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Im Kopf von Bruno Schulz

Maxim Biller
Depot 2

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Inhalt


Zögerlich, aber entschlossen setzt sich eines schönen Novembertages der Kunstlehrer Bruno Schulz an den Schreibtisch im Keller seines Hauses, um einen Brief an Thomas Mann aufzusetzen. Dieser, so meint Schulz, muss über die sonderbaren Begebenheiten, die sich in der polnischen Stadt Drohobycz abspielen, in Kenntnis gesetzt werden. Dort hält sich seit einiger Zeit ein Doppelgänger Manns auf, ein Lügner und Sadist, der die jüdischen Bewohner des Ortes in Kutschen einspannt, um sich von ihnen durch die Stadt ziehen zu lassen, sie im umgebauten Badezimmer des Direktors, das er mit langen Reihen von Duschen ausstatten ließ, in einer Mischung aus Gewalt und Erotik auspeitscht und der sich später als Agent der geheimen Staatspolizei herausstellt. Bruno Schulz sieht sich in der Pflicht, Thomas Mann diese Sachverhalte zu schildern und ihm bei der Gelegenheit seine erste auf Deutsch verfasste Novelle mitzuschicken, die ihn, findet sie Gefallen bei dem berühmten Nobelpreisträger, aus der Enge des Provinznestes hinaus, der »Sehnsucht nach ewigen, hellen Nächten« folgend, in die Freiheit großstädtischen Lebens befördern könnte. Vielleicht verschwindet dort auch die Angst, »ein großer, warmer, grauer Klumpen«, der sich bevorzugt in seinem Bauch festsetzt und Schulz begleitet – in die Stadt, zum Essen, ins Gymnasium, in seine Wohnung. Was ist diese Angst? Was nährt sie? Die Tatsache, dass er als Zeichenlehrer unterrichten muss, anstatt zu schreiben? Dass seine Schüler als Tauben durch seine Wohnung fliegen und mit ihren Schnäbeln an seine Fenster klopfen? Ist es die sadistisch-liebevolle Beziehung zu der Philosophie- und Sportlehrerin Helena Jakubowicz, die ihn auf ähnliche Art misshandelt, wie früher sein Kindermädchen und ihm dadurch das »beruhigende Wissen verschafft, dass die Kindheit, blütenweiß und blutrot, zum Glück nie vergeht«? Ist es seine psychotisch-wahnhafte Schwester, die hofft, dass, wenn ihr Haus brennt, von ihr, ihren Kindern und ihrem toten Mann mehr übrig bleibt als ein bisschen Asche? Oder nährt sich die Angst von der Vorahnung, die Bruno Schulz, selbst jüdischer Herkunft, 1938 - ein Jahr vor Ausbruch des Krieges - befällt?

In seinem Kopf brauen sich apokalyptische, alptraumhafte Bilder zusammen, die eine Vorschau auf das geben, was im besetzten Polen wenig später tatsächlich passieren wird: »Die Tauben im Himmel über Drohobycz flogen eine nach der anderen in den roten Feuerschein hinein, wo sie wie Zunder verbrannten.«


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