Schauspiel Leipzig, Foto: Rolf Arnold
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Schauspiel Leipzig

Foto: Rolf Arnold
Foto: Rolf Arnold

Bosestr. 1
04109 Leipzig
Tel.: 0341 1268 168
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Spielplan

atlas

Thomas Köck
27.01.2019
20:00 Uhr
Diskothek
Inhalt
Ein Flughafen, klassischer Nicht-Ort der Spätmoderne. Immer noch. Riesige Wartehallen mit billigen Möbeln, dazwischen stilechte Irish Pubs, Raucherbereiche, tote Gänge, dazwischen Passagiere, Reisende, Handelsvertreter, Musiker, Journalistinnen, Kaffeeverkäufer, McDonald’s, Soldaten, Duty Free Stores, Sicherheitskräfte, Gepäckträger, Flugbegleiter, Stewardessen, Pilotinnen … Vorüberziehen einer Welt in Bewegung — und irgendwo dazwischen fangen ein paar der Vorüberziehenden an, miteinander zu sprechen, von verpassten Anschlussflügen wird erzählt, von Vulkanausbrüchen, von Streiks und wetterbedingten Irrflügen, oder von Flügen nach ganz woanders hin.

Und eine erzählt davon, wie sie schwanger wurde, damals, als Vertragsarbeiterin, als die sie in die DDR geholt wurde, mit dem großen Versprechen von Austausch und Bildung und Bruderland, aber eigentlich nichts davon mitbekommen hat, exakt festgelegt war ihr Leben, fünf Quadratmeter pro Person, die Entfernung zum Betrieb nicht länger als 40 Minuten, bis sie allerdings schwanger wurde, von einem der deutschen Kollegen, was ja gar nicht erlaubt war.
Und ein anderer, dessen Vater als Madgerman aus dem Bürgerkriegsland Mosambik in die DDR geflogen wurde, der erzählt vom künstlichen Menschen, dem Fragen nach Heimat egal sein werden, der ihn vorstellt, den künstlichen Menschen in naher Zukunft, wo nicht nur Heimat und Identität vollkommen flüssige Begriffe geworden sein werden, sondern auch Nationen, und stattdessen Monopole und Marken die neuen Identitätsstifter sein werden.

Thomas Köck setzt in diesem Auftragswerk für das Schauspiel Leipzig bei den Herkunftsländern und Biographien der DDR-VertragsarbeiterInnen und ihren Nachkommen an, um in einem vielstimmigen Panorama die großen Migrationsbewegungen bis ins Heute zu verfolgen und der Frage nachzugehen, wo das vermeintliche Zusammenrücken der Welt, die Globalisierung, das Weltweitwerden, der Austausch zwischen den Kulturen eigentlich anfängt.

Nach dem Leipziger Nachspiel von „paradies fluten (verirrte sinfonie)“ ist „atlas“ das zweite Stück von Thomas Köck, das in der Diskothek zur Aufführung kommt. Thomas Köck wurde für seine Theatertexte bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Mülheimer Dramatikerpreis 2018, dem Kleist-Förderpreis, dem Dramatikerpreis der österreichischen Theaterallianz und dem Stückepreis des Else-Lasker-Schüler-Dramatikerpreises. Seine Stücke werden u. a. am Burgtheater und am Schauspielhaus Wien, am Nationaltheater Mannheim und am Staatstheater Karlsruhe gespielt.

Der Hausregisseur des Schauspiel Leipzig Philipp Preuss inszeniert mit „atlas“ zum ersten Mal in der Diskothek, der Spielstätte für Gegenwartsdramatik.
Besetzung
Regie: Philipp Preuss
Bühne & Kostüme: Ramallah Aubrecht
Dramaturgie: Katja Herlemann

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