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Michaela Helfrich Galerie Berlin

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Thomas Gatzemeier: Himmel & Leib

18.10.2014 - 22.11.2014
 

Keiner Schule und keinem Stil zugehörig sind die Werke Gatzemeiers von einer Doppelnatur geprägt, dem Apollinischen und Dionysischen, dem Eros und Thanatos. Die virtuose Beherrschung der Techniken der Zeichnung und Malerei verdankt er seiner Ausbildung. Er erlernte - das heute ausgestorbene - Handwerk eines Schrift- und Plakatmalers, bevor er an der HGB Leipzig Grafik und Malerei studierte. Damals eine „Akademie des 19ten Jahrhunderts“ mit Fächern wie Anatomie und Perspektive, heute eine unter vielen Akademien Deutschlands. Schon bevor er 1986 aus der DDR ausgebürgert wurde, entledigte er sich der Fesseln des rein Akademischen und öffnete in teilweise eruptiven Malorgien seine klar strukturierten Kompositionen. Jedoch widerstand Gatzemeier dem genialischen Gestus und baute seine Bilder Schicht um Schicht zu einem organischen Farbkörper. Die Figur ging selten verloren und war auch in diesen teilweise abstrakt erscheinenden Malereien immer Ausgangspunkt und Impuls seiner Arbeit. Nach diesem exzessiven Ausflug in die Welt von Körperphantomen und konvulsivischen Farbgebilden wurden seine Bilder klarer und die Zeichnung erobert sich den Raum zurück.
Eduard Beaucamp, der Doyen der deutschen Kunstkritik, schreibt: „Ende der neunziger Jahre klären sich die meist dunklen, brodelnden Farbfelder zu lichten Himmelsräumen auf. Die Figuren schälen sich aus dem doppeldeutigen Untergrund heraus und haben nun ihren Auftritt auf ausgeleuchteten Bildbühnen der Renaissance, des Manierismus und des Barock. Auf die wilden Dionysien folgt ein fast schlackenloser, schattenfreier, apollinischer Klassizismus, der sogar Ingres ins Visier nimmt.“
Gatzemeier beschäftigte sich intensiv mit den Zeichnungen des Manieristen Pontormo und entwickelte an Hand zahlreicher Modellstudien Kompositionen von verschlungenen Leibern, die, zum Teil freischwebend im Raum, ein Gefühl des Losgelöstseins vermitteln. Nicht fallend und nicht aufsteigend. Der Impuls war ein Altarbildauftrag im Jahre 2002. Im hohenlohischen Crailsheim-Onolzheim schuf Gatzemeier ein außergewöhnliches figürliches Altarbild von über 60 qm. An die 70 nackte Leiber erobern sich - im Motiv einer Auferstehung - den Himmelsraum. Erst heftig umstritten ist es heute eines der meistbesuchten zeitgenössischen Kunstwerke im kirchlichen Raum.
2010 erschien der von Thomas Gatzemeier 1983 begonnene Roman „Der Sekretär“. Es folgten ein Band Erzählungen und 2012 der Roman „Morgen wird alles zum guten Ende kommen“ der 2014 auch als Taschenbuchausgabe vom Mitteldeutschen Verlag herausgebracht wurde. Rezensenten heben Realismus und Detailreichtum seiner Schreibweise hervor. Gatzemeier begreift sein Schreiben als Malerei mit anderen Mitteln. Nach der Ausstellung des Projekts „17 Plastiken“ 1994 im damaligen Reichtag Berlin - einer Arbeit in Reaktion auf die rechtsradikalen Morde im Jahr 1992 – ist Gatzemeiers Ausstellung in der Michaela Helfrich Galerie die erste Präsentation seiner Gemälde in der Stadt.
Gatzemeier hat zu seiner Ausstellung den Fotografen Horst Kistner eingeladen, der in Anlehnung an sein Bild „Die Gärtnerin“ Fotografien ausstellt. Die Verbindung zu seiner Arbeit ergibt sich durch eine ähnliche malerische Inspiration und dem Impetus des Melancholischen.
Horst Kistner, 1969 in Würzburg geboren, erlernte den Beruf Fotografen an der 1866 gegründeten Berufsfachschule Lette-Verein in Berlin. Danach arbeitete er 22 Jahre als Food- und Werbefotograf für Verlage wie GU, Bertelsmann und Time Live in London. 2010 beendete er die Karriere als Auftragsfotograf und widmet sich seinen Leidenschaften. Er sammelt Oldtimer und Vintage Möbel. 2013 baut er die erste Installation aus gesammelten Möbeln und fotografiert in ihr ein Modell. Im gleichen Jahr hat er eine erste Ausstellung in Paris. Kistner ist eine Ausnahmeerscheinung der deutschen Fotokunst. Ein Lichtbildner alter Schule. Das hell-dunkel seiner Kompositionen hat einen engen Bezug zur klassischen Malerei. An Caravaggio und Rembrandt schult Hort Kistner sein Auge. Motivisch inspirieren ihn die amerikanischen Filme der 1950er Jahre aber auch Alfred Hitchcock. Unübersehbar ist der Einfluss der Maler des amerikanischen Realismus, insbesondere der des nicht nur durch sein Bild „Nighthawks“ weltberühmt gewordenen Malers Edward Hopper. Seine sinnlichen, oft auch melancholischen Kompositionen sind einzigartige mit Licht gemalte Fotografien.

Öffnungszeiten:
Di-Fr 16.00-20.00 Uhr
Sa 14.00-20.00 Uhr