ja wirklich eine Fundamentalistin, eine Terroristin. Auf jeden Fall eine ungewöhnliche, mutige, absolut radikale Frau.«

Dr. Kathrin Mädler (*1976) studierte Dramaturgie, Theater- und Literaturwissenschaft an der LudwigMaximilians-Universität München und der Bayerischen Theaterakademie August Everding sowie an mehreren amerikanischen Universitäten, wo sie in Gender Studies promovierte. Sie war leitende Schauspieldramaturgin am Theater Münster. Seit 2016 ist sie Intendantin am Landestheater Schwaben in Memmingen.

Sophokles (497/496–406/405 v. Chr.) bildet mit Aischylos und Euripides das große Dichter-Dreigestirn der griechischen Klassik. Seine Tragödien, insbesondere »König Ödipus« und »Antigone«, werden bis heute weltweit aufgeführt.

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