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Galerie Priska Pasquer

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Albertusstr. 18
50667 Köln
Tel.: 0221 952 63 13
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Radenko Milak: Big Time

07.11.2014 - 03.01.2015
 

Radenko Milak (geb. 1980) analysiert die Rolle der zeitgenössischen Bildproduktion bei der Herausbildung unseres historischen und kulturellen Gedächtnisses. Das malerische Werk des bosnischen Künstlers kreist um Fragen der Fixierung und Speicherung des Visuellen sowohl in der persönlichen Erinnerung als auch in der medialen Präsentation durch Film und Foto. In der ersten Einzelausstellung des Künstlers zeigt | PRISKA PASQUER eine repräsentative Auswahl von Werken aus den Jahren 2005 - 2014. Im Zentrum der von León Krempel kuratierten Schau steht die 24-teilige Serie And what else did you see? - I couldn't see everything (2010-2012).
Malerei, Zeichnung, Aquarell und neuerdings auch Animation sind die bevorzugten Ausdrucksmittel von Radenko Milak. Sein Material findet er in Printmedien und im Internet. In seinen Aquarellen und Ölgemälden transformiert er Vorlagen aus Filmen, Reportagen oder Pressebildern zu kleinen, intimen bildnerischen Szenarien. Diese können beim Betrachter Fakten und Geschichten ins Gedächtnis rufen, aber auch als autonome Bilderzählungen wahrgenommen werden.
Die Serie And what else did you see? - I couldn't see everything (2010-2012) führt Malerei und Kriegsfotografie zusammen. Sie basiert auf einem Pressefoto, das Ron Haviv 1992 im Bosnienkrieg aufgenommen hat. Die Aufnahme zeigt einen Uniformierten mit Waffe, Sonnenbrille im Haar und Zigarette in der Hand, der im Begriff ist, mit aller Kraft eine mit dem Gesicht auf dem Boden liegende Frau zu treten. Das Foto aus der Blood & Honey: A Balkan War Journal benannten Serie provozierte zahlreiche Kommentare und Diskussionen.
24 Mal hat Milak dieses Motiv als kleine schwarzweiße Ölstudie gemalt. Den Titel entnahm er einem Interview mit dem Fotografen. Dieser hatte auf die Frage eines Journalisten, was er sonst noch gesehen habe, geantwortet: „Ich konnte nicht alles sehen!" Genau um diese Frage geht es in Milaks malerischen Annäherungen an das Sujet. Denn was genau sieht man auf dem Foto? „Eigentlich sagt uns dieses Foto sehr wenig – allenfalls dies: dass der Krieg die Hölle ist und dass mit Gewehren bewaffnete, schlanke junge Männer imstande sind, dickliche ältere Frauen, die, hilflos oder schon getötet, auf der Straße liegen, gegen den Kopf zu treten.", kommentierte Susan Sontag die Aussagekraft des Bildes.
In seinen malerischen Variationen umkreist Milak wieder und wieder das vermeintlich eindeutige fotografische Motiv. Er übersetzt das technische Bild in ein handgemachtes und produziert dabei eine unperfekte Ähnlichkeit, die das fehlende Wissen erfahrbar macht. An die Stelle der festen Konturen und präzisen Details treten eine sinnliche Pinselführung, ein introspektiver Blick – und bieten damit eine neue Art und Weise, die übermittelte Information zu verstehen. Milaks Bilder machen die Mechanismen bewusst, nach denen sich unser historisches und kulturelles Gedächtnis im Medienzeitalter formiert. Dabei widmet er sich nicht nur den großen historisch-politischen Narrativen, sondern auch dem Patchwork persönlicher, populärer Erzählungen. Beispielhaft hierfür ist ein Aquarell aus der Serie Unfinished Stories (2012-13). Das nur mit schwarzem Pigment ausgeführte Bild führt den Betrachter in einen kleinen Raum, unmittelbar vor ein großes, fast die gesamte Bildfläche einnehmendes Fenster. Durch den rechten Flügel blickt man hinaus auf eine verschwommene Stadtlandschaft mit Wohnblocks und angedeuteten Grünflächen, der linke Fensterflügel ist von einem halbtransparenten Vorhang verdeckt. Davor steht schräg ein kleiner eingeschalteter Fernseher. Es ist nicht klar, ob das Aquarell auf einem Filmstill basiert, oder die malerische Umsetzung einer tatsächlich vom Künstler gesehenen Situation ist. Zudem greift die Szene ein klassisches Sujet der Interieurmalerei des 19. Jahrhunderts auf. In diesem zeitgenössischen „Fensterbild" thematisiert Milak die Befindlichkeit des modernen Individuums und seiner über das Auge geleiteten Beziehung zur Welt da draußen – die über das Fernsehen ohnehin schon gebrochen und in den intimen Raum eingedrungen ist.
Radenko Milak, geb. 1980 in Travnik, ehem. Jugoslawien, lebt und arbeitet in Banja Luka, Bosnien-Herzegowina. Ausbildung an Akademien in Banja Luka und Belgrad, Gruppenausstellungen u.a. in Paris, München und Wien. Werke in Sammlungen: Kunstsammlung Deutsche Telekom, Agnès B., Paris, Nationalgalerie von Bosnien und Herzegowina, Sarajewo, Museum of Contemporary Art der Republik Srpska in Banja Luca u.a.

Öffnungszeiten:
Di-Fr 11.00-18.00 Uhr
Sa 11.00-16.00 Uhr