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Galerie Tanja Wagner

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Pohlstr. 64
10785 Berlin
Tel.: 030 86 43 01 20
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Paula Doepfner: Whatever gets you through the night, it’s alright, it’s alright

15.11.2014 - 17.01.2015
 

Ach, daß da das abstrakte Phänomen des Vorhandenseins sein kann, Von Bewußtsein und Wirklichkeit, Was auch immer dies sei… Wie den Schauer in Worte fassen, den all dies mir verursacht? Wie erklären, wie dies ist, damit es fühlbar wird? Fernando Pessoa
Galerie Tanja Wagner freut sich neue Arbeiten von Paula Doepfner zu zeigen. Ihre jüngsten Werke führen ihre bisherige Beschäftigung mit dem menschlichen Bewusstsein weiter. Die Künstlerin fokussiert sich stärker als zuvor auf das Phänomen des subjektiven Erlebens mentaler Zustände und die Beziehung zwischen Emotionen und neuronalen Prozessen. Neben neurophilosophischen Texten aus der Anthologie philosophy of mind (Hg: David Chalmers, 2002) dienten Passagen aus Durs Grünbeins Das erste Jahr und Fernando Pessoas Buch der Unruhe als Ausgangspunkte des künstlerischen Prozesses. Während die theoretischen Texte „das schwierige Problem des Bewusstseins (the hard problem of consciousness)“ erforschen und der Frage nachgehen, wie subjektives Erleben funktioniert, beschreiben Grünbein und Pessoa den Vorgang innerer Prozesse und nähern sich der Komplexität des Themas über die Poesie.
Doepfner verarbeitet ihre Referenzen nicht nur intellektuell, sondern integriert sie als handschriftliche Abschriften in ihre Objekte und Zeichnungen. In der aktuellen Ausstellung hängt eine Serie von Eisobjekten von der Decke. Im Inneren der Objekte schichten sich die Notizen: Neurowissenschaftliche Forschungsberichte, Reflexionen von Durs Grünbein und Fernando Pessoa sowie Songtexte von Bessie Smith, geschrieben mit rotem Filzstift auf Papier. Während der Ausstellungsdauer schmelzen die Eisblöcke und legen die eingefrorenen Texte frei, das Schmelzwasser wird in Metallbecken auf dem Boden aufgefangen, die mit der Zeit zu rosten beginnen. Ist das Eis vollkommen geschmolzen werden weitere Eisobjekte gehängt, deren „Inhalt“ den Textkorpus über das Bewusstsein erweitern. Doepfners Installation vollzieht somit eine ständige Veränderung, sie ist ihrem Wesen nach ephemer und nicht wiederholbar.
An den Wänden hängen großformatige Arbeiten auf transparentem Papier, in denen sich kleine, gezeichnete Punkte mit fein gesetzter Schrift und gepressten Pflanzen verbinden. Die Texte basieren auf dem Band philosophy of mind und fassen neurophilosophische Positionen von Descartes bis zur Gegenwart zusammen. Die Aufzeichnungen bilden Raster, aus denen Punktgeflechte, Nervensträngen ähnlich, zu den gepressten Pflanzen führen oder sich mit ihnen überschneiden. Ergänzt werden die Zeichnungen von hohen, rechteckigen Objekten, bestehend aus getrockneten Blüten, Erde und Pigment auf gesprungenem Panzerglas. Das Glas stammt von der zerstörten Fassade eines Berliner Luxuswohnhauses. Die Blüten werden mit Erde und Pigment vermengt und bilden organische Objekte, denen Doepfner basierend auf der Visualisierung der Hirnkartierung eine Form verleiht.
In Paula Doepfners Arbeiten verbinden sich kraftvolle und fragile Materialien, wissenschaftliche Strenge und poetische Offenheit. Sie visualisieren die Inkonsistenz und Vielschichtigkeit innerer Zustände und erzählen von der Schwierigkeit, subjektives Erleben zu begreifen. Weiterführende Fragen, um die sich Doepfners Werk bewegt, berühren philosophische und gesellschaftliche Themen: Wird die neurowissenschaftliche Analyse des menschlichen Bewusstseins die Endlichkeit unserer Existenz begreifbarer machen? Kann die Erforschung unseres subjektiven Erlebens Ergebnisse liefern, die als Grundlage für eine kritische Diskussion über die aktuelle Radikalisierung politischer und religiöser Strömungen dienen?
Paula Doepfner, 1980 geboren in Berlin, lebt und arbeitet in Berlin. Sie hat an der Universität der Künste Berlin bei Rebecca Horn und Burkhard Held studiert. Ihre Arbeiten waren u.a. im Kunstverein östliches Sauerland, Brilon, Kunstverein Mainz, Ionion Center for the Arts, Kefalonia, in der Temporären Kunsthalle, Berlin, A Foundation Liverpool, Bomann-Museum Celle und der Shedhalle in Tübingen zu sehen.

Öffnungszeiten:
Mi-Sa 11.00-18.00 Uhr
u.n.V.