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Eva Leitolf: Postcards from Europe 10/14

18.10.2014 - 30.11.2014
 

Das von Eva Leitolf im Jahr 2006 begonnene Projekt "Postcards from Europe" versammelt Fotografien und Texte zu unterschiedlichsten Konfliktfällen vor dem Hintergrund globaler Migration. Leitolfs Interesse am Umgang mit Flüchtlingen an den Außengrenzen und innerhalb der Europäischen Union – in Spanien und Marokko, in Süditalien, Ungarn, in den Hafenstädten Dover und Calais sowie in Deutschland und Österreich – gilt dabei Momenten abseits der Berichterstattung, wie wir sie aus den Medien kennen. Zwar bildet die Künstlerin fotografisch jene Orte ab, an denen sich Ausgrenzung, Fremdenfeindlichkeit und Gewalttaten ereignet haben, doch zeigen Eva Leitolfs Fotografien diese Orte menschenleer und teilweise sogar frei von jeglicher Zivilisation. Die damit geradezu "ereignislose" Fotografie begleitet je Bild ein nüchterner Text, der den konkreten Tatbestand schildert. Erst im Zuge des Lesens wird deutlich, weshalb der fotografierte Ort überhaupt bildwürdig wurde.
Eva Leitolfs künstlerisches Verfahren unterwandert damit das seit den Anfängen der Fotografie bekannte Beharren auf die weltumspannende Allgemeinverständlichkeit des Mediums – ohne jegliche Vorbildung. In Frage stehen damit die dem Medium zugeschriebene Objektivität sowie der Glaube daran, die Fotografie gebe auch sicher Informationen wieder, die kein weiteres Wissen über ihren Entstehungszusammenhang benötigt. In Frage gestellt sind damit zudem die gängigen Regeln und Formalisierungen der medialen Berichterstattung zum konkreten und momentan allgegenwärtigen Thema des Schicksals von Flüchtlingen. Leitolf verweigert sich konsequent dem Schock, den Bilder von Gewalt auslösen können, und verfolgt stattdessen eine Fotografie, die den medialen Regeln entkommt. Eva Leitolfs Fotografien erhalten ihre Bedeutung gerade dadurch, dass sie sich einer einfachen Moral, Parteinahme und Verwertung entziehen.
Die begleitenden Texte zu den Fotografien sind Ergebnisse von Eva Leitolfs Recherchen, wobei die Künstlerin auf unterschiedlichste Quellen zugreift: dem Studium von Nachrichten und Polizeiakten, ihren Gesprächen mit Migranten, Opfern, Vertretern von Hilfsorganisationen und Ansässigen vor Ort. Die im Stil sachlich knapper Schilderung formulierten Textprotokolle bedienen, gleich den Fotografien, ebenso wenig den Affekt des Entsetzens angesichts unwürdiger und asozialer Verhältnisse oder unmenschlicher Ereignisse im Kontext von Krieg, Flucht und Asyl. Sie beschreiben vielmehr Verhalten, Strukturen und Verfahren als Ursache und Bedingung des konkreten Konflikts.
Eva Leitolf studierte an der Universität GH Essen und am California Institute of the Arts. Ihre Arbeiten, u. a. die zwischen 1992 und 2008 entstandene Serie "Deutsche Bilder – eine Spurensuche", "Rostock Ritz" (2004) und "Postcards from Europe" (seit 2006) wurden mit renommierten Preisen ausgezeichnet und waren Gegenstand zahlreicher Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland.

Öffnungszeiten:
Mi-Sa 11.00-18.00 Uhr
u.n.V.